Schlimme Verletzungen

12. September 2019 12:58; Akt: 12.09.2019 12:58 Print

Ungeübte Touris stürzen mit E-Mountainbikes

von Ilona Himmelberger - Die Anzahl Unfälle beim Mountainbiking steigt, trotzdem hält der Bike-Boom an. Vor allem Downhill-Fahrer und E-Biker verunfallen schwer.

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«Natur, Berge und viel Flow»: So wirbt etwa Graubünden Tourismus für seine Bike-Trails. Im Wallis lockt die «Region Du Midi» mit 600 Kilometer markierten Strecken, die «mit Muskelkraft oder auf dem E-Bike entdeckt werden wollen.» Und in Arosa gibt es gar kostenlose E-Mountainbike-Kurse am Samstagmorgen.

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Mehr Mountainbike-Verletzte

Für viele endet der Spass beim Mountainbiken aber zunehmend aber im Spital: Laut der aktuellen Unfallstatistik der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) gab es im Jahr 2005 in der Schweiz 6680 Unfälle mit Verletzten, waren es 2016 fast schon 10’000.

Ein ähnliches Bild zeigen die Zahlen der Suva. Auf Anfrage bestätigt Suva-Mediensprecherin Simone Isermann einen Anstieg an Mountainbike-Unfällen in den letzten zehn Jahren um rund 40 Prozent. Dazu habe auch das schöne Wetter in den Jahren 2017 und 2018 beigetragen.

Meist passieren Unfälle auf Trails

Im Extremfall ergeht es ihnen wie Sarah Hundert. Sie stürzte beim Downhillfahren und ist nun querschnittsgelähmt. Beim Sturz habe sie den Lenker nicht losgelassen und schlug kopfüber auf dem Boden auf. Sofort sei ihr klar gewesen, dass alles anders werden würde. «Zuvor machte ich mir über solch drastische Folgen keine Gedanken. Aber das sollte man auch nicht, es kann auch im Alltag auf der Strasse passieren.»

Marc Kipfer, Mediensprecher der BFU, sagt, dass die Anzahl Verletzungen schon länger tendenziell zunimmt, obwohl die Anzahl Mountainbiker bis vor zwei Jahren praktisch gleichgeblieben ist. Dabei würden die meisten Unfälle auf den sogenannten Biketrails passieren, also auf für Bikes befahrbaren Routen und Wegen.

«E-Biker haben schwerere Unfälle»

«Es sind zunehmend E-Mountainbike-Fahrer, die schwerere Unfälle erleiden», sagt Daniel Schaffhauser vom Verein Bikefalke. Zum einen würden sich damit mehr Freizeitsportler auf Trails wagen, die solche Fahrten mit einem «normalen» Mountainbike nicht machen würden, also fahrtechnisch eher unerfahren seien.

Weiter sei das E-Mountainbike schneller und rund zehn Kilogramm schwerer als ein herkömmliches Mountainbike und man sei damit weniger agil. «Durch diese Kombination werden sich mehr und heftigere Unfälle ereignen», ist er überzeugt.

Grosse Spannbreite an Verletzungen

Die direkten Folgen dieses Trends spürt Christoph Sommer, Chefarzt der Unfallchirurgie Kantonsspital Graubünden: «In den letzten Jahren behandelten wir jährlich 10–20 Prozent mehr Mountainbiker.» Die Arten an Verletzungen sind dabei sehr unterschiedlich. Sie reichen von Prellungen und Schürfungen über Hand- und Schlüsselbeinbrüche bis hin zu schweren Schädel-Hirn- oder Querschnittsverletzungen oder gar Rippenbrüchen mit Lungenrissen. «Todesfälle gibt es auch, aber sehr selten.»

Von den Bikern, die bei Sommer landen, müssen viele hospitalisiert und operiert werden. «Deshalb gehört Mountainbiken sicher zu den Sportarten mit eher schwereren Verletzungen.» Vor allem das Downhill-Biken, kann ihm zufolge aufgrund der hohen Geschwindigkeit zu gravierenden Verletzungen führen. Dazu trage auch die unebene Bodenbeschaffenheit im Gelände bei, auf dem die Biker beim Sturz aufprallen.

Sportgebiete setzen vermehrt auf Sicherheit

Die Betreiber von Bike-Angeboten betonen, sie investierten viel in Sicherheit. So sagt Marc Schlüssel, Marketingleiter der Ferienregion Lenzerheide, dass Biken zwar eine Sportart sei, die wie andere auch ein gewisses Risiko beinhalte. Jeder Biker müsse sich dieser Gefahr bewusst sein und lernen, damit umzugehen. «Deshalb legen wir jedem Anfänger ans Herz, einen Bikekurs zu besuchen.»

