Neues Unterhaltsgesetz

10. Juni 2014 17:09; Akt: 10.06.2014 22:49 Print

Väter sollen künftig auch für Ex-Freundin zahlen

von J. Büchi - Auch ein lediger Mann soll seiner Ex-Freundin künftig den Lebensunterhalt finanzieren, wenn diese das gemeinsame Kind aufzieht. «Nicht zeitgemäss», kritisieren Väterorganisationen.

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Ledige Väter sollen nach einer Trennung künftig stärker in die Pflicht genommen werden. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Martin hat mit seiner Freundin Nathalie eine kleine Tochter. Verheiratet ist das Paar nicht. Wenn die Beziehung heute zerbricht, muss Martin Unterhalt für seine Tochter zahlen – nicht aber für Nathalie. Das könnte sich bald ändern. Nächste Woche berät der Nationalrat über eine Änderung des Unterhaltsrechts. Und diese hat es für ledige Väter in sich, wie die NZZ berichtet.

Demnach sollen auch unverheiratete Männer ihre Ex-Partnerin künftig für die Betreuung des gemeinsamen Kindes entschädigen – wie dies heute bei verheirateten Paaren schon der Fall ist. Wie viel Martin in unserem Beispiel an Nathalie zahlen müsste, und wie lange er sie finanziell unterstützen müsste, ist im Gesetzesentwurf nicht geregelt. Wenden die Gerichte jedoch dieselbe Regelung wie für verheiratete Eltern an, müsste Nathalie erst wieder Vollzeit arbeiten, wenn die gemeinsame Tochter 16 Jahre alt ist. Bis dahin würde Martin ihr einen Teil ihres Lebensunterhalts bezahlen.

Männer auf die Ernährerrolle festgelegt

«Das ist überhaupt nicht mehr zeitgemäss», findet Ivo Knill, Vizepräsident des Dachverbands der Schweizer Männer- und Väterorganisationen. Zwar sei er grundsätzlich dafür, dass unverheiratete und verheiratete Paare einander gleichgestellt werden. «Die Gesetzesänderung will aber in beiden Fällen ein Modell festigen, bei dem der Mann der Alleinverdiener ist.» Das werde heute in der Schweiz in den wenigsten Familien noch gelebt. Die Gesetzesrevision drohe deshalb darauf hinauszulaufen, dass die Männer auf die Ernährerrolle festgelegt und damit finanziell geschröpft werden.

Alec von Graffenried (Grüne), Präsident der nationalrätlichen Rechtskommission, ist selbst in zweiter Ehe verheiratet und hat vier Kinder. Er versteht die Vorbehalte lediger Väter gegen die Gesetzesrevision: «Aus meiner früheren Anwaltspraxis weiss ich, dass man für die Kinder gern bezahlt, für die Ex-Partnerin hingegen weniger.» Trotzdem sei die Gesetzesänderung sinnvoll, weil sie auf der Seite der Kinder unverheirateter Paare eine wichtige Lücke schliesse.

Dass das Gesetz alte Rollenbilder festigt, findet er nicht: «Im Entwurf wird nicht nach Geschlechtern unterschieden.» Dass heute mehrheitlich die Väter Unterhalt zahlen, liege an den traditionellen Rollenbildern, nicht an den Gesetzen. «Hier muss eine gesellschaftliche Entwicklung stattfinden, das kann nicht gesetzlich verordnet werden.»

Was ist ein «gebührender» Unterhalt?

Dies sieht auch Andrea Caroni so. Der ledige FDP-Nationalrat hat mit seiner Freundin eine kleine Tochter. Für ihn ist klar: «Mutter und Vater teilen sich die Betreuungsarbeit während einer Beziehung, also müssen auch beide dafür aufkommen, wenn sie sich trennen.» Deshalb sei es nur konsequent, dass der Vater für den Unterhalt der Mutter aufkomme, wenn sich diese zu 100 Prozent der Kinderbetreuung widme – oder umgekehrt. Das Geld könne aber auch genauso gut in eine Krippe investiert werden.

