«Sicher zu Fuss»

05. Dezember 2011 10:00; Akt: 05.12.2011 14:18 Print

VCS mahnt zu «Warte-luege-lose-loufe»

Die Anzahl Toter und Verletzter auf den Schweizer Zebrastreifen sind hoch. Deshalb startet nun auch der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) eine Kampagne zum Schutz der Fussgänger.

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Jeder vierte Verkehrstote in der Schweiz ist ein Fussgänger. Mit einer neuen Kampagne will der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) Fussgänger und Autolenker für die Gefahren sensibilisieren.

Allein am vergangenen Wochenende ereigneten sich in der Schweiz zehn Unfälle mit Fussgängerbeteiligung. «Das sind zehn Unfälle zu viel», sagte VCS-Zentralpräsidentin Franziska Teuscher am Montag an einer Medienkonferenz in Bern.

Die Kampagne «Sicher zu Fuss» wolle niemanden an den Pranger stellen. «Alle machen Fehler - sowohl Fahrer, als auch Fussgänger», sagte Teuscher. Das Problem sei, dass man als Verkehrsteilnehmer oft nicht die Perspektive der anderen sehe. Die Kampagne wolle deshalb die Menschen dazu bringen, «die Brille zu wechseln».

Senioren oft betroffen

Einen besonderen Fokus legt die VCS-Initiative auf Kinder und Senioren. Projektleiter Michel Rytz wies darauf hin, dass diese Altersgruppen im Strassenverkehr überdurchschnittlich stark gefährdet sind. So sei beispielsweise jeder zweite getötete Fussgänger 60 Jahre und älter.

Im Alter lasse die Reaktionsfähigkeit ab, ältere Menschen brauchen mehr Zeit, um eine Verkehrssituation einzuschätzen. Auch lasse oft die Sehfähigkeit nach, so Rytz.

Die Anforderungen an die Fussgänger beim Queren der Strasse seien nicht weniger hoch als jene an die Autofahrenden. «Dabei kommen Kinder sowie Seniorinnen und Senioren - aus unterschiedlichen Gründen - öfters an ihre Grenzen.»

Umso mehr sei man deshalb auf Vorsicht seitens der Autolenker angewiesen. «Je besser sich Autofahrende in die Situation der älteren Fussgänger hinein versetzen können, umso leichter fällt es ihnen, die entsprechende Vorsicht und Geduld aufzubringen.»

Vorsicht auch auf Fussgängerstreifen

Zudem macht die Kampagne auf die Gefahren auf dem Zebrastreifen aufmerksam. So zeigen die Statistiken: Bei Unfällen auf Fussgängerstreifen kamen 2010 20 Menschen ums Leben, 270 Personen wurden schwer verletzt.

«Der Fussgängerstreifen gibt keine Garantie für Sicherheit», sagte Josef Lacher, Chef Schulinstruktion der Stadtpolizei Zürich, an der Medienkonferenz. Er wies darauf hin, dass sich im vergangenen Jahr 40 Prozent aller Fussgängerunfälle im Kanton Zürich auf Zebrastreifen ereigneten.

Deshalb, so Projektleiter Rytz, gelte auch weiterhin, was man bereits in der Schule gelernt habe: «Warte, luege, lose, loufe.» Und da zahlreiche Unfälle beim Queren der Strasse erst in der zweiten Fahrbahnhälfte passieren, müsse man auch «laufend beobachten».

Zwei Broschüren informieren

«Sicher zu Fuss» verfolgt laut Rytz vier Ziele: Sie will das Gefahrenbewusstsein schärfen und Wissen über Verkehrsregeln oder den Halteweg von Autos vermitteln. Sie will dazu einladen, sich in die anderen Verkehrsteilnehmenden zu versetzen sowie konkrete Verhaltenstipps geben.

Dazu sind nun zwei Broschüren erhältlich. Eine richtet sich an Fussgängerinnen und Fussgänger, die andere an die Autofahrenden. Sie sollen die Leser für die Perspektive der anderen Verkehrsteilnehmer sensibilisieren. Verteilt werden die Heftchen unter anderem an Fahrlehrer, Polizeien, Hausärzte, Apotheken und Optikerverbände.