Nebst dem Angebot solcher Kurse durch Bikeschulen vor Ort schaut man laut Schlüssel auch täglich darauf, dass die Trails in Ordnung seien und regelmässig gewartet werden. «Wir verschliessen uns dem Thema Sicherheit nicht.» Und Lenzerheide investiere 1,8 Millionen Franken in neue Wegabschnitte, um Biker und Wanderer besser voneinander zu trennen und so für mehr Sicherheit zu sorgen. Denn, so Schlüssel: «Es werden in Zukunft noch mehr Biker in die Berge kommen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hunne am 12.09.2019 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Heutzutage muss man auch ständig was machen: noch schnell online shoppen, schnell an eine Party oder eben schnell mal über Mittag mit dem E-Mountainbike (??) den Berg hoch und wieder runter. Hauptsache, man hat alles mal ausprobiert. Leute, lasst euch Zeit, entschleunigt - ihr werdet nicht gejagt!!

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  • fränkieboy am 12.09.2019 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    E-Mountain-Bikes sind Töff's

    E-Mountain-Bikes sind OK auf für Autos befahrbaren, sprich breiten und ausgebauten, Waldwegen. E-Mountain-Bikes haben aber nichts verloren auf Single-Trails. E-Mountain-Bikes sind eigentlich elektrische Motorräder, schaut Euch die Dinger mal an. E-Mountian-Bikes sind eine Zumutung für Wanderer (mit oder ohne Hund) und andere Biker und bringen Leute an Orte, an welchen sie schlichtwegs nichts verloren haben. Wer auf einen Pass mit einem "normalen" Bike hochfährt kann auch wieder damit runterfahren. Mit dem E-Bike auf einen Pass ist einfach, runter dann aber schwierig.

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  • Raffa am 12.09.2019 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Immer Eigenverantwortung

    Es ist immer das selbe Problem. Unfälle passieren immer dort wo sich jemand zu sicher fühlt und sich übernimmt. Ob beim Biken, Klettern/Bergsteigen oder beim Ski fahren. Und die E-Bikes, denke ich, verleiten noch viel mehr dazu.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Habbo am 13.09.2019 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ebike

    ebike solten in den bergen sowiso verboten werden. dan würden sie 2 mal überlegen ob sie jetzt nach oben strampeln wollen.

  • Bruno Meier am 13.09.2019 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Schwandi

    E-Mountainbike haben in den bergen auf Single Trails und Wanderwegen nichts zu suchen....was ja laut CH Strassengesetz verboten ist

    • Carola am 13.09.2019 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bruno Meier

      Dummes Zeug, die meisten E-MTBs sind Pedelecs und gelten per Gesetz als Velo.

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  • Derrida am 13.09.2019 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    E-Bike-Scham

    für alle unter 70 wäre angebracht. Jüngere können auch ohne Atomstrom-Akku auf den Berg biken.

  • Dr Nidwaldner am 13.09.2019 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    42 km/h ist gefährlich

    E-Bikes bis 25 km/h sind lästig, die fahren im Weg, als ob keiner schneller sein könnte. Und wenns dann bergauf geht, dann überholen sie wieder. Und mit 42km/h rechnet niemand bei einem Fahrrad. Rennradfahrer und E-Biker bis 42 km/h leben demnach sehr gefährlich! Es macht Sinn das man das weiss, nur wer die ständig wiederkehrenden Fehler der Autolenker ausgleicht, ist langfristig sicherer unterwegs. Ja, ich fahre Rennrad, und ja, ich hätte im Auto auch fast einen Rennradler abgeschossen, letzten Dienstag erst, hab mich nur entschuldigen können. Passiert jedem mal, leider.

  • trottinet am 13.09.2019 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Hooligan-Velo-Fahrer

    Solche Unfaelle muessen vom Verursacher bezahlt werden und nicht von den KK, usw. Entweder weiss man was man tut oder man muss mit den Konsquenzen leben. Dann wird dieser Velo-Hooligan-Umfug aufhoeren.

    • Beule68 am 13.09.2019 13:12 Report Diesen Beitrag melden

      Knapp daneben ist halt auch falsch....

      @trottinet... Da es sich im Wort Unfall handelt, zahlt nicht die KK sondern die UVG oder die SUVA, welche in der Regel durch Ihren Arbeitgeber abgeschlossen wird..... Da das Leben und auch Ihres immer wieder von dummen Zufällen begleitet wird, kann es halt zu Unfällen kommen. Aber Sie haben Recht, viele Biken mit einer Selbstüberschätzung, die nicht gesund ist.... Ich bike übrigens selbst und wenn man sich an den Gesunden Menschenverstand hält, dann steigt man halt mal vom Bike und schiebt es - und nein ich habe kein eBike!

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