Vaterschaftsurlaub

28. Mai 2011 12:07; Akt: 28.05.2011 12:07 Print

Väter sollen Babyurlaub mitfinanzieren

von Jessica Pfister - Wer Vaterschaftsurlaub beanspruchen will, soll diesen mitfinanzieren. Mit dem neuen Vorstoss wollen Politiker aller Couleur dem Anliegen zum Durchbruch verhelfen.

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Die Schweiz kennt keinen gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub. (Bild: Keystone)

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Die Ausarbeitung einer Regelung für den Vaterschaftsurlaub gleicht in der Schweiz einer Zangengeburt. Seit dem Jahr 2000 wurden mehrheitlich von linker Seite neun unterschiedliche Vorstösse für die Schaffung eines Vaterschaftsurlaubs eingereicht. Bisher blieben alle erfolglos.

Doch nun soll Bewegung in die Diskussion kommen. Mit einem «komplett neuen Lösungsvorschlag» wollen Männer- und Väterorganisationen zusammen mit einer überparteilichen Politikergruppe den Vaterschaftsurlaub doch noch ermöglichen.

Keine Belastung für Arbeitgeber

Wie Recherchen von 20 Minuten Online zeigen, unterscheidet sich der Vorstoss in einem zentralen Punkt von den bisherigen Vorschlägen. Während die bekannten Modelle stets von einer Rundumfinanzierung durch den Staat -über die Erwerbsersatzordnung oder die Mehrwertsteuer - ausgingen, setzt die überparteiliche Gruppe gemäss gut unterrichteten Quellen auf eine finanzielle Beteiligung der Nutzniesser. Wer Väterzeit beanspruchen will, soll sie durch eigene Beiträge mitfinanzieren, ohne dass die Arbeitgeber zusätzlich belastet werden. Die Initianten bestätigen diese Angaben.

«Unser Modell fördert die Eigenverantwortung der Eltern», ist Andrea Geissbühler, SVP-Nationalrätin und Mitglied der überparteilichen Gruppe, überzeugt. Deshalb könne sie als SVP-Politikerin das Modell unterstützen. «Bei unserem Vorstoss liegt es grundsätzlich an den Vätern und Familien, etwas für die zusätzliche Zeit mit den Sprösslingen zu tun.» Zudem blieben damit die Sozialversicherungswerke von einer zusätzlichen finanziellen Belastung verschont und es würden keine neuen Steuern anfallen.

Norbert Hochreutener, Berner CVP-Nationalrat und ebenfalls Mitglied der Gruppe betont, dass die neue Lösung auf keinen Fall die KMU belaste. Die weiteren Gruppenmitglieder Anita Fetz (SP), Christian Wasserfallen (FDP) und Alec von Graffenried (Grüne) wollten sich bis zur Präsentation am Montag nicht äussern.

Gute Chancen

Dafür spricht CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer, die sich seit 2008 mit verschiedenen Vorstössen für das Thema stark macht. Sie rechnet einer neuer Finanzierungsform gute Chancen aus: «Das Modell klingt verlockend und ist vielleicht noch mehrheitsfähiger als mein Vorschlag.» In ihrer jüngsten Motion vom April schlägt Schmid-Federer einen unbezahlten Vaterschaftsurlaub von maximal vier Wochen vor. Unbezahlt deshalb, weil der Bundesrat sich bisher immer klar gegen einen staatlich finanzierten Vaterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung ausgesprochen hat.

SP-Nationalrat Roger Nordmann, der sich selbst seit mehreren Jahren für «einige Wochen Vaterschaftsurlaub» engagiert, überzeugt der neue Vorschlag hingegen nicht. «Die Lösung ist für mich nicht das Gelbe vom Ei», sagt er. Er unterstütze lieber die Motion von EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-Keller.

Diese fordert zwei Wochen Vaterschaftsurlaub, welcher analog zum Mutterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung finanziert werden soll. «Ich halte diesen Vorschlag für einen guten und bescheidenen Ansatz, der finanziell absolut tragbar ist», so Nordmann. Zudem warnt er vor der «Vorstossflut», die momentan im Gange sei: «Besser alle gemeinsam für eine Lösung als viele einzelne für verschiedene Lösungen.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dom b. am 30.05.2011 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Vater von Zwillingen

    Ich bin Vater von Zwillingen und meine Frau wahr nach der Geburt froh, auf mich zählen zu können. Vor allem nach einem Kaiserschnitt ist es für eine Frau sehr wichtig, unterstützung zu bekommen und das nicht nur bei Zwillingen. Ich finde Männer sollen endlich über ihren Schatten springen und Verantwortung übernehmen für das was sie gezeugt haben! Ich bin für min. 2 Wochen Vaterschaftsurlaub, ohne dafür Unbezahlt frei zu nehmen, denn manche Familien können sich das schlicht nicht leisten! Es gibt in Europa einige gute Beispiele, wie es funktionieren könnte!

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  • Matthias Buser am 28.06.2011 02:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wär's mit Gleichberechtigung?