Zu finden ist die Broschüre auch auf der neuen Internetplattform www.sicher-zu-fuss.ch der VCS-Kampagne. Hier können Interessierte auch einen Wissenstest durchführen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Moni am 05.12.2011 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Teil 1

    Tatsache ist, seit dieser offiziellen Vortrittsregelung gibt es mehr Unfälle mit Fussgängern. Weshalb? Weil sie sich denken: Ach ich hab ja vortritt der muss bremsen. Nur nicht jeder Fussgänger schaut zuerst ob der Autofahrer auch hält und manche die keinen Anschein macehn rüberlaufen zu wollen wechseln urplötzlich die Laufrichtung. Ich halte immer an wenn ich sehe das jemand rüber will, aber ich musste schon oft vollbremsen weil jemand einfach einen Haken schlägt und rüber läuft ohne zu schauen. Was nützt es einem Fussgänger Vortritt zu haben wenn ein Autofahrer nicht mehr bremsen kann?

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  • Delta Lee am 05.12.2011 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Augenblick

    In der ganzen Diskussion vermisse ich das Stichwort "Blickkontakt"...

  • Moni am 05.12.2011 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Teil 2

    Und dann gibt es eben auch die, die bei unübersichtlichen Fussgängerstreifen hinter einem Bus über die Strasse rennen, auch wenn man langsam fährt und darauf achtet wird es dann jeweils sehr knapp noch ganz anhalten zu können. Liebe Fussgänger, ich halte gerne für Euch an, aber bitte schaltet Euer Hirn auch einmal ein und schaut zuerst ob jemand anhält bevor ihr einfach ohne links und rechts zu schauen über die Strasse rennt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Möri P. Seeland am 29.03.2012 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    Fussgägerestreifen.

    Gerade heute in Schönbühl beobachtet. Zwei Frauen mit Kinderwagen liessen ihr ca 3-jähriges Kind mit seinem Spielzeug ca 30 m vor ihnen über den Fussgängerstreifen fahren. Sehr verantwortungslos e.

  • Andrea Mordasini, Bern am 06.12.2011 23:29 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht immer sind die Fussgänger schuld!

    Nicht immer sind die Fussgänger schuld, nicht jeder läuft ohne zu schauen einfach so drauflos! Bitte nicht immer pauschalisieren und in einen Topf werfen, es gibt Ausnahmen! Zudem gibts auch unachtsame, zu schnell fahrende Autolenker und Velofahrer. JEDER muss vorsichtig sein: Fussgänger, Auto- + Velofahrer. Mit etwas mehr Rücksicht, Aufmerksamkeit und Toleranz auf allen Seiten kommt jeder Verkehrsteilnehmer sicher und unfallfrei ans Ziel, auch der Gestresseste! Bin froh, wird nach den schweren Unfällen endlich gehandelt. Die Fussgänger, die schwächsten, müssen besser geschützt werden, merci!

  • pipo am 06.12.2011 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Beleuchtung

    Trotz guter Strassenbeleuchtung sind die Fussgängerstreiffen"SCHLECHT"!! beleuchtet. Gerade bei Regenwetter.

  • Ich bins am 06.12.2011 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ansicht eines Touristen...

    Viele Zebrastreifen in der Schweiz sind lebensgefährlich. Unübersichtlich,unbeleuchtet,schlecht gekennzeichnet,an den unmöglichsten Orten und teilweise auch mehrere kurz hintereinander.Völlig unverständlich. Ich bin dafür das der Fussgänger erst gehen darf wenn das Auto steht.Keinesfalls sollte das anhalten erzwungen werden.Das wäre eine ganz klare Regelung.

  • Martin Hauger am 06.12.2011 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem kann man ganz einfach lösen!

    Ganz einfach! Der Vortritt soll den Autofahren gegeben werden. Somit muss nicht jeder fast eine Vollbremse machen, wenn einer die Strasse überqueren möchte und der hintere knallt nicht rein, bei schwirigen Strassenverhältnisen. UND auf der zweiten Fahrbahnhälfte wird der Fussgänger nicht überfahren. Wahren Sie schon mal in RIO? Dort muss auch jeder für sich schauen...