Bundesrat sagt Nein

01. Juni 2018 12:25; Akt: 01.06.2018 13:13 Print

Vaterschaftsurlaub würde 420 Millionen kosten

Der Bundesrat lehnt die Initiative für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub nach wie vor ab. Zusätzliche Abgaben würden die Wirtschaft zu stark belasten.

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Der Bundesrat will nichts wissen von einer Papi-Zeit: Er beantragt dem Parlament, die Initiative für eine Vaterschaftsversicherung abzulehnen – ohne Gegenvorschlag. Sie verlangt, dass Väter einen gesetzlichen Anspruch auf einen mindestens vierwöchigen Vaterschaftsurlaub erhalten, der über die Erwerbsersatzordnung (EO) entschädigt würde. Der Einkommensersatz würde wie bei der Mutterschaftsentschädigung 80 Prozent des Einkommens betragen, aber höchstens 196 Franken pro Tag.

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Ein solcher Urlaub würde nach Berechnungen des Bundes schätzungsweise 420 Millionen Franken pro Jahr kosten. Dieser Betrag entspricht einem EO-Beitragssatz von 0,11 Prozent.

Regierung will Wirtschaft nicht belasten

In einer Medienmitteilung heisst es, der Bundesrat anerkenne zwar das Anliegen des Vaterschaftsurlaubs. «Der Ausbau eines bedarfsgerechten familienergänzenden Kinderbetreuungsangebots hat für ihn jedoch Priorität.» Im Vergleich zu einem gesetzlich verankerten Vaterschaftsurlaub tragen diese Massnahmen nicht nur unmittelbar nach der Geburt des Kindes, sondern auch in den nachfolgenden Familienphasen dazu bei, dass Mütter und Väter Familie und Erwerbstätigkeit besser vereinbaren können.

Zudem würde ein solcher Urlaub die Wirtschaft mit zusätzlichen Abgaben belasten und die Unternehmen vor grosse organisatorische Herausforderungen stellen. Der Bundesrat ist deshalb der Meinung, dass die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs wie bis anhin in der Verantwortung der Arbeitgeber respektive der Sozialpartner bleiben soll.

Der Bundesrat sieht vor allem die Kantone und Gemeinden in der Pflicht. Der Ausbau eines bedarfsgerechten familienergänzenden Kinderbetreuungsangebots habe Priorität. Diese Angebote seien nicht nur unmittelbar nach der Geburt, sondern auch im Vorschul- und Schulalter des Kindes für die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit von entscheidender Bedeutung. Zudem wiesen diese Massnahmen ein günstigeres Kosten-Nutzen-Verhältnis auf.

Zehn Tage Ferien beim Bund

Heute hat der Vater bei der Geburt eines Kindes in der Regel Anspruch auf bis zu zwei bezahlte Urlaubstage. Unternehmen können zudem grosszügigere Regelungen vorsehen. Der Urlaub kann folglich von Unternehmen zu Unternehmen und von Mitarbeiter zu Mitarbeiter variieren.

Mitarbeiter der Bundesverwaltung haben seit Juli 2013 Anspruch auf zehn Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub. Die meisten kantonalen Verwaltungen sowie die kommunalen Verwaltungen der Kantonshauptorte und grössten Städte gewähren einen fünf- oder zehntägigen bezahlten Vaterschaftsurlaub.

Die Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub - zum Nutzen der ganzen Familie» ist im Juni eingereicht worden. Urheber sind die Organisationen Travail.Suisse, männer.ch, Alliance F und Pro Familia Schweiz.

(daw/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ben Meier am 01.06.2018 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Geld für alles ausser die eigenen Leute

    Ich selbst will zwar keine Kinder, aber echt jetzt? 420 Mio. können wir uns nicht leisten? Dann hört doch auch unser Geld in der halben Welt zu verteilen, namentlich für irgendwas was die EU möchte oder Auslands-whatever-Hilfe.

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  • Sandro Besmer am 01.06.2018 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Wann hört es endlich in der schweiz auf mit Angst politik zu machen! Genau dieselbe masche wie bei der initiative über 6 wochen ferien! Immer diese angstmacherei! Mein gott frankreich hat eine 36 h woche und überleben auch. Und man redet immer von gleichberechtigung, auch ich als mann will eine gleichberechtigung! Auch ich als mann hab eine verantwortung über meine kinder und möchte auch die ersten 4 wochen für mein Kind da sein!

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  • Nelson Munz am 01.06.2018 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    So viel zur Gleichberechtigung!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • RandyMarsh am 01.06.2018 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für den Staat aber nicht für uns

    Wo geht unseres Geld eigentlich hin? Kein Vaterschaftsurlaub, Kein Mindestlohn, Keine 6 Wochen ferien. Also für das Volk wird kein Rappen ausgegeben.

  • manuel am 01.06.2018 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsin

    Eine Milliarde für Sion 2026 sind aber kein Problem...

  • Peter J. Müller am 01.06.2018 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2x Nein

    Weil der Bundesrat gegen einen 4-wöchigen Vaterschaftsurlaub ist, hoffe ich sehr, dass wir für Sion 2026 und für neue Kampfflugzeuge abstimmen können. Der Bundesrat wird von mir 2x ein Nein erhalten.

  • Maya am 01.06.2018 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz hat....

    Milliarden für Entwicklungshilfe oder die EU. Da fehlt natürlich dann das Geld für Väter, junge IV Rentner und für Rentner, die Jahrzehnte Steuern bezahlt haben sowieso. Warum ist das so? Weil die Schweizer sich alles gefallen lassen. Nun, dann soll es halt so sein...

  • Peter J. Müller am 01.06.2018 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer verursacht mehr Kosten

    Die jährlichen Mehrkosten der Frauen belaufen sich auf 15,5 Milliarden Franken.Ein Vaterschaftsurlaub kostet 420 Millionen Franken.