Keuchhusten

10. November 2016 11:12; Akt: 10.11.2016 11:15 Print

Ungeimpfte Eltern gefährden ihre Babys

Seit 2012 empfiehlt das BAG Erwachsenen eine Nachholimpfung gegen Keuchhusten. Doch nur wenige folgen diesem Rat. Dies kann für Säuglinge gefährlich werden.

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Man werde von innen nach aussen gestülpt. Erniedrigend sei es, sagt H. L.* (41). Sie spricht vom Keuchhusten, der sie seit sieben Wochen buchstäblich in die Knie zwingt. Noch immer muss sie bei einem Anfall innehalten, alles fallen lassen, die Hände auf die Oberschenkel legen, sich vornüber in die «Kotzstellung» beugen, würgen und elend husten. «Während der ersten Zeit habe ich mich andauernd übergeben.» L. hat in den letzten zwei Monaten acht Kilo abgenommen, kaum eine Nacht durchgeschlafen, ihre Muskeln schmerzen und sie ist körperlich am Ende.

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27 %
Insgesamt 3110 Teilnehmer

In der Schweiz erkranken laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) rund 4000 Menschen pro Jahr an Keuchhusten. Doch die Fälle sind in den letzten Jahren gestiegen. Während 2009 erst 3800 Erkrankungen gemeldet wurden, waren es 2012 bereits 7900. 2013 stiegen die Fälle dann auf 13'200. Seither hat die Tendenz wieder leicht abgenommen. Die Zahlen für 2016 liegen noch nicht vor.

Nur 43 Prozent gehen zur Auffrischimpfung

Petros Ioannou , Ärztlicher Leiter der Kinder Permanence Swiss Medi Kids, spricht jedoch von einer Zunahme – vor allem unter Minderjährigen. Letzte Woche behandelte er vier Kinder mit einer Pertussis-Infektion. «Im Moment häufen sich die Fälle gerade, ich schätze sie haben bald ihren Peak erreicht.» Auch Monika Niehaus, medizinische Leiterin des Kinderarzthauses Zürich, sagt: «In den letzten Jahren traten immer wieder Fälle von Keuchhusten auf.» Die meisten Kinder seien geimpft, die Zunahme betreffe vor allem Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen.

Laut Ioannou ist diese Tatsache auf zwei Faktoren zurückzuführen: «Erstens gibt es in der Schweiz immer mehr Impfgegner, zweitens sind viele Erwachsene schlecht informiert.» Dies zeigen auch die Zahlen des BAG: Die Impfrate der 17- bis 30-Jährigen beträgt nur 43 Prozent. Fast die Hälfte dieser Altersgruppe verzichtet auf die empfohlenen Nachholimpfungen.

Babys sind besonders gefährdet

Vor allem für Babys kann eine Pertussis-Infektion fatale Folgen haben. Weil sie weder im Mutterleib noch über die Muttermilch Antikörper gegen Keuchhusten aufnehmen, sind sie gegen die Krankheit nicht geschützt. Schlimmstenfalls führt der Husten zu einem Atemstillstand.

Vier Menschen sind in den letzten 15 Jahren in der Schweiz an Keuchhusten gestorben, zwei davon waren Säuglinge: 2012 ein zweimonatiges und 2015 ein einmonatiges Baby. Eine Impfung sei die einzige und sicherste Methode, sich vor der Erkrankung zu schützen, so Niehaus. Trete dennoch eine Infektion auf, verlaufe die Krankheit meist weniger schwer als bei ungeimpften Patienten. Um sein Kind wirklich zu schützen, müssten allerdings alle empfohlenen Impfungen durchgeführt werden, sagt Ioannou – und das sind viele (siehe Box).

«Das hätte schrecklich enden können»

Seit 2012 empfiehlt das BAG auch Erwachsenen zwischen 25 und 29 Jahren, eine Auffrischimpfung durchzuführen. «Davon habe ich nichts gewusst», sagt L. Weder ihr Hausarzt noch ihr Gynäkologe hätten sie jemals darauf aufmerksam gemacht. Das sei fahrlässig und gefährlich: «Meine jüngere Tochter ist zum Glück bereits vier Jahre alt und geimpft. Stellen Sie sich vor, ich hätte ein Baby zu Hause gehabt, das hätte schrecklich enden können.»

Ioannou und Niehaus nehmen beide ihre Kollegen in die Pflicht: Die Kinderärzte handelten bereits an vorderster Front, wichtig sei aber auch, dass Hausärzte, Gynäkologen und Geburtshelfer ihre Patienten proaktiv informierten. Ioannou: «Ungeimpfte Eltern sind für ihre Babys eine wandelnde Gefahr.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P.A. am 10.11.2016 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Einzelimpfung

    Es sei noch erwähnt, dass es keine Eizelimpfung gibt. Nur in Kombination mit Tetanus und Diphterie. Ausserdem ist es erwiesen, dass die Keuchhustenimpfung am meisten Nebenwirkungen hat und eine sehr schlechten Schutz bietet (sofern sie überhaupt gegen Keuchhusten schützt).

