Patrouille-Suisse-Absturz

28. März 2019 09:45; Akt: 28.03.2019 09:45 Print

Pilot flog «blind» – jetzt droht ihm eine Strafe

2016 haben sich in den Niederlanden zwei Tiger der Patrouille Suisse berührt. Ein Flieger stürzte ab. Gegen einen der Piloten wurde nun eine Voruntersuchung eröffnet.

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Die Militärjustiz hat knapp drei Jahre nach der Kollision von zwei Tiger-Kampfflugzeugen der Patrouille Suisse in den Niederlanden eine Voruntersuchung gegen einen Piloten beantragt. Er hatte offenbar den Sichtkontakt verloren und es nicht vorschriftsgemäss gemeldet.

Das ist im Juni 2016 passiert

Am 9. Juni 2016 waren während eines Trainingsflugs zwei Kampfflugzeuge des Typs «Northrop F-5E Tiger II» der Patrouille Suisse in der Nähe der niederländischen Militärflughafens Leeuwarden miteinander kollidiert. In der Folge verlor einer der Piloten die Kontrolle über sein Flugzeug und betätigte den Schleudersitz.

Er zog sich beim Schleudersitzabschuss und der nachfolgenden Landung oberflächliche Schnittverletzungen an Gesicht und Händen sowie eine Fraktur des Innenknöchels am linken Sprunggelenk zu. Das Flugzeug zerschellte in der Nähe eines an einem Weiher gelegenen Treibhauses und erlitt Totalschaden. Die Höhe des Schadens wird auf über 800'000 Franken geschätzt.

Das zweite Flugzeug wurde zwar beschädigt, blieb aber manövrierfähig und konnte vom unverletzt gebliebenen Piloten sicher gelandet werden.

Diesen Fehler machte der Pilot

In seinem Schlussbericht zur vorläufigen Beweisaufnahme hält der Untersuchungsrichter fest, dass dem bei der Kollision verletzten Piloten zum Unfallzeitpunkt wahrscheinlich das erforderliche Situationsbewusstsein entweder komplett fehlte oder dass dieses zumindest fehlerhaft war, wie aus einer Mitteilung der Militärjustiz vom Donnerstag hervorgeht.

Der Pilot habe nach einem Manöver zur Reduktion der Geschwindigkeit das zweite am Unfall beteiligte Flugzeug bei der Wiedereingliederung in die Formation aus den Augen verloren. Er habe es jedoch unterlassen, dies über Funk mit dem Wort «blind» zu melden.

Wenn ein Pilot nach einer Trennung von der Formation wieder zu dieser aufschliesse und dabei das vor ihm fliegende Flugzeug nicht mehr sehen könne, habe er die Pflicht, diesen veränderten Sichtstatus zu melden. Die Phase der Desorientierung des Piloten sei mit fünf bis zehn Sekunden zu lang gewesen, als dass er auf die «blind»-Meldung hätte verzichten dürfen.

Das droht dem Unfallpiloten jetzt

Auch wenn der Pilot den fehlenden Sichtkontakt nicht oder zu spät realisiert habe, so sei die Verantwortung für die Vermeidung einer Kollision beim fraglichen Manöver gemäss den geltenden Reglementen bei ihm gelegen. Ein mögliches Fehlverhalten des Piloten als Unfallursache lasse sich deshalb nicht ohne Weiteres von der Hand weisen.

Aufgrund dieser Ergebnisse hat der Untersuchungsrichter dem Kommandanten der Luftwaffe beantragt, gegen den mutmasslich unfallverursachenden Piloten eine Voruntersuchung zu eröffnen. Er habe sich möglicherweise der fahrlässigen Verschleuderung von Material sowie der Verletzung von Dienstvorschriften schuldig gemacht. Der Kommandant der Luftwaffe, Bernhard Müller, hat die Anträge des Untersuchungsrichters bereits gutgeheissen. Für den beschuldigten Piloten gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

(vro/sda)