Limousine angeboten

14. September 2019 10:26; Akt: 14.09.2019 10:26 Print

Maurer rettet Vaterehre von SP-Chef Levrat

SP-Präsident Christian Levrat wollte die Maturafeier seiner Juso-Tochter schwänzen. Der Bundespräsident und ein CVP-Ständerat schritten ein.

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Schweizer Politiker haben es gut untereinander – selbst im Wahljahr. Sehr gut sogar, wie eine Anekdote beweist, über die die «NZZ» berichtet.

Auf Einladung der Kantonsregierung traf sich die ständerätliche Wirtschaftskommission (WAK) im Juni im «Sternen» in Kriegsstetten SO zum Abendessen. Levrat erzählte, dass seine Tochter morgen ihr Maturazeugnis überreicht bekomme, er die Feier wegen der WAK-Sitzung aber sausen lassen müsse.

CVP-Ständerat stimmt für Levrat

Traktandiert war am nächsten Tag nämlich das Versicherungsvertragsgesetz, ein Geschäft, das Levrat am Herzen liegt. Seine Tochter, die selbst in der Juso ist und für den Nationalrat kandidiert, habe das problemlos akzeptiert, soll Levrat weiter ausgeführt haben.

CVP-Ständerat Konrad Graber, der neben Levrat sass, konnte das nicht glauben. «Das darfst du nicht», soll der Familienpolitiker zum SP-Präsidenten gesagt haben. Und er bot ihm an, in der Sitzung immer so zu stimmen wie Levrats Parteikollege Roberto Zanetti. Levrat schlief eine Nacht darüber – und nahm das Angebot von Graber tatsächlich an, wie die «NZZ» weiter schreibt.

Maurer überführte Levrats Auto nach Bern

Damit fingen die Probleme für Levrat erst an. Als er an jenem Freitag ins Auto steigen wollte, fand er dummerweise den Schlüssel nicht. Bundespräsident Ueli Maurer (SVP), der ebenfalls vor Ort war, wurde zum Retter in der Not: Er stellte Levrat seine Dienstlimousine samt Chauffeur zur Verfügung. So schaffte es Levrat rechtzeitig zur Feier in Bulle im Kanton Freiburg.

Maurers Chauffeur fuhr danach zurück nach Kriegsstetten. Dort suchte er nach Levrats Schlüsseln und fand sie in dessen Auto. Da Levrat über kurz oder lang in Bern sein musste, liess Maurer seinen Chauffeur allein zurückfahren. Er selbst überführte Levrats Wagen nach Bern.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Quinisearcher am 14.09.2019 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Wenn solche Bereitschaft in der Tagespolitik der Parteien untereinander auch ankommen würde, wäre das doch wünschenswert.

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  • Amt am 14.09.2019 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Thumb up

    Tolle Geschichte. Mal ein Happy End und Menschlichkeit unter nicht gleichgesinnten Politiker.

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  • Bingo am 14.09.2019 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freude herrscht

    Ich finde diese unpolitischen menschliche Gesten sehr erfreulich ! Das sind Politiker mit Herz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • TomH am 14.09.2019 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    Super Sache

    Genau!!! Das ist der richtige Weg und ein sehr guter Anfang! Miteinander statt Gegeneinander! Weiter so und der Funke springt auf die Schweizer Bevölkerung rüber!... wir müssen einander gegenseitig wieder mehr unterstützen

  • Oller Typ am 14.09.2019 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    Der SVP Ueli

    Der Ueli ist mir symphatisch. Kein Akademiker, aber trotzdem intelligent. Passt aber auch irgendwie gar nicht zur SVP von heute! Grüsse, ein überzeugter SVP Wähler vor 20 Jahren.

  • Mr Prio am 14.09.2019 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    Prioritäten

    Also, ich kann mir keine Sitzung vorstellen wegen der ich die Maturafeier meiner Tochter sausen gelassen hätte. Sitzungen gibt's tausende im Leben. Solche Feiern nicht. Die Kollegialität der anderen in Ehren, aber soweit hätte es doch gar nicht kommen müssen, Herr Levrat

  • Schellen Ursli am 14.09.2019 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles egal

    Ist doch egal wenn der Laveri nicht an dem Fest der Tochter teilnimmt. Er hat ja eh keine Zeit für sie. Zudem zeigt dieser Vorfall, dass unsere Politiker sich eh nur zum Schein bekämpfen und ansonsten sich zusammen lieber zuprosten: Scheindemokratie!

  • roger am 14.09.2019 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    wie im wahren Politleben

    Die CVP hat keine eigene Meinung und macht, was die SP macht. SP-Levrat ist desorientiert und kann keine Prioritäten setzen. Politiker aus allen Lagern fahren gerne Auto, predigen dem Volk aber CO2-Reduktion.