Umstrittene Ideologie

25. Februar 2019 14:43; Akt: 25.02.2019 14:43 Print

Ein Raumschiff sollte Uriella von der Erde retten

Weltuntergangsszenarien, Handauflegen, Heilwasser: Uriella lebte in einer ganz eigenen Welt. Was diese ausgemacht hat.

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Die Schweizer Sektenführerin Uriella ist tot. Sie ist mit 90 Jahren am Sonntagnachmittag gestorben. Die Traueranzeige. Mit bürgerlichem Namen hiess Uriella Erika Bertschinger-Eicke. Sie ist die Gründerin der Sekte Fiat Lux. Der Name «Uriella» soll wohl auf den Engel Uriel anspielen. Im Gedankengut der Sekte sind aber nicht nur christliche Themen vertreten. Auch Elemente des Ufo-Glaubens spielen eine wichtige Rolle. Die Sektenmitglieder tragen in Nachahmung ihrer Chefin ausnahmslos weisse Kleider. Weiss, die Farbe der Unschuld: Doch des Öfteren musste sich Uriella in Deutschland und in der Schweiz vor Gericht verantworten. Am 6. Mai 1996 fand sich Uriella vor Gericht – wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung in zwei Fällen. 1988 starb laut Anklage eine an Mittelohrentzündung erkrankte, schwangere Frau an einer Hirnhautentzündung. Eine zweite, die einen entzündeten Finger hatte, soll ebenfalls aufgrund unterbliebener ärztlicher Hilfe gestorben sein. Uriella wurde allerdings freigesprochen. Am 7. September 1998 muss sich die selbsternannte Geistheilerin erneut vor Gericht verantworten – diesmal wegen Steuerhinterziehung. Sie wird zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Am 3. April 2000 trat sie im Häbse-Theater in Basel zusammen mit Mike Shiva auf. Dazu stiessen sie bei einem «Esoterik-Apéro» an. Am 14. April 2000 trat sie in der Sendung «Arena» zum Thema «Sekten – Macht und Ohnmacht» auf. Dort erzählte sie, dass sie nach einem Sturz vom Pferd 1973 «erleuchtet» worden sei. Seither empfange sie als Uriella Botschaften von Jesus und der Mutter Gottes. Dafür falle sie regelmässig in Trance. Gesundheitlich sei es Uriella schon seit Jahren schlecht gegangen. Seit neun Jahren sei sie von der Hüfte abwärts gelähmt und bettlägerig gewesen. Verheiratet war Uriella mit Eberhard Bertschinger Eicke, der sich selbst «Icordo» nennt. Am 23. Februar 2000 hatte Icordo einen ikonischen Auftritt bei «Viktors Spätprogramm» als «Mr. Tomato». Hier sind Uriella und ihr Mann Icordo 1994 in ihrem Haus in Egg ZH zu sehen. Die Sekte Fiat Lux wurde in Egg gegründet. Dort begann sie auch mit ihren Geistheilungen. Mit solchen Flyern warben Uriella und Icordo 1999 für die Gemeindewahl. Bekannt war Uriella auch aufgrund ihrer Weltuntergangstheorien. So sagte sie voraus, dass im August 1998 ein wichtiges Regierungsoberhaupt ermordet werden würde. Danach komme es zum Weltbörsencrash, der die Weltwirtschaft und alle Computer lahmlegen solle, und schliesslich folge der Einmarsch der Russen in Deutschland. Drei Monate später werde ein Meteorit in die Nordsee fallen. Es werde nicht gelingen, den Meteoriten mit Atomwaffen von seiner Bahn abzulenken, da Engel den Himmelskörper mit magnetischen Kraftstrahlen steuern würden. Der Aufprall führe zu einer mehreren hundert Meter hohen Flutwelle, die sich ausbreite und Kalifornien mit Los Angeles und Hollywood zerstören würde. Dies ist nur eines von vielen Weltuntergangsszenarien, die sie voraussagte. Eines bleibt aber bei allen gleich: Die Anhänger von Fiat Lux sollen vor dem Weltuntergang von Ausserirdischen in Raumschiffen gerettet werden.

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Die «Offenbarung»

Schon früh hatte Erika Bertschinger-Eicke alias Uriella Kontakt zu Sekten in der Schweiz, England und den USA. Ein Reitunfall im Jahr 1973 veränderte ihr Leben einschneidend. Sie behauptete danach, hellsehend und ein Sprachrohr Gottes zu sein. 1980 schliesslich gründete Uriella in Egg ZH den Orden Fiat Lux – zu Deutsch: Es werde Licht.

