Martin Candinas, CVP

29. März 2014 18:44; Akt: 30.03.2014 15:50 Print

Väter sollen zwei Wochen Urlaub erhalten

von Simon Hehli - CVP-Nationalrat Martin Candinas will Taggelder, die bei der Armee frei werden, in einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub investieren. Die Chancen des Vorstosses sind intakt.

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CVP-Nationalrat Martin Candinas möchte einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub – und könnte mit seiner Forderung durchkommen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Bis die Schweizer Mütter einen bezahlten Schwangerschaftsurlaub bekamen, verstrichen viele Jahrzehnte. So lange soll es bei den Männern nicht gehen, findet CVP-Nationalrat Martin Candinas. Er hat einen Vorstoss eingereicht, der dem schon seit einiger Zeit diskutierten Vaterschaftsurlaub zum Durchbruch verhelfen könnte.

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Welche Art von Vaterschaftsurlaub soll es geben?
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Insgesamt 3171 Teilnehmer

Candinas’ Modell sieht vor, dass die Väter über die Erwerbsersatzordnung (EO) nach der Geburt ihres Kindes zehn Tage Urlaub bezahlt bekommen. Sie könnten diesen am Stück beziehen oder auf einzelne Tage verteilt. Die Präsenz der Väter nach der Geburt sei unerlässlich für einen guten Start ins Familienleben, sagt der Bündner, der selber zwei Kinder hat. «Wir sollten den Vätern Zeit geben, sich auf die neue Situation einzustellen.»

Mittel frei dank kleinerer Armee

Der Ausbau des Sozialstaates würde den Steuerzahlern nicht einmal höhere Lohnbeiträge bescheren, verspricht Candinas: Weil es in der verkleinerten Armee weniger Diensttage gebe, würden Mittel frei für den Vaterschaftsurlaub. Er hat für seine parlamentarische Initiative breite Unterstützung innerhalb seiner Fraktion gewonnen – CVP-Präsident Christophe Darbellay und Vize-Fraktionschefin Viola Amherd stehen dahinter, aber auch Yannick Buttet und Ruth Humbel vom konservativen Parteiflügel.

Diese Rückendeckung kann entscheidend sein. Denn nur wenn er die CVP praktisch geschlossen hinter sich schart, hat Candinas Aussichten auf Erfolg. Ein Vorstoss von SP-Nationalrätin Valérie Piller für einen 20-tägigen Vaterschaftsurlaub scheiterte im letzten Herbst mit 84 zu 96 Stimmen relativ knapp – vor allem, weil die CVP gespalten war.

«Das Geld gehört den Unternehmen»

SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr signalisiert Unterstützung für die weniger weit gehende Initiative von Candinas: «Es ist erfreulich, dass aus bürgerlichen Kreisen ein Vorschlag für einen ersten Schritt in Richtung Vaterschaftsurlaub kommt.» Spielen auch Grüne und Grünliberale mit, liegt im Nationalrat eine – knappe – Mehrheit für den Vorstoss in Reichweite.

Nichts vom Vorschlag wissen will SVP-Sozialpolitiker Roland Borer. Er habe Verständnis dafür, wenn ein Vater die ersten Tage im Leben seines Kindes miterleben wolle – «aber wenn ihm das so wichtig ist, soll er dafür halt Ferien beziehen». Die Schweiz könne sich einen weiteren Ausbau der Sozialwerke schlicht nicht leisten. Dass die EO langfristig Überschüsse erzielen würde, sei Quatsch, sagt der Solothurner. «Und selbst wenn: Dann gehört das Geld den Unternehmen und wir müssen die Beiträge runterfahren, um den Werkplatz zu stärken.»

Mutter soll Urlaub mit Vater teilen

FDP-Nationalrat Andrea Caroni erklärt, auch seine Fraktion werde aus Kostengründen Candinas’ Vorstoss ablehnen. Caroni kämpft stattdessen für seine eigene Lösung, die er während der Frühlingssession präsentierte: Vater und Mutter sollen den 14-wöchigen Mutterschaftsurlaub selber unter sich aufteilen können – zumindest jenen Teil, der über die gesetzlich vorgeschriebene Schonzeit von acht Wochen für die Mutter hinausgeht.

