Veganer Milchkaffee

30. November 2019 13:44; Akt: 02.12.2019 09:44 Print

Bauern sind wütend auf grössten Milchverarbeiter

von B. Zanni - Der Milchhersteller Emmi lanciert einen Kaffee für Veganer, der aus Mandelmilch besteht. Einige Schweizer Bauern sind fassungslos.

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Einigen Schweizer Bauern stösst der angekündigte Eiskaffee Caffè Drink Almond Macchiato sauer auf. In der Facebook-Gruppe «Buurechind mit Liib und Seel» machen sie ihrem Ärger Luft. Ab März 2020 will der Milchverarbeiter Emmi das Eiskaffee-Sortiment um den veganen «Caffè Drink Almond Macchiato» erweitern, wie kürzlich bekannt wurde. Zahlreiche Bauern schliessen sich der Empörung an. Als Milchproduzent sei man einfach schon von Anfang an «nur zum Verarschen da», findet eine Userin. Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands, kann die Kritik nachvollziehen. Die Milchbauern setzten sich das ganze Jahr für ein qualitativ hochwertiges Produkt ein. Auf das Unternehmen sei man stolz, da es die Produkte tausender Schweizer Milchbauern erfolgreich vermarkte. «Es ist dann halt ein Frust, wenn das Flaggschiff der Schweizer Milchverarbeitung plötzlich auch vegane Milchprodukte auf den Markt bringt», sagt Ritter. Mehrheitsaktionärin der Emmi seien zudem die Zentralschweizer Milchproduzenten, sagt Ritter. «Rund 20000 Bauern leben in der Schweiz aktuell vom Milchverkauf.» Unternehmen müssten gewissen Markttrends Beachtung schenken, räumt Ritter ein. «Wenn der grösste Milchverarbeiter aber für gewisse Produkte auf Mandelmilch setzt, ist das den Bauern nur schwer zu erklären.» Emmi sei sich bewusst, dass die Milchproduzenten kritisch reagieren könnten, erklärte Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker kürzlich gegenüber dem .«Schweizer Bauer». Die Frage sei jedoch nicht, ob künftig mehr vegane Produkte konsumiert würden oder nicht. Es gehe lediglich darum, wie die Schweizer Wirtschaft und auch die Landwirtschaft von diesem Trend profitieren könnten.

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Der vegane Trend hat auch den grössten Schweizer Milchverarbeiter Emmi erfasst. Ab März 2020 will der Produzent das Eiskaffee-Sortiment um den veganen «Caffè Drink Almond Macchiato» erweitern, wie kürzlich bekannt wurde. Anstatt Kuhmilch soll «hochqualitative Mandelmilch» in die Becher kommen. Doch einigen Schweizer Bauern stösst das neue Produkt sauer auf.

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«Echt jetzt????? Ein Schweizer Milchverarbeiter verkauft Veganen Kaffe Drink?? Warum machen wir uns nicht gleich selbst kaputt??», schreibt D. H.* in der Facebook-Gruppe «Buurechind mit Liib und Seel» fassungslos. Zahlreiche Bauern schliessen sich der Empörung an. Als Milchproduzent sei man einfach schon von Anfang an «nur zum Verarschen da», findet eine Userin.

«Hoffentlich ist der Drink sehr teuer»

Ein anderer User wirft Emmi vor, sich als milchverarbeitende Firma zu geben, aber «veganen Scheissdreck» zu produzieren. Während einige Bauern das neue Produkt als «Seich» abtun, wünscht einer: «Hoffentlich ist der Drink sehr teuer ... um die Veganer schön über den Tisch zu ziehen.»

In die Diskussion mischen sich aber auch Gegenstimmen ein. «Man könnte meinen, dass bei Bauern nur Milch- und Fleischproduzenten etwas gelten, erschreckend und traurig», schreibt eine Userin. Ein anderer Kommentierender fragt spöttisch: «Ihr lieben Milchbauern .... wem gehört die Emmi? Ahh den Milchbauern!»

«Es ist ein Frust für die Milchbauern»

Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands, kann die Kritik nachvollziehen. Die Milchbauern setzten sich das ganze Jahr für ein qualitativ hochwertiges Produkt ein. Auf das Unternehmen sei man stolz, da es die Produkte tausender Schweizer Milchbauern erfolgreich vermarkte. «Es ist dann halt ein Frust, wenn das Flaggschiff der Schweizer Milchverarbeitung plötzlich auch vegane Milchprodukte auf den Markt bringt», sagt Ritter. Mehrheitsaktionärin der Emmi seien zudem die Zentralschweizer Milchproduzenten.

Rund 20‘000 Bauern leben in der Schweiz laut Ritter aktuell vom Milchverkauf. Unternehmen müssten gewissen Markttrends Beachtung schenken, räumt er ein. «Wenn der grösste Milchverarbeiter aber für gewisse Produkte auf Mandelmilch setzt, ist das den Bauern nur schwer zu erklären.»

Die Frage sei der Profit für die Landwirtschaft

Gegenüber dem «Schweizer Bauer» erklärte Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker kürzlich, dass vegane Produkte vom Konsumenten «ganz klar gefordert werden».

Emmi sei sich bewusst, dass die Milchproduzenten kritisch reagieren könnten. Die Frage sei jedoch nicht, ob künftig mehr vegane Produkte konsumiert würden oder nicht. Es gehe lediglich darum, wie die Schweizer Wirtschaft und auch die Landwirtschaft von diesem Trend profitieren könnten. 20 Minuten versuchte Emmi am Samstag mit den Vorwürfen zu konfrontieren und erhielt bis zum Publikationszeitpunkt keine Antworten. Das Unternehmen reagierte nachträglich (siehe Box).