Ideologie

Zur Lehre von Fiat Lux gehören neben dem Glauben an die Reinkarnation auch die alternative Medizin und Gottesoffenbarungen. Die Gottesdienste der Sekte zeichneten sich oft durch eine tranceartige Stimmung aus. Uriella rechnete mit dem baldigen Weltuntergang und verkündete diesen mehrfach. Die Anhänger von Fiat Lux allerdings würden von unbemannten Raumschiffen gerettet und auf den Planeten Amora gebracht werden.

Die Sektenmitglieder lebten im Alltag nach harten Ordensregeln und strebten nach Reinheit. So hatten sie Rohkost zu essen, weisse Kleidung zu tragen, durften weder Zeitung lesen noch fernsehen und mussten materielle und sexuelle Enthaltsamkeit versprechen. Von knapp 1000 Mitgliedern in den 90er-Jahren soll die Sekte, die ihren Sitz mittlerweile im Schwarzwald hat, auf wenige Dutzend geschrumpft sein.

Methode

Aufmerksamkeit erregte Uriella insbesondere mit ihren umstrittenen Heilmethoden. So rührte sie in der Badewanne Heilwasser an und versprach Genesung durch Handauflegen. Auch verkaufte sie wirkungslose Mittel gegen Krankheiten wie Aids, womit sie sich heftige Kritik einhandelte.

Mehrmals brachten ihr diese Methoden Schwierigkeiten mit der Justiz ein. So hatte sie sich vor Gericht zu verantworten, weil sie drei schwer kranken Frauen von einem Arztbesuch abgeraten hatte und diese gestorben waren. Sie wurde freigesprochen. Zu einer Bewährungsstrafe verurteilt hingegen wurde sie 1998 wegen Zoll- und Steuerhinterziehung.


Sorgte mit ihren umstrittenen Heilmethoden für Kontroversen: Uriella. (Video: Tamedia/SRF)

Krankheit

In den vergangenen Jahren war es ruhig geworden um die umstrittene religiöse Bewegung und ihre Gründerin. Laut Medienberichten war Uriella hüftabwärts gelähmt und auf «intensive Betreuung» angewiesen. Immer wieder war auch von Krebs und der Nervenkrankheit ALS die Rede.

Am 24. Februar 2019 ist Uriella 90-jährig verstorben.

(scl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • LalaUS am 25.02.2019 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sektenmist

    Diese Person sollte kaum auf der Titelseite erscheinen. Trotzdem RIP.

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  • Miro am 25.02.2019 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Uriella

    Mindestens fünf Mal schon dachte ich sie wäre bereits gestorben. Und dann haben andere zu mir immer gesagt, nein sie würde noch leben. Dieser Fehler passiert mir jetzt nicht mehr, denn es wurde schon langsam peinlich. Dank Uriella rühre ich meine Badewasser jetzt auch immer vorher 21 Minuten. Bis ich einen Krampf im Arm habe, den ich dann im warmen Wasser wieder auskurieren kann.

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  • Trio am 25.02.2019 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Uriella

    Vielen Dank an Uriella für das grosse Komödienstadel.

Die neusten Leser-Kommentare

  • vom Glauben abgefallen am 25.02.2019 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Kluge Person

    Sie hat den Wirkungsfunktionalität der Religiösität voll erkannt und für sich genutzt. Sie tat das Gleiche was auch die grossen Weltreligionen tun.

  • marc am 25.02.2019 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Comedy

    Ihre TV Auftritte waren eine Mischung aus Comedy und Fremdschämen. So gesehen war sie lustiger als so mancher Schweizer Berufscomedian. Danke dafür!

  • Komiker 2018 am 25.02.2019 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruhe in Frieden.....

    Aber ihr Unterhaltungswert war Göttlich.

  • Ratmal Werwol am 25.02.2019 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eine Frage der Sicht

    wer es fertig bringt, sein Badewasser erfolgreich zu verkaufen, ist in einer gewissen Weise genial....

  • Rechtskonservativer am 25.02.2019 19:42 Report Diesen Beitrag melden

    Die war gar nicht schlecht.

    Wenigstens hatte sie noch Werte. Etwas was man von den heutigen weichgespülten "alternativ und progressiv" wählern ja nicht behaupten kann. Da ist gleischgeschlechtliche Liebe und psychoaktive Substanzen plötzlich gar nicht so schlimm und Umweltschutz etwas ganz wichtiges... Neinnein, da lob ich mir eine Uriella von Herzen.