Bern

07. Oktober 2011 16:38; Akt: 07.10.2011 16:47 Print

Unia wirft ewb Lohndumping vor

Beim Bau der neuen Berner Kehrichtverbrennungsanlage sollen Dumpinglöhne ausbezahlt werden. Die Gewerkschaft Unia will die ewb zur Rechenschaft ziehen.

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Die Unia markiert in Bern Präsenz gegen Lohndumping. (Bild: Reuters)

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Die Gewerkschaft Unia hat am Freitag vor der Baustelle der neuen Berner Kehrichtverbrennungsanlage gegen Dumpinglöhne protestiert. Die Gewerkschaft kritisiert, dass auf der Grossbaustelle ausländische Arbeiter zu Billigstlöhnen tätig seien.

Derzeit arbeiteten rund 40 Schweisser aus Bosnien auf der Baustelle, schreibt die Gewerkschaft in einer Mitteilung vom Freitag. Sie kamen über eine verschachtelte Subakkordanzkette in die Schweiz.

Im vorliegenden Fall geht es um Rohrarbeiten, die die Bauherrin, das öffentlich-rechtliche Unternehmen Energie Wasser Bern (ewb), an eine Firma aus Deutschland vergab. Diese vergab nach Angaben der Unia den Auftrag an ein weiteres deutsches Unternehmen und dieses wiederum beauftragte eine slowenische Firma. Letztere entsandte schliesslich die Bosnier nach Bern.

Die Gewerkschaft spricht von einer wöchentlichen Arbeitszeit von 60 Stunden bei einem Stundenlohn von 13 Franken. Ein Teil der Bosnier hause zudem unter menschenunwürdigen Bedingungen in einem abbruchreifen Haus.

ewb sind keine Verfehlungen bekannt

Energie Wasser Bern will den Hinweisen auf Lohndumping nachgehen und mit der Gewerkschaft das Gespräch aufnehmen, wie beide Parteien am Freitag bekannt gaben. Beim öffentlich-rechtlichen Energieversorger geht man indessen nicht von Verfehlungen aus.

Als öffentlich-rechtliches Unternehmen unterliege ewb den GATT/ WTO-Richtlinien für die Ausschreibung von Aufträgen, erklärte Claudia Kohlschütter, Leiterin Unternehmenskommunikation ewb, am Freitag auf Anfrage.

ewb habe vorschriftsgemäss mehrere solche Ausschreibungen durchgeführt. Die beauftragten Unternehmen und die von ihnen beigezogenen Subunternehmer hätten die vertragliche Verpflichtung, dass ausländische Arbeitskräfte nur mit einer gültigen Arbeitsbewilligung auf der Berner Baustelle beschäftigt werden dürfen.

Um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, müssten die gesetzlich vorgeschriebenen Nachweise bezüglich Unfall- und Sozialversicherungen erbracht werden. Die Überprüfung, dass nur Arbeiter mit einer gültigen Bewilligung auf der Baustelle tätig seien, obliege der Arbeitsmarktkontrolle Bern.

Laut Kohlschütter führt diese regelmässige Kontrollen durch. Verfehlungen seien bislang keine festgestellt worden.

Forderung nach Solidarhaftung

Die Gewerkschaft ihrerseits bekräftigte ihre Forderung nach einer Solidarhaftung, um dem Problem des Lohndumpings auf Baustellen grundsätzlich beizukommen. Der Hauptauftragnehmer müsse für die Einhaltung der geltenden Arbeitsbedingungen haftbar gemacht werden und zwar auch dann, wenn er den Auftrag an eine andere Firma weitergebe.

Diese Forderung hat die Gewerkschaft bereits im Zusammenhang mit den aktuellen Verhandlungen zu einem neuen Landesmantelvertrag erhoben. Die Baumeister lehnen sie ab.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Berner Bär am 11.10.2011 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder ein Berner Regiebetrieb!

    Das ist ja nicht das erste Mal, dass auf einer Baustelle an der die linke Stadt Bern durch einen ihrer Regiebetriebe beteiligt ist, Billighandwerker Arbeiten erledigen. Das war ja auch schon beim EKZ "Bern-West" und beim "Baldachin", der scheusslichen Ueberdachung am Bahnhof, der Fall. Wären nicht gerade die Wahlen vor der Türe, versuchte wohl auch die Unia (wie steht es bei denen mit den Löhnen?) nicht, damit - auch auf Kosten ihrer Gesinnungsgenossen - auf Stimmenfang zu gehen.

