500'000 Franken

23. Mai 2019 19:58; Akt: 19.06.2019 16:38 Print

Pestizide – Unternehmer startet Crowdfunding

Weil Syngenta und ähnliche Firmen gefährliche Pestizide exportierten, will der Chef eines KMU-Unternehmens eine halbe Million Franken sammeln.

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Die Nichtregierungsorganisation Public Eye machte kürzlich publik, dass Syngenta weltweit Pestizide verkauft, die in der Schweiz und der EU seit Jahren verboten sind. Laut Public Eye stehen 15 der 32 meistverkauften Syngenta-Pestizide auf der Liste der hochgefährlichen Pestizide des Pesticide Action Network (PAN). Adrian Wiedmer, CEO von Gebana, einer Firma, die Fair-Trade-Lebensmittel produziert und importiert, platzte daraufhin der Kragen. Er will mit einem Crowdfunding eine halbe Million Franken für die Konzernverantwortungsinitiative sammeln. Wiedmer sagt: «Hunderte unserer Bio-Bauern in Brasilien haben genau durch gefährliche Pestizide ihren Markt verloren. Ausserdem hat Syngenta jahrelang in der Nähe unserer Tochterfirma illegale Gentech-Experimente ausgeführt.» Es könne nicht sein, dass Unternehmen wie Syngenta Pestizide, die bei uns verboten seien, in Ländern wie Brasilien faktisch entsorge, so Wiedmer. «Gebana hat Tochterfirmen und 650 Angestellte im Ausland. Wenn wir uns als KMU mit knappem Budget verantwortungsvoll verhalten können, dann können das auch Grosskonzerne.» Wiedmer entschied sich deshalb ein Crowdfunding zu lancieren, dessen gesamter Erlös von 500'000 Franken der Abstimmungskampagne für die Konzernverantwortungsinitiative zugutekommen soll. «Unser Wohlstand beruht auf Werten wie Verantwortung und Anstand. «Unser Wohlstand beruht auf Werten wie Verantwortung und Anstand. Höchste Zeit, dass wir das auch internationalen Konzernen wie Syngenta und Glencore klarmachen.» Auf dem Bild zu sehen: Ein grosses Stück Amazonas, das von brasilianischen Soja-Bauern gerodet wurde. Syngenta widerspricht dieser Darstellung. Ihre Pflanzenschutzmittel gehörten zu den am strengsten regulierten Produkten der Welt: «Wir sind von deren Sicherheit und der Rolle überzeugt, die sie für die Verfügbarkeit und Qualität von Nahrungsmitteln spielen.» «Der Staat regelt die Zulassung jeweils eingeschränkt auf die Nutzpflanzen, auf denen sie verwendet werden dürfen, und abgestimmt auf die lokale agronomischen Bedürfnisse und die klimatischen Bedingungen», so Syngenta. Die Schweizer Landwirtschaft in ihrem gemässigten Klima mit kalten Wintern sei nicht zu vergleichen mit der (sub-)tropischen Landwirtschaft.

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Als die Nichtregierungsorganisation Public Eye kürzlich publik machte, dass Syngenta weltweit Pestizide verkauft, die in der Schweiz und der EU seit Jahren verboten sind, sei ihm der Kragen endgültig geplatzt, sagt Adrian Wiedmer, CEO von Gebana, einer Firma für Fair-Trade-Lebensmittel. Er will mit einem Crowdfunding eine halbe Million Franken für die Konzernverantwortungsinitiative (siehe Box) sammeln.

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Laut Public Eye stehen 15 der 32 meistverkauften Syngenta-Pestizide auf der Liste der hochgefährlichen Pestizide des Pesticide Action Network (PAN). So erzielte der Agrarchemie-Konzern mit Sitz in Basel laut Schätzungen von Public Eye 2017 fast vier Milliarden Franken Umsatz mit dem Verkauf dieser Pestizide unter anderem nach Brasilien, Argentinien oder Indien.

Bio-Bauern verlieren durch Pestizide ihre Existenz

Wiedmer: «Hunderte unserer Bio-Bauern in Brasilien haben genau durch gefährliche Pestizide ihren Markt verloren. Ausserdem hat Syngenta jahrelang in der Nähe unserer Tochterfirma illegale Gentech-Experimente ausgeführt.» Als es Proteste gegeben habe und das Gelände von Syngenta von der lokalen Bevölkerung besetzt worden sei, sei gar eine Person erschossen worden. «Syngenta wurde zehn Jahre später dafür verurteilt, hat aber nie richtig Verantwortung für diesen tragischen Vorfall übernommen, noch sich dafür entschuldigt», sagt Wiedmer. Es könne nicht sein, dass Unternehmen wie Syngenta Pestizide, die bei uns verboten seien, in Ländern wie Brasilien faktisch entsorge.

«Wenn wir das können, dann auch Grosskonzerne»

«Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es für international tätige Unternehmen in bestimmten Ländern nicht einfach ist, Umweltstandards und Menschenrechte zu gewährleisten», so Wiedmer. Man müsse deren Einhaltung aber sorgfältig überprüfen und verbessern und für Fehler Verantwortung übernehmen, sagt Wiedmer. «Gebana hat Tochterfirmen und 650 Angestellte im Ausland. Wenn wir uns als KMU mit knappem Budget verantwortungsvoll verhalten können, dann können das auch Grosskonzerne.»

