03. April 2005 23:24; Akt: 03.04.2005 23:40 Print

Um 8 Uhr morgens läuteten alle Glocken

Mit Glockengeläut, Gebeten und Würdigungen gedachte die Schweiz des verstorbenen Johannes Paul II.

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In Einsiedeln verkündete gestern früh um 6.45 Uhr das halbstündige Geläut der zwei grossen Glocken der Klosterkirche den Tod des Papstes. Um 8 Uhr läuteten alle Glocken der katholischen Kirchen in der Schweiz, um die Gläubigen zum Gebet aufzurufen.

Der Bundesrat hat dem Vatikan und der katholischen Kirche sein tiefes Bedauern mitgeteilt. «Der Papst hat uns immer wieder gezeigt, dass auf unserer Welt, so grässlich sie manchmal sein kann,
die Hoffnung nicht untergeht», sagte Bundespräsident Samuel Schmid. Noch offen ist, wer die Schweiz an den Trauerfeierlichkeiten in Rom offiziell vertreten wird.

Mancherorts wurden gestern die Fahnen auf halbmast gesetzt – etwa beim Kloster Einsiedeln, wo Abt Martin Werlen in der Messe den verstorbenen Papst würdigte: «Sein Tod ist ein grosser Verlust. Ich bin sehr dankbar für alles, was er uns geschenkt hat.»

Im Kloster erinnert man sich in Dankbarkeit an seinen Besuch im Jahre 1983, als Johannes Paul II. den Hochaltar eingeweiht und drei Tage lang bei den Mönchen gewohnt hat. In der Klosterkirche verharrten gestern viele Gläubige im stillen Gebet für den verstorbenen Pontifex.

Tiefe Betroffenheit in Bern

Besonders tiefe Betroffenheit herrscht im Berner Viktoria-Heim, wo der Papst bei seinem Besuch im letzten Juni gewohnt hat. «Er hat sich uns als Mensch gezeigt», erinnert sich die stellvertretende Oberin Urbana Glaus.

Ihr hoher Gast bleibt in den Gedanken und Tischgesprächen der 65 Ordensschwestern stets präsent. Trost finden sie im Gebet mit den Rosenkränzen, die ihnen der Papst geschenkt hat. «Sicher war der Tod eine Erlösung für ihn», sagt Schwester Urbana, «jetzt hoffen wir, dass er für sein Leiden und seinen Einsatz belohnt wird.»

Mit gemischten Gefühlen haben die Heimbewohner am TV verfolgt, wie das langsame Sterben des Papsts regelrecht zelebriert wurde. «Ich glaube nicht, dass er es so gewollt hat», sagt Urbana, «höchstens um zu zeigen, dass man den Tod nicht verdrängen muss.»


Was erwarten Sie vom nächsten Papst?

Dominique Graf, (46), Zürich
Ich wünsche den Katholiken einen modernen Papst, der endlich das Zölibat abschafft. Er sollte sich zudem viel mehr als bisher mit Themen wie Frauen im Priesteramt oder Homosexualität beschäftigen.

Christophe Husi, (26), Bennau
Er soll weltoffen sein und sich für alle Menschen und Kulturen einsetzen. Ein Papst aus Afrika oder Südamerika würde eine Öffnung der Kirche symbolisieren. Die vorgegebene Richtung sollte aber bleiben.


Marie-Therèse Cina (51), Urdorf
Viel in der Kirche ändern sollte der neue Papst nicht. Johannes Paul II. war modern, und so soll auch der Neue sein. Wichtig ist Barmherzigkeit und Offenheit. Er soll seinem Glauben und der Kirche treu sein.

Armin Rüetschi, (47), Schafisheim
Johannes Paul II. hat mir sehr imponiert. Sein Nachfolger sollte das gleiche Charisma haben. Ich wünsche mir, dass er ebenso viel reist, die Religionen zusammenführt und auch politisch Einfluss nimmt.

Gabriele Kadanka (40), Wien
Für die Entwicklung des Menschen und seiner Seele wäre es an der Zeit, dass wir eine Päpstin erhalten. Sie sollte ein ganzheitliches Denken pflegen. Die Zeit von Weiss – Schwarz oder von Gut – Böse ist vorbei.


(alk/mar)