  • Noldi Schumacher am 08.10.2011 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Da steckt mehr dahinter!

    Da sind Leute darin verwickelt, auch Schweizer, die daran verdienen. Politiker die nicht wollen, dass hier korrekte Kontrollen gemacht werden, bevor gebaut wird! Bevor die Genehmigung zu Bauen erteilt wird, muss genau angegeben werden: Wieviel Arbeiter, woher, welcher Arbeitgeber Verantwortung hat, wieviel Lohn, Abzüge, Wohnen, Essen usw. bezahlt werden. Und das ist nicht möglich? Schwache Leistung im 2011!

  • Berner Handwerker am 07.10.2011 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverständlichkeit heute

    Wir haben soeben 2 Arbeiten nach Ungarn und 1 nach Polen verloren, Leute kauft dort ein, die machen dann auch subito Garantiearbeiten und bieten auch sonst jeden Service, immer in einer noch nie dagewesenen Qualität, dem Preis entsprechend.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Berner Bär am 11.10.2011 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder ein Berner Regiebetrieb!

    Das ist ja nicht das erste Mal, dass auf einer Baustelle an der die linke Stadt Bern durch einen ihrer Regiebetriebe beteiligt ist, Billighandwerker Arbeiten erledigen. Das war ja auch schon beim EKZ "Bern-West" und beim "Baldachin", der scheusslichen Ueberdachung am Bahnhof, der Fall. Wären nicht gerade die Wahlen vor der Türe, versuchte wohl auch die Unia (wie steht es bei denen mit den Löhnen?) nicht, damit - auch auf Kosten ihrer Gesinnungsgenossen - auf Stimmenfang zu gehen.

  • Noldi Schumacher am 08.10.2011 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Da steckt mehr dahinter!

    Da sind Leute darin verwickelt, auch Schweizer, die daran verdienen. Politiker die nicht wollen, dass hier korrekte Kontrollen gemacht werden, bevor gebaut wird! Bevor die Genehmigung zu Bauen erteilt wird, muss genau angegeben werden: Wieviel Arbeiter, woher, welcher Arbeitgeber Verantwortung hat, wieviel Lohn, Abzüge, Wohnen, Essen usw. bezahlt werden. Und das ist nicht möglich? Schwache Leistung im 2011!

  • Joe Suter am 07.10.2011 23:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Steuergeld fliesst ins Ausland

    Schade das bei solch grossen Projekten keine Schweizer Firmen oder Arbeitsgemeinschaften von verschiedenen kleineren zum Zuge kommen. Eigentlich ist es eine Frechheit, dass unser Steuergeld so ins Ausland abfliesst, und wir dann wieder mehr Abgaben zu leisten haben, um Kurzarbeit in der Schweiz finanzieren zu können!?

  • Hans Mustermann am 07.10.2011 23:34 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur Peinlich!

    Hätte für die Arbeiten nicht auch Schweizer Firmen Eingesezt werden können? Billig Bauen lassen, und dafür Nacheher hohe Gebüren Abkassieren! BRAVO!!!

  • Handwerker am 07.10.2011 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werklöhne wie vor zwanzig Jahren

    Es ist ganz einfach jeder muss sein täglich Brot verdienen. Leistungswerte werden in einer Excel-Tabelle nach Rendite und nicht nach einer realistisch möglichen Arbeitsleistung berechnet. Mann müsste die Werkpreise bei einer realistischen Arbeitsleistung fixieren.(Die Leistungswerte sind heute bekannt) Doch wer will oder soll das bezahlen? Die Unia müsste dann auch die entstandenen Mehrkosten der Bauwerke der Bauherrschaft berappen. Der Sub-Sub-wird am Schluss für die Dumpinglöhne bestraft, da er nur die Möglichkeit hat für die Preisvorgabe der Kunden zu arbeiten. Nach dem Motto friss oder stirb. Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht. Oder wie zum Teil in der EU. Mit Rechnung 17 ohne Rechnung 10. Ob man an dieser Entwicklung etwas ändern kann müsste man in recherchieren. Aber lächerlich ist wirklich das nur Leute über Dumpinglöhne sprechen welche Leistungswerte nur aus der Theorie kennen.