  • Sabine am 10.11.2016 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schlagzeile als Behauptung

    Diese Schlagzeile ist eine reine Behauptung - wer das glaubt soll impfen, wer weiss was Impfungen sind, welche Inhaltsstoffe usw. der impft nicht! Eine Empfehlung: Taschenbuch "Ein medizinischer Insider packt aus" von Prof. Dr. Peter Yoda und der Vortrag von Anita Petek-Dimmer "Impfungen: Sinn oder Unsinn?" Guten Morgen :-)

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  • Die Interessierte am 10.11.2016 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als Laie muss man ja den Ärzten vertauen

    Ja das ist wirklich schlimm. Schlimm waren auch die Krampfanfälle die mein 2 1/2 Jahre alter Sohn damals direkt nach der Impfung hatte. Möchte kein Mitleid aber es gibt beide Seiten. Wer alles glauben möchte was ihm so erzählt wird soll doch. Wenn ich meinem gesunden Kind keine, auf toten Föten gezüchteten, Impfstoffe geben will ist das die elterliche Entscheidung. Kanns keinem Laien übelnehmen wenn er den Überblick bei den Inhaltsstoffen nicht behalten kann. Da steht natürlich nicht toter Fötus im Beipackzettel sondern ein anderer Begriff..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beatrice am 10.11.2016 22:49 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelblindstudien

    Die offizielle Begründung dafür, dass die Impfexperten der Welt konsequent auf ordentliche Placebo-kontrollierte Doppelblindstudien verzichten, basiert auf einem Zirkelschluss. Und Zirkelschlüsse sind in der Wissenschaft ein absolutes No-Go, ein Tabu, ein Logikfehler.

    • Bill am 10.11.2016 22:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Beatrice

      Wieder schön vage, unkonkret und voller unterstellungen. Wie man es von Impfgegnern gewöhnt ist. Was ist denn dieser Zirkelschluss?

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  • Roland am 10.11.2016 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Spanische Grippe

    Wer mal nach der spanischen Grippe forscht stösst bald einmal auf den merkwürdigen Umstand, daß gemäß Augenzeugen von Pflegepersonal damals, praktisch nur Geimpfte daran erkrankten, da fragt man sich: Wurde die spanische Grippe etwa geimpft? War früher überzeugter Impfbefürworter doch je mehr man sich damit befasst, desto tiefer sinkt das Vertrauen, das ganze stinkt zum Himmel!

  • Klaus am 10.11.2016 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    Antworten

    des Robert Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts zu den 20 häufigsten Einwänden gegen das Impfen. Stand: 22.4.2016 (Erstveröffentlichung: 2007) Man lese selbst!

  • Claudio am 10.11.2016 21:43 Report Diesen Beitrag melden

    Warum werden Nebenwirkungen

    von Impfungen in den Zufall verschoben und nicht in den Zusammenhang mit der Impfung gestellt? Warum wird dann eine Folge einer Krankheit (Hirnentzündung bei Masern oder Tod durch Grippe) nicht auch als Zufall hingestellt? Warum wird dies dort einfach ausgeklammert? Warum wird der Gesundheitszustand vor der Erkrankung oder dem Tod nicht auch als Ursache anerkannt? Denn oft ist die Grippe für die schon Geschwächten oft auch kranken und mit Medikamenten abgefüllten Menschen nur noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und nicht die Ursache.

    • Bill am 10.11.2016 22:00 Report Diesen Beitrag melden

      @Claudio

      Es wird nicht ausgeklammert, sondern nach sorgfältiger Prüfung für höchst unwahrscheinlich befunden. Im Gegensatz zu Impfgegnern verstehen Wissenschaftler, dass Korrelation nicht Kausalität bedeutet.

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  • Grossmutter von 5 Enkelkindern am 10.11.2016 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hört mit dem Druck auf

    Ich bin der Meinung dass es jedem selbst überlassen werden soll wie er entscheiden will. Jeder trägt dann auch die Verantwortung wenn mal ein Ereignis ein- tritt (zB. Röteln bei Schwangeren). Folgen: das Kind kann Blind auf die Welt kommen. Habe damals meine 3 Kinder geimpft. Sie haben keinen Schaden genommen. Setzt bitte nicht immer die heutigen Mütter und Väter unter Druck, es sind Ihre Kinder Ihre Entscheidungen.