Fürs Klima

24. Juni 2019 04:46; Akt: 24.06.2019 04:46 Print

Unter 16-Jährige sollen gratis Bus und Zug fahren

von P. Michel - Damit Jugendliche auf den ÖV umsteigen, fordert BDP-Nationalrat Hans Grunder Gratis-Angebote. Teuer und ineffizient, sagen Kritiker.

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Geht es nach der BDP, sollen Jugendliche bis 16 Jahre künftig gratis Tram fahren können. Nationalrat Hans Grunder hat dafür eine Motion eingereicht. Aber auch Personen bis 25 sollen profitieren: Ihr ÖV-Abo soll je nach steuerlichem Einkommen «stark verbilligt» werden. Für junge Menschen ist der öffentliche Verkehr in der Schweiz teuer», sagt Grunder zu 20 Minuten. Es brauche deshalb Anreize, dass sie bereits früh auf den C02-armen öffentlichen Verkehr umsteigen. Für ihn ist klar: Der Gratis-ÖV entlastet den Individualverkehr im Auto und leistet «einen grossen Beitrag, um die Klimaziele zu erreichen». Seine Hoffnung: Wer in der Jugend gratis Zug fahren konnte, wird auch später ÖV nutzen. Bei der Finanzierung sieht er kein Problem: «Nichtstun kostet uns beim Klimawandel ebenfalls Milliarden von Franken. Die Investition in Gratis-ÖV wird sich mehrfach bezahlt machen.» Was die kostenlose Benutzung für unter 16-Jährige, wie sie Hans Grunder vorschwebt, kosten würde, ist schwer zu beziffern. Die Schweizerische Verkehrsstiftung rechnet damit, dass der Gratis-ÖV für die ganze Schweiz mit sechs Milliarden Franken zu Buche schlagen würde. Er ist skeptisch, ob die Idee die gewünschte Wirkung entfalten würde. «Es ist problematisch, den Menschen das Gefühl zu geben, Mobilität sei gratis zu haben», sagt Vollmer. Er befürchtet, dass schlussendlich dem ÖV Geld fehlen würde, um in sein Angebot zu investieren, weil bereits viel Geld durch die Finanzierung der Gratis-Tickets gebraucht würde. Gar eine Diskriminierung der Autofahrer sieht dagegen SVP-Nationalrat Mike Egger im BDP-Vorstoss. «Jeder soll selbst auswählen können, welches Verkehrsmittel er benutzen möchte.» Ansonsten müsse man auch die Strassenverkehrssteuer für junge Autofahrer senken.

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Die Bürgerlichen springen auf die grüne Welle auf: BDP-Nationalrat Hans Grunder fordert in einer Motion, dass «alle Jugendlichen mit Wohnsitz in der Schweiz bis zum erreichen des 16. Altersjahr die öffentlichen Verkehrsmittel (ÖV) gratis benützen können». Aber auch Personen bis 25 sollen profitieren: Ihr ÖV-Abo soll je nach steuerlichem Einkommen «stark verbilligt» werden.

«Für junge Menschen ist der öffentliche Verkehr in der Schweiz teuer», sagt Grunder zu 20 Minuten. Es brauche deshalb Anreize, dass sie bereits früh auf den C02-armen öffentlichen Verkehr umsteigen. Für ihn ist klar: Der Gratis-ÖV entlastet den Individualverkehr im Auto und leistet «einen grossen Beitrag, um die Klimaziele zu erreichen». Seine Hoffnung: Wer in der Jugend gratis Zug fahren konnte, wird auch später ÖV nutzen.

«Auch Nichtstun kostet Milliarden»

Dass Züge und Busse zu Stosszeiten dann noch voller wären, lässt Grunder nicht gelten: «Die Platzknappheit könnte sich verschärfen. Aber dann braucht es Investitionen in den Netz-Ausbau.» Auch bei der Finanzierung sieht er kein Problem: «Nichtstun kostet uns beim Klimawandel ebenfalls Milliarden von Franken. Die Investition in Gratis-ÖV wird sich mehrfach bezahlt machen.»

Bisher kam die Forderung nach gänzlich staatlich finanziertem öffentlichen Verkehr jeweils von links: Die Juso lancierte entsprechende Vorstösse in Luzern und St. Gallen. SP-Nationalrat Cédric Wermuth wollte erreichen, dass der Kanton den Aargauern die Tickets zu zahlt.

«Umsetzung ist heikel»

Auch der Verband öffentlicher Verkehr, der Dachverband aller Transportunternehmen, kann sich die Massnahme grundsätzlich vorstellen, wie er in einem Newsletter schrieb: «Es ist eine zielgerechte Lösung, aber die Umsetzung ist heikel.» Die langfristige Finanzierung müsse regelmässig angepasst werden, um die schwierig vorhersehbare Entwicklung des Angebotes und der Nachfrage zu bewältigen.

