Tierversuche

04. Februar 2018 23:08; Akt: 05.02.2018 07:08 Print

«Affen darf man nicht kokainsüchtig machen»

Die Uni Freiburg lässt Affen für die Forschung koksen, um Drogensüchtigen helfen zu können. Schweizer Tierschützer sind alarmiert.

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An der Universität Freiburg startet diese Woche ein Experiment, bei dem Affen Kokain verabreicht wird. Die Forscher hoffen, mit einer sogenannten tiefen Hirnstimulation bei den Tieren bestimmte Hirnregionen verändern zu können. So sollen die Primaten von der zuvor herbeigeführten Sucht wieder befreit werden.

Auch an der Universität Zürich wird laut dem «SonntagsBlick» seit längerer Zeit wieder an Affen geforscht, um zu neuen Erkenntnissen über die Behandlung psychischer Krankheiten zu gelangen. Dabei untersuche man eine Hirnregion, über die nur Affen und der Mensch verfügen, weshalb es keine Alternative zu derartigen Versuchen gebe.

Erfolgsversprechende Versuche mit Mäusen

Wie Eric Rouiller, Chef des Instituts für Neurophysiologie an der Universität Fribourg, der Zeitung erklärt, wurden letztes Jahr an 23 Affen Versuche durchgeführt. Für das kommende Projekt seien fünf Tiere vorgesehen.

Die Hirnstimulation sei bereits bei Tourette- oder Parkinson-Patienten zugelassen. Rouiller erhofft sich, dadurch kokainsüchtige Menschen heilen zu können. Ähnliche Versuche mit Mäusen seien bereits vielversprechend verlaufen.

Strenge Richtlinien

Felix Ehrensperger, emeritierter Professor der veterinärmedizinischen Fakultät Vetsuisse, ist der Meinung, dass Versuche an Affen nur in Ausnahmefällen zu bewilligen seien: «Offenbar hat aber die kantonale Tierversuchskommission den Versuch mit Kokain studiert und ist zum Ergebnis gekommen, dass der Erkenntnisgewinn es rechtfertigt, diesen durchzuführen.»

Die Kriterien seien schweizweit die gleichen und im internationalen Vergleich streng. «Ich gehe davon aus, dass alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und der Versuch an den Primaten unumgänglich ist, um anschliessend mit dem Einsatz der Methode an Menschen zu beginnen.» Deshalb halte er solche Versuche für grundsätzlich vertretbar.

Gegen die Natur der Affen

Julika Fitzi vom Schweizer Tierschutz STS hingegen findet die Versuche äusserst fragwürdig. «Der Nutzen für Mensch und Tier sollte grösser sein als das versuchsbedingte Tierleid. Davon kann aber keine Rede sein, wenn man Affen Kokain verabreicht, sie süchtig macht, belastet und manipuliert.»

Es sei gegen die Natur der Primaten, die bei den Versuchen krank werden sowie oftmals Hunger oder Durst leiden würden. «Sie werden während Monaten vorbereitet und vielfach auch isoliert. Danach können sie sich kaum mehr in ihre Gruppe integrieren. Am Ende werden sie getötet und die Organveränderungen untersucht.» Zudem würden die Belastungen für das Tier in den Bewilligungsgesuchen meist tiefer angegeben, als sie dann in der Realität seien.

Keine Erfolgsgarantie beim Menschen

Auch Claudia Mertens vom Zürcher Tierschutz sagt: «Dass Primaten kokainsüchtig gemacht werden, um ein menschliches Suchtproblem zu «lösen», erscheint uns ethisch mehr als fragwürdig.» Ob die Ergebnisse schlussendlich auf den Menschen übertragen werden könnten, sei zudem höchst fraglich.

Die Tierschützerinnen verweisen deshalb auf Alternativmethoden wie hochentwickelte Bildgebungsverfahren, etwa Radiologie, Ultraschall, Röntgen, MRI oder Stammzellenforschung beim Menschen. Dafür wird in diesen Wochen das Kompetenzzentrum 3RCC eröffnet, das sich dem Ersatz, dem Verfeinern und Verringern von Tierversuchen annimmt. Der Bund unterstützte die Forschungseinrichtung Ende 2017 mit 2.9 Millionen Franken.

(duf)