Zweifel hegt Caroni lediglich in Bezug auf die Umsetzung: «Die Frage ist, welcher Betrag für die Betreuung eines Kindes angemessen ist.» Dies müsse geklärt werden, damit die an sich sehr stimmige Lösung funktioniere. Hier setzt auch SVP-Nationalrat Luzi Stamm, der als Jurist nach eigenen Angaben unzählige ähnliche Fälle betreut hat, grosse Fragezeichen. «Das ist eine chaotische Vorlage», kritisiert er. Der Bundesrat verlange, dass der zahlungspflichtige Elternteil – ob Mutter oder Vater – einen «gebührenden Unterhalt» bezahle. Allerdings sei nirgends geregelt, wie hoch ein solcher zu sein habe. Er hofft deshalb, dass der Nationalrat die Vorlage ablehnt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • s.j. am 10.06.2014 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gleichberechtigung ?!

    wie ist das nochmal mit der gleichberechtigung ? glaube nicht das je eine frau einen mann finanziert wen er das kind aufzieht

  • M. Salvi am 10.06.2014 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Väter sollen für Ex-Freundin bezahlen

    Ja und umgekehrt? Allein erziehender Vater seit 3 1/2 Jahren, cool, werde meine Ex-Freundin zur Kasse bitten! Was soll denn das Gesetz wieder, wir sind nur immer im Nachteil, das kann ja nicht sein.

    einklappen einklappen
  • Brun am 10.06.2014 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem!!

    Meist kriegen die Frauen das Sorgerecht, auch wenn die Männer es auchwollen. Da zahlt der Mann. Für das Kind aufzukommen ist ja logisch, aber die Partnerin, die einem evt. das Kind "weggenommen" hat. Jääääääääää??

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tendenz am 11.06.2014 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    Männer sind die Opfer der Gleichstellung

    Es gibt nur eine Möglichkeit, wählt nur noch Politiker / innen, die sich endlich für die Gleichberechtigung der Männer einsetzen. Unverständlich, wie Männer die Diskriminierungen seit Jahrzehnten stumm erdulden.

  • Christian Keckeis am 11.06.2014 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    BGE würde helfen.

    Das ist eins von vielen Problemen, die sich mit einem bedingungslosen Grundeinkommen in Luft auflösen würden. Aber da alle immer denken, dass das BGE sei eine linke Treumerei à la "Mindestlohn" obwohl es kollosal viel besser durchdacht gekoppelt und mit Kommunismus oder ähnlichem überhaupt nichts zu tun hat, wird diese inovative gute Idee vermutlich leider den Bach runter gehen :(

  • Toma_Hawk am 11.06.2014 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Recht auf Vaterschaftstest

    Mit diesem Gesetz MUSS der Mann erst recht ein Recht auf einen Vaterschaftstest haben. Was passiert sonst wenn sich 10 Jahre danach herausstellt dass er nicht der Vater ist? Ich glaube nicht dass die Frau auch nur 1 Fr. zurückzahlen muss - der Justiz traue ich so einen Entscheid nicht zu.

  • melanie goc am 11.06.2014 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    äähm

    wie siehts denn aus mit den alleinerziehenden männern??? kriegen die dann auch unterstüzung von den ex-freundinen??..also auch ich als frau frage mich langsam wie gleichberechtigung umgesetzt wird/werden soll?!!

  • Frau Holle am 11.06.2014 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Heiratsstrafe

    Dass die Heiratsstrafe noch immer nicht abgesetzt wurde ist doch ein Witz. Und auch da gilt: Wenn Frau/Mann nicht zu faul ist, kann man auch während man Kindern hat etwas arbeiten um nicht ganz aus dem Berufsleben zu fallen. Ergo hat man dem Ex-Partner auch nichts zu zahlen finde ich.