Was die kostenlose Benutzung für unter 16-Jährige, wie sie Hans Grunder vorschwebt, kosten würde, ist schwer zu beziffern. Die Schweizerische Verkehrsstiftung rechnet damit, dass der Gratis-ÖV für die ganze Schweiz mit sechs Milliarden Franken pro Jahr zu Buche schlagen würde. Wie viel es im nun diskutierten Vorschlag sei, könne er nicht sagen, sagt Stiftungspräsident Peter Vollmer.

Wie würde die Finanzierung gesichert?

Er ist skeptisch, ob die Idee die gewünschte Wirkung entfalten würde. «Es ist problematisch, den Menschen das Gefühl zu geben, Mobilität sei gratis zu haben», sagt Vollmer. Er befürchtet, dass schlussendlich dem ÖV Geld fehlen würde, um in sein Angebot zu investieren, weil bereits viel Geld durch die Finanzierung der Gratis-Tickets gebraucht würde.

Vollmer sieht ein weiteres Problem: «Wenn der Staat die gesamten Kosten trägt, bestimmt die Laune der Politik das Budget und damit die Ausstattung des ÖV.» Es sei zwar richtig, gerade junge Menschen dazu zu bewegen, auf den ÖV umsteigen und den umweltschädlichen Individualverkehr im Auto zu bremsen. Dafür sei die Förderung von Angeboten wie des SBB-Abos «Seven25» sinnvoller.

Jeder solle selber wählen können

Eine Diskriminierung der Autofahrer sieht dagegen SVP-Nationalrat Mike Egger im BDP-Vorstoss. «Jeder soll selbst auswählen können, welches Verkehrsmittel er benutzen möchte.» Ansonsten müsse man auch die Strassenverkehrssteuer für junge Autofahrer senken. Generell die Preise im ÖV ohne Subventionen sondern in Form von Prozessverbesserungen zu senken, sei aber zu diskutieren, sagt Egger. Man könne beispielsweise beim Nachtzuschlag anfangen.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Gibt nur eine nachhaltige Massnahme. Die Masseneinwanderung ist zu stoppen, alles andere ist nur Kosmetik und ein Raubzug auf den Geldbeutel. – Jonenbach

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • df am 24.06.2019 04:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bringt dem Klima nichts.

    Genau, jeder Unter 16-jährige fährt ja bereits Auto, so ist es wirklich sinnvoll, wenn sie schon früh auf den ÖV umsteigen..... Was für ein Schwachsinn wird da wieder vorgeschlagen? Das hat nichts mit dem Klima zu tun, das schon einzig das Portemonnaie der Jungen!

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  • Sara am 24.06.2019 05:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ein Unsinn

    Warum ist der Arbeitsweg nicht gratis? Sehr viele wurdsn zentralisiert und können sich am Arbeitsort keine Wohnung leisten. Die Löhne bleiben ja unverändert und um an den alten nahen Arbeitsort zu kommen, brauchte man kein GA....Nur für Kinder bringt nichts. Die fahren ja auch nicht Auto

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  • Sehnsucht 6 7 am 24.06.2019 05:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht stimmig

    Ja ne is klar. Teure Sneakers, Smartphone die knapp 1000 Franken kosten , Klamotten teurer Marken und dafür das Ticket gratis und die Pensionäre die wirklich günstigere Tickets brauchen zahlen den vollen Preis. Was stimmt hier nicht

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Thill am 25.06.2019 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GA für jeden!

    Eigentlich sollte jeder in der schweiz steuerzahlende ein GA zugestellt bekommen; 1. klasse gegen aufpreis. Die steuern müssten natürlich erhöht werden, aber 1. nicht soooo stark wie man auf den ersten blick glauben würde und 2. gestaffelt nach einkommen. So wäre der öffentliche verkehr für jeden in der ch lebenden menschen zahlbar.

  • Meinrad Kälin am 25.06.2019 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    aussterbende Rasse

    Politiker mit guten Ideen werden immer seltener,jeder zielt auf den Steuerzahler,ohne zu merken,das auch er etwas geben könnte zum Beispiel sein GA jedes Jahr,selber bezahlen !

  • Georg Salletmeier am 25.06.2019 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Warum ?? blöde Frage

    Solange sie stundenlang Handygymnastik betreiben und teure Computerspiele kaufen können sollten sie gleichviel bei den oev zahlen!!!!!!!

  • Bubalibre am 25.06.2019 05:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    teuer

    Die Jungen sollen ruhig lernen dass der Klimaschutz auch ein Preisschild hat. Die zahlen ja noch nichtmal steuern...

  • MGM am 25.06.2019 02:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ökonomie

    "Unter 16-Jährige sollen gratis Bus und Zug fahren" FALSCH! Korrekt muss das heissen: "Unter 16-Jährige sollen für die Benützung von Bus und Zug nicht zahlen müssen" MERKE: Da immer noch die gleichen Ressourcen aufgewendet werden müssen, werden eben Andere dafür Zahlen müssen...und jetzt rate mal wer?