    Wie wär's zur Abwechslung mal mit Gleichberechtigung? Die geht so: Beide Elternteile können einen Elternschaftsurlaub von gleicher Dauer für Vater und Mutter beziehen. Es gäbe nur eine Finanzierungsart für beide Geschlechter. Auf die biologischen Unterschiede könnte man Rücksicht nehmen, indem Mütter zusätzlich Schangerschaftsurlaub beziehen könnten.

  • Pius Vogler am 29.05.2011 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Fortschrittliche Arbeitgeber

    Fortschrittliche Arbeitgeber gewähren ihren Väter schon heute, ohne gesetzlichen Verschrieb, 2 Wochen Vaterschaftsurlaub.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Matthias Buser am 28.06.2011 02:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wär's mit Gleichberechtigung?

    Wie wär's zur Abwechslung mal mit Gleichberechtigung? Die geht so: Beide Elternteile können einen Elternschaftsurlaub von gleicher Dauer für Vater und Mutter beziehen. Es gäbe nur eine Finanzierungsart für beide Geschlechter. Auf die biologischen Unterschiede könnte man Rücksicht nehmen, indem Mütter zusätzlich Schangerschaftsurlaub beziehen könnten.

  • Vanessa M. am 31.05.2011 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Echt traurig wie Geldgeil die Leute sind

    Tja da sieht man an den Kommentaren, was das Geld aus der Gesellschaft gemacht hat....

  • babs am 30.05.2011 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Mutterschaftsurlaub ist nicht Urlaub

    Die Männer die meinen sie hätten Vaterschaftsurlaub verdient wollen doch nur blau machen. Mutterschaftsurlaub ist ja schliesslich alles andere als Uralub, man muss sich von den Strapatzen der Geburt erholen sowie das kleine ständig stillen. Wollen das etwa die Väter in Zukunft übernehmen? Na dann sollten auch sie das Kind zur Welt bringen....

    • Mutter/Oma Maria am 02.06.2011 14:22 Report Diesen Beitrag melden

      Vaterschaftsurlaub=Stammtischurlaub...

      Hauptsache die Väter nehmen sich viel Zeit für die Babys in ihrer Freizeit statt am Stammtisch und ihren Hobbys zu frönen! Die Beziehung zwischen Vater/Kind ist genau so wichtig wie der Mutter! Aber gleich Vaterschaftsurlaub..........!?!

    • Mic D. am 12.09.2011 10:51 Report Diesen Beitrag melden

      Rechtfertigung

      Sie stimmen mich nur traurig (um es gelinde auszudrücken). Meine Frau war froh - und ist es heute noch - dass ich sie nach der Geburt unterstützen konnte, damit sie sich von den Strapazen erholen konnte. Und sie ist es heute noch - da ich noch 80% arbeite. Sie hat die Möglichkeit zu arbeiten (ihr Entscheid) und ich habe die Chance eine wunderbare Beziehung zu unserer Tochter aufzubauen. Ach ja, vielleicht schlagen sei mal das Wort "Alibi" nach!...oder ich helfe nach....Rechtfertigung!! Hier geht es nicht um Urlaub sondern um die Aufteilung von Verantwortung und Freizeit/Arbeit.

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  • dom b. am 30.05.2011 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Vater von Zwillingen

    Ich bin Vater von Zwillingen und meine Frau wahr nach der Geburt froh, auf mich zählen zu können. Vor allem nach einem Kaiserschnitt ist es für eine Frau sehr wichtig, unterstützung zu bekommen und das nicht nur bei Zwillingen. Ich finde Männer sollen endlich über ihren Schatten springen und Verantwortung übernehmen für das was sie gezeugt haben! Ich bin für min. 2 Wochen Vaterschaftsurlaub, ohne dafür Unbezahlt frei zu nehmen, denn manche Familien können sich das schlicht nicht leisten! Es gibt in Europa einige gute Beispiele, wie es funktionieren könnte!

    • Roger am 30.05.2011 17:29 Report Diesen Beitrag melden

      Jaja

      Dünkt mich jetzt nicht dass ein bezahlter Urlaub als "Verantwortung übernehmen" herhalten kann.

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  • Werner Kuhn am 30.05.2011 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Hoppla

    Für den Militärdienst gibts doch auch Erwerbsersatz. Wiso nicht fürs Vaterwerden?

    • Aussenstehender am 30.05.2011 21:40 Report Diesen Beitrag melden

      Haha

      Weil man in der Schweiz mehr Angst vor einer Invasion als vor dem Aussterben hat. Ich lach mich schlapp. Und dann wundern, dass es Ausländer braucht.

    • Roger am 31.05.2011 08:09 Report Diesen Beitrag melden

      Einfach

      Weil im Gegensatz zum Militärdienst, das Vater werden nicht eine Pflicht sondern eher eine Kür ist ... wobei dies beim Militärdienst auch nur noch theoretisch der Fall ist.

    • Aussensthender am 31.05.2011 19:51 Report Diesen Beitrag melden

      Lustig!

      Hahaha, der gesellschaftliche Dienst des Vaters und der Mutter ist wohl doch höher einzuschätzen. Oder wo liegt denn die effektive, messbare Leistung des Militärs in einem Land, dass mitten in Europa liegt. Aussterben ist ja eine Alternative...

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