«Wohlstand beruht auf Verantwortung und Anstand»

Wiedmer entschied sich deshalb ein Crowdfunding (siehe Box) zu lancieren, dessen gesamter Erlös von 500'000 Franken der Abstimmungskampagne für die Konzernverantwortungsinitiative zugutekommen soll. Diese wird voraussichtlich im Februar 2020 an die Urne kommen. «Das ist ein hochgestecktes Ziel», so Wiedmer. Doch die Annahme der Initiative sei sehr wichtig: «Unser Wohlstand beruht auf Werten wie Verantwortung und Anstand. Höchste Zeit, dass wir das auch internationalen Konzernen wie Syngenta und Glencore klarmachen.»

«Syngenta-Produkte sind sicher»

Syngenta widerspricht dieser Darstellung. Ihre Pflanzenschutzmittel gehörten zu den am strengsten regulierten Produkten der Welt: «Wir sind von deren Sicherheit und der Rolle überzeugt, die sie für die Verfügbarkeit und Qualität von Nahrungsmitteln spielen», so ein Sprecher. Im Gegensatz zu Syngenta versuchten verschiedene Organisationen, Innovationen in der Landwirtschaft zu verhindern. Ausserdem sei die PAN-Liste von keiner nationalen oder internationalen Behörde offiziell anerkannt.

«Der Staat regelt die Zulassung jeweils eingeschränkt auf die Nutzpflanzen, auf denen sie verwendet werden dürfen, und abgestimmt auf die lokale agronomischen Bedürfnisse und die klimatischen Bedingungen», so Syngenta. Die Schweizer Landwirtschaft in ihrem gemässigten Klima mit kalten Wintern sei nicht zu vergleichen mit der (sub-)tropischen Landwirtschaft. «Entsprechend sind auch nicht alle unsere Produkte im winzigen Schweizer Heimmarkt zugelassen – wie das im Export üblich ist», so der Konzern.

«Wir verurteilen die Anwendung von Gewalt»

Syngenta bestätigt das tragische Ereignis, das sich in ihrem ehemaligen brasilianischen Forschungsstandort ereignete: «Wir sind zutiefst traurig über den Vorfall, verurteilen die Anwendung von Gewalt in jeder Form und bedauern die Todesfälle.» Jedoch lehne Syngenta den Entscheid des zuständigen Berufungsgerichts vom November 2018 nach Schadenersatz grundsätzlich ab, da die betreffenden Angestellten der von Syngenta beauftragten Sicherheitsfirma in klarem Widerspruch zu den Anweisungen von Syngenta gehandelt hätten.

«Syngenta nimmt seine Verantwortung wahr»

Laut Syngenta geht die Konzernverantwortungsinitiative davon aus, dass andere Länder nicht in der Lage sind, ihre Rechtsordnung durchzusetzen: «Gerade der vorliegende Fall zeigt aber, dass die Behörden im betroffenen Land bei Vorkommnissen sehr wohl Massnahmen ergreifen.» Entsprechend lehne Syngenta die Initiative ab. «Sie gefährdet die Rechtssicherheit für Firmen, die im internationalen Handel engagiert sind.» Syngenta nehme seine Verantwortung in Bezug auf Wirtschaft und Menschenrechte sehr ernst.

(mm)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Findnicht am 23.05.2019 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist unserem Image nicht gerade förderlich

    Schon schlimm, wenn Konzerne, die in der Schweiz und im eigenen Land verbotene Pestizide herstellen und diese dann einfach in andere Länder exportieren.

  • Kaleidoskop am 23.05.2019 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtssicherheit und das Recht auf Raffgier

    Auch dieses Unternehmen schätzt die Standortvorteile, die die Eidgenossen ihm gewähren.

  • Gerdi am 23.05.2019 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaputte Welt

    Wenigstens haben auch die Kinder dieser Leute die genau gleiche kaputte Welt, auf der sie leben müssen. Geld hilft da auch nicht weiter.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 24.05.2019 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH-Heuchler

    Die Hanfpflanze war bis vor kurzem in der Schweiz in jeder Form legal, weil die das zweite Einheitsübereinkommen mit der WHO 1972 nicht unterschrieben hatte. Warum? Weil darin z.B. DDT aufgeführt war, das die Basler Chemie trotz Europäischem Verbot weiterhin in grossen Mengen z.B. nach Israel verkaufte (Jaffa Orangen), und noch heute (in Vertretung) in Asien produziert. Konzernverantwortung? Aber sofort, besser gestern noch. Initiative JA Danke.

  • Dagobert am 24.05.2019 08:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld Geld Geld

    Wenn der Speicher voll ist freuts den Dagobert, allen andern schadets...

  • Gerdi am 23.05.2019 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaputte Welt

    Wenigstens haben auch die Kinder dieser Leute die genau gleiche kaputte Welt, auf der sie leben müssen. Geld hilft da auch nicht weiter.

  • Gögi am 23.05.2019 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pestizide

    Und immer tief einatmen, so gehts schneller mit Sterben.

  • H. Meier am 23.05.2019 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Nachdenken..

    Eigentlich ist die Initiative sinnlos.. Wenn man bedenkt was andere zum Teil grösseren Konzerne anstellen und nicht zur Rechenschaft gezogen werden..