Asylunterkünfte

29. Februar 2012 00:19; Akt: 29.02.2012 08:22 Print

VBS hält 32 Standorte für geeignet

Die Armee hat eine Liste mit möglichen Unterkünften für Asylbewerber erstellt. Darauf findet sich auch ein Bunker in den Alpen, der zurzeit bloss mit einem Schneetöff erreichbar ist.

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Die Gebirgsunterkunft Tiefenbach der Schweizer Armee hoch auf dem Furkapass: Für das VBS ein geeigneter Ort, um Asylbewerber unterzubringen. (Bild: SF)

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Seit zehn Jahren haben nicht mehr so viele Menschen in einem Monat in der Schweiz Asyl beantragt wie im Januar 2012. Um den grossen Ansturm neuer Asylbewerber zu bewältigen, sucht das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) nach geeigneten Unterkünften der Armee. Welche Truppenunterkünfte namentlich auf ihre Tauglichkeit geprüft wurden, will das VBS zurzeit noch nicht verraten, doch liegt der Nachrichtensendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens eine Liste von möglichen Unterkünften vor, die Militär-Logistiker für die Beherbergung von Asylbewerbern geprüft haben.

Das VBS stuft demnach 32 Unterkünfte als «denkbar» für Asylbewerber ein. Auf einer «Liste der Objekte mit Unterbringungsmöglichkeiten des VBS», die auf den 23. Februar 2012 datiert ist, stehen zum Beispiel die Namen der Gebirgsunterkunft Tiefenbach mit 144 Schlafplätzen in Realp im Kanton Uri oder das Truppenlager Eigental im Kanton Luzern. Diese Unterkünfte gelten aus Sicht des VBS als «denkbare» Möglichkeiten, um Asylbewerber unterzubringen.

Verwaister, unterirdischer Bunker

Doch ist die Truppenunterkunft Tiefenbach, ein verwaister, unterirdischer Bunker ohne Fenster auf 2100 Meter über Meer, zurzeit nur mit dem Schneetöff erreichbar, da die Furkapassstrasse noch bis Mai geschlossen bleibt. Armand Simmen, FDP-Gemeindepräsident Realp, schüttelt nur den Kopf: «Jeden Monat kann es bei uns schneien, der Furkapass ist die einzige Verbindung. Die Lage ist sehr exponiert. Das wäre wohl das grösste Hindernis, dass die Leute hier eingesperrt sein könnten», sagt er gegenüber «10vor10».
Andere Unterkünfte, wie zum Beispiel die Kaserne Bernrain in Kreuzlingen, wo Ende der 80er-Jahren schon einmal Asylbewerber untergebracht waren, oder die Kaserne Brugg sind für das VBS wegen «Truppenbelegung» nicht geeignete Orte. Die Kasernen seien sehr stark belegt und stünden deshalb nicht zur Verfügung, sagt Sonja Margelist, Sprecherin des VBS.

«Wir sind enttäuscht»

Jetzt regt sich gegenüber der Auswahl des VBS Widerstand seitens der Kantone. Regierungsräte werfen dem Departement von Bundesrat Ueli Maurer vor, nicht an einem persönlichen Gespräch interessiert gewesen zu sein. «Wir sind enttäuscht. Die Antworten waren rudimentär. Die Entschuldigung war, dass die Armee die Kaserne weiterhin brauche», sagt der Thurgauer CVP-Regierungsrat Bernhard Koch gegenüber der Nachrichtensendung. «Wir hätten erwartet, dass man miteinander das Gespräch gesucht oder einmal eine Besichtigung gemacht hätte, so dass man das gemeinsam hätte prüfen können. Zwischen Bund und Kantonen müsste es anders zu und her gehen, es wäre notwendig, dass man nicht einfach nur hin und her schreibt.»