«Eine solche Flexibilisierung bringt den Eltern mehr Freiheiten und dem Staat keine Mehrkosten», so Caroni. Wenn ein Vater noch mehr Zeit brauche, solle er das mit dem Arbeitgeber aushandeln – und etwas Geld auf die Seite legen für einen unbezahlten Urlaub.

Für Bundesrat «nicht erste Priorität»

In eine ähnliche Richtung zielte ein Postulat von SP-Ständerätin Anita Fetz: Sie regte eine Vorsorge-Einrichtung an, in die künftige Eltern steuerbefreit einzahlen können, um auf den späteren Babyurlaub sparen zu können. Der Bundesrat nutzte den Vorstoss gleich, um im letzten Herbst eine grosse Auslegeordnung mit acht verschiedenen Modellen für einen Eltern- oder Vaterschaftsurlaub zu präsentieren. Die Regierung betonte aber auch, dass ein solcher nicht erste Priorität geniesse.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Madeleine Büchler am 29.03.2014 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unselbständig

    Immer neue Forderungen, Papa Ferien, Mamma Ferien, dann muss Krippe oder Kita her, dann Ganztagesbetreuung usw. Stemmen die heutigen Jungen ihren Alltag nicht mehr. Also ich muss sagen, ich werde immer stolzer, dass ich als Mutter dies alles ohne Hilfe durchgezogen habe (Mann arbeitet) ohne Therapie und psych. Betreuung!!

  • Aron Kistler am 29.03.2014 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Stopp!

    Die Politik ist immer sehr schnell dabei, Mittel, die irgendwo frei werden, sofort anderswo rauszuwerfen. Vaterschaftsurlaub ist eine unausgegorene Fantasie, die nichts bringt, aber viel kostet. Mir scheint, dass die finanziellen Vorteile für Familiengebilde längst ausgeschöpft sind. Die ständigen Subventionen bringen keinen Mehrwert. Stopp!

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  • alleinerziehende Mutter am 29.03.2014 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erholung!

    Der Mutterschaftsurlaub gehört der Mutter um sich von der Geburt zu erholen! Die Väter, welche es wichtig finden Zuhause zu helfen (wenn sie es auch wirklich machen) sollen Ferien nehmen! Schliesslich kommt das Kind nicht überraschend! Muss eingespartes Geld immer gleich wieder ausgegeben werden?

Die neusten Leser-Kommentare

  • der Wahrsager am 30.03.2014 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Bezahlte Ferien beziehen

    Da kann doch der Vater von seinen 4-6 Wochen Ferien 2 beziehen und gut ist! Ich glaube nicht, dass mit einem Neugeborenen gleich eine Weltreise unternommen wird.

  • alleinerziehende Mutter am 29.03.2014 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erholung!

    Der Mutterschaftsurlaub gehört der Mutter um sich von der Geburt zu erholen! Die Väter, welche es wichtig finden Zuhause zu helfen (wenn sie es auch wirklich machen) sollen Ferien nehmen! Schliesslich kommt das Kind nicht überraschend! Muss eingespartes Geld immer gleich wieder ausgegeben werden?

  • eh am 29.03.2014 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich schenke meinen ganzen Lohn dem Staat.

    dafür erware ich vom staat ein leben in saus und braus! ironie ENDE

  • Hampi am 29.03.2014 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ja die Arbeit...

    der Sinn des Lebens des Schweizers. So wichtig, dass man nicht mal bereit ist einen 2-wöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub zu gewähren. Was für eine trauriges Leben und eine bemitleidenswerte Lebenseinstellung muss man haben, wenn man sich und andere über die Arbeit definiert!

  • malu am 29.03.2014 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    kein Urlaub

    Der Mutterschafts"Urlaub" sind keine Ferien, sondern eine Erholung von Schwangerschaft und Geburt. Ich sehe nicht ein, wovon sich die Väter erholen müssen.