Plötzlich Geschwister

19. Dezember 2018 15:27; Akt: 25.12.2018 10:03 Print

Plötzlich hatte Stéphanie geschätzte 50 Geschwister

Als Stéphanie erfährt, dass ihr leiblicher Vater ein Samenspender ist, macht sie sich im Internet auf die Suche nach ihrer Herkunft. Sie trifft auf zwei Brüder – und dürfte weitere 50 Geschwister haben.

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Plötzlich stand Stéphanie in einem Berner Park vor ihrem Bruder. «Es ist wie ein Puzzlestück, das mir fehlte und ich nun entdeckt habe», sagt die 39-Jährige gegenüber der «SRF Rundschau». Vor kurzem hatte Stéphanie erfahren, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist. Das sei für sie ein Schock und eine Erleichterung zugleich gewesen. Eine Erleichterung deshalb, weil sie immer schon gespürt habe, dass etwas nicht stimmte: «Ich hatte oft das Gefühl, adoptiert zu sein.»

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Nachdem ihre Mutter ihr endlich die Wahrheit gesagt hatte, entschloss sich Stéphanie dazu, eine Speichelprobe an eine amerikanische DNA-Datenbank zu schicken, um mehr herauszufinden. «Ich wollte wissen, dass das, wo ich herkomme, nicht nur eine Plastikflasche ist, sondern ein menschliches Wesen», so die Schweizerin. Gefunden hat Stéphanie dank der Website 23andme.com, die weltweit Millionen von DNA-Profilen vergleicht, nun ihren Bruder Hannes.

«Wusste nicht, dass mein Vater nicht mein leiblicher war»

Hannes ist zwei Jahre jünger als Stéphanie, auch er wusste sein ganzes Leben lang nichts von seiner Halbschwester, die heute im französischen Grenoble wohnt. Er lebt in Baden AG und arbeitet als Rechtsanwalt. Anders als Stéphanie hatte Hannes sich nur aus reiner Neugierde bei der DNA-Datenbank angemeldet. Nie hätte er gedacht, dass sein verstorbener Vater nicht sein leiblicher Vater war.

Stéphanie und Hannes wurden beide im damaligen Frauenspital Bern gezeugt. In den 70er- und 80er-Jahren, als die anonyme Samenspende sich in der Schweiz im Falle von männlicher Unfruchtbarkeit etabliert hatte, war dieser Spital besonders aktiv. Die dortigen Ärzte hatten den Eltern stets geraten, die künstliche Befruchtung strikt zu verschweigen. «Das Kind gehört der Familie und fertig», wird der damalige Spezialist und Facharzt Ulrich Gigon in einer Archivaufnahme in der «Rundschau» zitiert. Spuren, die zum Samenspender hätten führen können, seien damals absichtlich verwischt worden.

Studenten als Samenspender

Seit der 37-jährige Hannes weiss, dass sein Spendervater wohl noch unzählige Kinder mehr gezeugt hat, lässt ihn die Geschichte nicht mehr los. Er glaubt heute, seinen leiblichen Vater durch intensive Recherchen in der DNA-Datenbank gefunden zu haben. Der vermeintliche Spendervater war ein ehemaliger Student von Ulrich Gigon, der häufig Samenspenden seiner Schüler benutzt hatte. Zu einem Treffen ist es bist jetzt nicht gekommen. Hannes sagt, er würde sich ein solches sehr wünschen: «Ihn zu treffen, wäre spannend, er muss ganz anders aufgewachsen sein als wir alle.»

Der vermutliche Vater blieb nicht die einzige Person, die Hannes aufgespürt hat. Andreas ist 40 Jahre alt, wurde auch im Frauenspital Bern gezeugt und lebt heute in der Nähe von Wien. Auch er ist ein Bruder von Stéphanie und Hannes. «Am Anfang war ich überfordert und hätte niemals damit gerechnet», so Andreas.

Gemeinsam auf der Suche nach weiteren Geschwistern

Mittlerweile haben sich die drei Geschwister kennen gelernt. Sie hätten den gleichen Humor «und Jahrzehnte aufzuholen». Zusammen begeben sie sich nun auf die Suche nach weiteren Geschwistern. Hannes glaubt, dass es mindestens 40 bis 50 von ihnen gibt. «Jeden Tag könnten neue Brüder oder Schwestern auftauchen. Wir haben schon darüber Witze gemacht, dass wir an Weihnachten irgendwann vielleicht eine Eventhalle mieten müssen.»


Stéphanie, Hannes und Andreas sind längst nicht allein. Tausende Frauen sind damals durch anonyme Samenspende zu ihrem Kind gekommen – mehr dazu heute Abend in der «Rundschau» auf SRF 1 um 20.05 Uhr.

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Otto am 19.12.2018 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Inzest?

    Vielleicht sollte man die Anzahl beschränken.. Was ist wenn es zu unfreiwilligem Inzest kommt?

    einklappen einklappen
  • J. Eggimann am 19.12.2018 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die grosse Frage mit Geschwister aus Samenspende

    Was nun ? Wenn sich zwei Menschen finden, und sie im Nachhinein feststellen, dass sie eigentlich Geschwister sind. Somit können sie nicht heiraten auch keine Kinder zeugen. Das Problem wäre happig ...

  • Schöne Bescherung am 19.12.2018 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches Grinsen

    Cool, dass sie sich gefunden haben. Haben auch fas gleiche Grinsen. Aber die eigene Familie bitte nicht verdammen, sondern es als "Erweiterung" der Familie sehen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zhar Cast BL am 20.12.2018 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bisschen vermessen

    Aber ich muss automatisch an die Folge von Family Guy denken... einen Film gibts ja auch schon, wo einer plötzlich vater von 100 Kinder ist.

  • Vierziger am 20.12.2018 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wollen diese

    Kuckuckskinder? Geld vom Spender oder den «neuen Angehörigen»? Es ist nie gut, wenn «Familie» zu eng aufeinander klebt, was sich in diesem Fall ganz drastisch schon in Kürze zeigen wird....

  • Herbi68 am 19.12.2018 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht überreagieren

    Dieser Kinder sind gewollt und sind sicherlich mit viel Fürsorge aufgezogen worden. Anstössig ist, wenn man Kinder im Ausland kauft. Sicherlich ist es toll, viele Geschwister zu haben.

  • Axwell am 19.12.2018 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    STARBUCK

    Schaut den Film Starbuck! Sehr zum empfehlen!

  • Bruno Broger am 19.12.2018 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ärzte

    Da kann ja jeder einmal Erben ,und es gibt womöglich das Geschwister einmal sich ohne zu wissen Heiraten Bruder und Schwester,die Ärzte am Kragen nehmen,und einklagen,