Auch aus dem Aargau sind ähnliche Töne zu hören. Die Grüne Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli ist mit der Einschätzung des Departements Maurer unzufrieden, da auch die Kaserne in Brugg wegen «Truppenbelegung» für das VBS nicht in Frage kommt. «Wenn man die Kaserne als Unterkunft für Asylsuchende brauchen will, muss man für das Militär Varianten finden», findet Hochuli. Es gebe genügend Gemeindeunterkünfte, wo man die Truppen unterbringen könne. Diese würden auch den Gemeinden finanzielle Vorteile bringen, ist sie überzeugt.

Ausbildungsbetrieb der Armee soll nicht behindert werden

Das Militärdepartement sieht das anders und weist die Kritik zurück. «Die Kritik ist nicht gerechtfertigt. Man hat sich sehr viele Unterkünfte angesehen. Wir sind bereit, Umbuchungen zu machen, aber der Ausbildungsbetrieb, immerhin die Hauptaufgabe der Armee, darf nicht zu stark beeinträchtigt werden», findet Sonja Margelist. Und fügt hinzu: «Praktisch alle Kasernen sind sehr stark belegt, während des ganzen Jahres zu über 50 Prozent. Aus diesem Grund stehen sie nicht zur Verfügung, um Asylsuchende unterzubringen.»

(bee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco Müller am 29.02.2012 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ist es so?

    Also wenn ich Flüchtling währe, dan würde ich nichts schöneres finden als auf auf 2100m in der Schweiz in einem warmen bunker zu sitzten und die füsse zu strecken. Vieleicht haben wir ja eine zu einladende Asyl Politik und in diesem land :)

  • christian hählen am 29.02.2012 01:43 Report Diesen Beitrag melden

    asylsuchende rein, soldaten raus

    hey die idee, machen wir doch eine landesweite truppenübung! wir schicken einfach alle soldaten in den wald wo sie zelte aufstellen können, somit ist dann genug platz in den kasernen für die asylsuchenden. sobald die armee retour kommt sind eh alle kasernen renovierungsbedürftig und ueli freut sich!

  • Geri Müller am 29.02.2012 00:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso Nicht...

    Bewerbungsstadium befindet. In der Zeit, in welcher sein Asylgesuch geprüft wird, kann er in 2'100m die schöne Bergwelt geniessen. Gut, das ist überspitzt formuliert, aber zumindest macht er/sie dann nichts dümmeres. Angenommene Asylanten sollten möglichst in die Gesellschaft integriert werden. Klar kann man das nicht auf 2'100m machen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruefi am 29.02.2012 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit!

    Ich war im Eigental in der Truppenunterkunft. Es war spartanisch aber völlig ok. Wenn ich um mein Leben fürchte, sage ich zu einer solchen Unterkunft sicher nie nein... Es ist eine Frechheit, wie man für Asylanten Geld ausgibt! Das muss aufhören.

  • Marco U am 29.02.2012 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Zufrieden sein mit dem was man hat

    Ist doch Toll und die WK Soldaten gleich als Schutz und Verpflegung einsetzen. Zimmer, Sanitäre Anlagen was braucht es mehr. Problematisch wird es dann nur wenn die "Vorübergehenden" Massnahme zu einem Slum ausartet, wenn es dann so weit kommen sollte haben wir ein Problem...

  • Andy parteilos am 29.02.2012 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    zwei Messlatten.

    "Es gebe genügend Gemeindeunterkünfte, wo man die Truppen unterbringen könne." - Dann kann man auch Asylbewerber da unterbringen, oder was soll das?!?

  • Petra Huber am 29.02.2012 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaftsflüchtlinge

    Für Wirtschafsflüchtlinge ist der Bunker ok, da unser Staat nicht fähig ist, die Leute in einem Schnellverfahren auszuweisen.

  • mensch am 29.02.2012 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    menschen

    anscheinend, wenn ich diese beiträge lese, wurde von vielen hier vergessen, dass asylbewerber menschen sind. wie sie und ich. auch sie haben es verdient an einem normalen ort zu leben!