Bund in der Kritik

16. Januar 2020 14:25; Akt: 16.01.2020 16:09 Print

Chefin im VBS übergibt Sohn Job des Vaters

von B. Zanni - Das Verteidigungsdepartement steht in der Kritik: Ein Mitarbeiter erhielt von einer Chefin den Posten seines Vaters.

Kommandochefin Katrin Stucki verabschiedet Althaus und heisst dessen Sohn zum ersten Arbeitstag willkommen. (Video: SRF)
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Ruedi Althaus tauscht seinen Posten beim Verteidigungsdepartement VBS gegen ein Abenteuer als Gästehausbetreiber in Uruguay. Seine Nachfolge in der Einheit für Schiesswesen und Ausserdienstliche Tätigkeiten ist geregelt: Sohn M. Althaus übernimmt. Kommandochefin Katrin Stucki verabschiedet Althaus und heisst dessen Sohn zum ersten Arbeitstag willkommen, wie eine Szene in der SRF-Auswandererserie «Auf und davon» zeigt (siehe Video).

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Sie habe M. aus verschiedenen Bewerbern für Ruedis Nachfolge ausgewählt, berichtet die Stimme im Off. «Er ist Jungschützenleiter und Schützenmeister. Er kennt das Business, das wir hier betreiben», zählt Stucki auf. Natürlich sei es sehr schade, dass der Vater gehe. «Ich sagte, was ich will, und er fand immer irgendeine Lösung. Jetzt wollen wir schauen, ob das beim Junior auch so ist.»

«Der Bund ist kein Familienbetrieb»

Die Szene sorgt für Naserümpfen. Es sei fraglich, ob die Qualifikation des Sohnes sauber abgeklärt worden sei oder die Beziehung zum Vater gespielt habe, sagt Hansjörg Schmid, Sprecher von Angestellte Schweiz. So wolle die Chefin etwa auch «schauen, ob der Junior auch immer eine Lösung findet». Sei der Sohn wie alle anderen Bewerber behandelt worden, müssten solche Fragen laut Schmid hingegen nicht mehr im Raum stehen. «Sie hätte bereits herausgespürt, wozu ihr neuer Mitarbeiter fähig ist.»

Für Schmid steht fest: «Wenn ein Arbeitgeber sauber sein will, lässt er die Finger von familiären Beziehungen.» Als öffentlicher Arbeitgeber müsse der Bund besonders vorsichtig sein. «Er ist kein Familienbetrieb.» SP-Nationalrätin Tamara Funiciello sagt: «Es ist eine Illusion, zu glauben, der Geburtsstand spiele keine Rolle mehr.» Auf dem Stellenmarkt hätten persönliche Beziehungen nach wie vor Einfluss. «Um Vetternwirtschaft auszuschliessen, müssten Arbeitgeber ihre Bewerbungen so weit wie möglich anonymisieren.» Über den vorliegenden Fall wolle sie kein Urteil abgeben.

Ausschreibung sei intern gewesen

Die Stelle als Leiter Ausbildung und Technik wurde laut Chefin Katrin Stucki intern ausgeschrieben. Acht Bewerbungen seien eingegangen.«Gemäss Ausschreibung, der Sichtung der Bewerbungen und den durchgeführten Vorstellungsgesprächen war Herr Althaus der geeignetste Kandidat. Darum hat er den Zuschlag erhalten.»

Althaus habe nicht bessere Chancen gehabt, weil sein Vater der Vorgänger gewesen sei, sagt Stucki. Im Auswahlverfahren gälten für alle Bewerber die gleichen Voraussetzungen. «M. Althaus hatte bereits eine Anstellung beim VBS, eine technische Berufsausbildung, ist Offizier in der Armee und hat gute Sprachkenntnisse.» Zudem verfüge er über gute Kenntnisse des Schiesswesens, sei ein motivierender Ausbilder, guter Administrator und Organisator, habe redaktionelles Geschick und Print-Erfahrung sowie gute Informatikkenntnisse.

«Erhalte sehr viele positive Rückmeldungen»

«Für mich spielt der Verwandtschaftsbezug bei der Auswahl von neuen Mitarbeitenden keine Rolle, ausschlaggebend ist in jedem Fall deren Qualifikation», so Stucki. Auch M. Althaus sagt: «Ich erhalte seit meinem Stellenantritt sowohl von Arbeitskollegen als auch von Kunden sehr viele positive Rückmeldungen zu meiner Arbeit.»

«Es muss nicht unbedingt schlecht sein, wenn ein Arbeitgeber ein Familienmitglied nachzieht», sagt Sicherheitspolitiker und GLP-Nationalrat Beat Flach. In den 80ern habe ihn eine Baufirma auch als Nachfolger seines Vaters eingesetzt. «Eine Firma will die besten Mitarbeiter. Es ist von Vorteil, wenn ein Nachfolger kommt, der am Vorgänger anknüpfen kann.» Klar sei aber, dass das Auswahlverfahren ordentlich ablaufen müsse und die Arbeitgeber den anderen Mitarbeitern eine solche Kandidatenwahl plausibel erklären müssten. «Sonst schwingt der Eindruck von Vetternwirtschaft immer mit.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Amtsverweser am 16.01.2020 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Total üblich beim Bund

    Ich arbeite beim Bund. Und ich würde sagen, dass 70% der "besseren" Stellen unter der Hand vergeben werden. Man geht über Leichen für Bundesstellen, denn es geht oft um 170'000 als wiss. Mitarbeiter und riesige PK-Guthaben. Und da es keine Kontrolle gibt (!) blüht der Filz. Es gibt Sektionen, da sind z.B. 70% aus der gleichen Studentenverbindung. Alle wissen es, Niemand wagt etwas zu sagen. Hinzu kommen teure EMBAs für 60'000, 2 LK mehr oder Sprachkurse etc. die nur Auserwählte mit Vitamin bekommen. Es ist schlicht haarsträubend und alle schauen weg, da sie selber viel verdienen.

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  • Crocodile Dundee am 16.01.2020 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vetternwirtschaft

    Es ist auch sehr, sehr unfair gegenüber den Mitbewerbern, da diese von Anfang an keine Chance hatten! Vetternwirtschaft beim Bund - warum verwundert mich dies nicht..?!

  • Chinook am 16.01.2020 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vetternwirtschaft

    Wieso wurde dieser Job nur intern Ausgeschrieben? Wer war sonst noch in die Rekrutierung bzw. das Auswahlverfahren involviert? Die ganze Sache behält, auch wenn der Sohn gut ist, einen bitteren Nachgeschmack!

Die neusten Leser-Kommentare

  • nikotin am 17.01.2020 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ziemlich komisch das ganze

    Ja, und die anderen Bewerber ?? ganz ein klarer Fall....!

  • Ratmal Werwol am 17.01.2020 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Naiv....

    ...ist, wer meint, beim Bund gebe es keinen Filz

  • Darwin am 17.01.2020 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei

    Jeder, der von sich behauptet, er würde bei einer Anstellung niemals persönliche Beziehungen berücksichtigen, ist entweder ein Lügner, oder ein Soziopath. Ich habe schon so viele neue Mitarbeiter erlebt, die gute Qualifikationen mitbrachten und bei Einstellungsgesprächen angeblich souverän waren. Schlussendlich konnte man mit ihnen aber gerade mal den Boden aufwischen.

  • Me am 16.01.2020 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Vorteil

    Man kennt sie schon und muss sie nicht mit Privatdetektiven überwachen. Ironie off!

  • Stern von Bern am 16.01.2020 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beziehungen...

    schaden nur denen, die selber keine haben.