Emmi äussert sich

«Schweizer Milch wird für Emmi auch in Zukunft der mit Abstand wichtigste Rohstoff sein. Die Einführung einer veganen Produktlinie hat darauf keinerlei Einfluss», sagt Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker. Sollten sich die veganen Emmi-Produkte am Markt durchsetzen, würden sie dort wohl ausländische Vegan-Produkte verdrängen und nicht Schweizer Milchprodukte.

«Vegane Milchersatzprodukte machen in der Schweiz – im Verhältnis zu normalen Milchprodukten – wohl mittelfristig lediglich ein paar wenige Prozent aus», so Umiker. Wesentlich grössere Gefahr drohe Schweizer Milchprodukten durch Import Milchprodukte.

*Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jackie am 30.11.2019 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieder etwas zum Meckern.

    Wo um Himmels Willen ist denn da das Problem? Veganer würden ja eh kein Produkt mit Milch kaufen. Dies nimmt also keinem einzigen Bauern den Markt für seine Milch weg. Sind die Zuckerproduzenten jetzt vielleicht auch entsetzt, weil Emmi, endlich, ein Joghurt ganz ohne Zuckerzusatz verkauft? Zur Freude der Diabetiker.

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  • Elmo am 30.11.2019 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht aufregen

    Ich verstehe die Bauern nicht!!! Veganer trinken ja eh keine Milch und ein Milchdrinker greift sicher nicht nach einem veganen Kaffee.

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  • mike am 30.11.2019 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jammern auf hohem niveau

    ich war vor 20 jahren selber bauer. meine familie und ich haben schon damals nicht verstanden wiso jeder bauer noch 20 kühe im stall braucht. ich denke es geht nur um die subventionen. hauptsache man hat einen traktor für 250k franken. das ewige gejammer geht mir langsam auf den senkel. es gibt 1000 andere wege um einen hof zu nutzen. wir haben es mit blumen zur saatgutherstellung gemacht. zu dem hatten wir auch mal wochenende und konnten ohne stress ferien machen. leider mögen bauern einander nicht einmal bauchweh gönnen. geschweige den das sie zusammen spannen um das land sinnvoll zu nutzen. wir haben aufgehört weil wir wir keine lust mehr auf das bauerntheater gehabt haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alexander Stebler am 01.12.2019 23:35 Report Diesen Beitrag melden

    Emmis knallhartes Veganerbashing

    Emmi ist Teil der Milchlobby, und als Milchverarbeiter profitiert die Firma von Steuergeldern. Daher wundert es mich nicht, dass Emmi ein derart fragwürdiges veganes Produkt auf den Markt wirft. Dass sie nicht einheimischen Biohafer und fair gehandelten Biokaffee verwenden, dürfte nach meiner Einschätzung knallhartes Kalkül sein. So wird dieses Produkt kaum von echten Veganern gekauft werden, sondern eher von neugierigen Allesessern , den sogenannten "Flexetariern".

  • Klima am 01.12.2019 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    More than Honey

    Woher kommen die Mandeln? Aus dine kalifornischen (= kaum Wasser) Monokultur? More than honey lässt grüssen...

    • Alexander Stebler am 01.12.2019 23:15 Report Diesen Beitrag melden

      Hafermilch wäre besser

      Als Veganer wünschte ich mir Produkte aus einheimischer Produktion, zum Beispiel aus Hafermilch. Aber ich kaufe sowieso kaum Fertigprodukte, wie übrigens die meisten Veganer. Diese "Produkte" werden eher von Flexetariern gekauft. Zudem trinke ich sowieso seit Jahren keinen Kaffee mehr.

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  • Einheimische Kopfnuss am 01.12.2019 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Überlegen woher Mandeln kommen!

    Dummheit kennt leider keine Grenzen. Mandeln müssen von weiss Gott woher gekarrt werden, die Aufbereitung ist aufwändig, dazu braucht ein Mandelbaum, dass er genügend Früchte trägt, ziemlich viel Wasser. Wer ein Minimalwissen hat, weiss, dass Mandelbäume sicher nicht in der Schweiz wachsen. Wir hätten genug eigene Milch, die erst noch im Lande selbst verarbeitet werden kann.

    • Alexander Stebler am 01.12.2019 23:20 Report Diesen Beitrag melden

      Milch ist schlimmer!

      So krass das auch klingen mag, aber Mandelmilch ist ökologisch immer noch besser als Kuhmilch, denn diese stammt heute leider fast gänzlich von Kühen, die Kraftfutter gefressen haben, und dieses ist intensiv angebaut und zu einem beträchtlichen Teil sogar importiert. Die Schweizer Bauern verfüttern gemäss dem "Beobachter" jährlich rund 5000 Tonnen Palmlöl! Mit Gras von Alpwiesen lässt sich die Nachfrage längst nicht decken, und heutige "Turbokühe" können davon allein gar nicht leben. Ich bevorzuge übrigens Hafermilch.

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  • Uni am 01.12.2019 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Vegan for life

    Endlich. Danke. Zukunft ist Vegan

  • der Überzeugte am 01.12.2019 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wut

    Beim jetzigen Milchpreis sollten die Jammeri-Bauern ihre Milch selber trinken müssen.