Tofuburger und Co

10. Oktober 2013 14:41; Akt: 10.10.2013 16:32 Print

Veganer üben Druck auf Wirte aus

von D. Pomper - Der vegane Lebensstil setzt sich in der Schweiz durch. Nun will die vegane Gesellschaft Schweiz, dass Restaurants ihr Angebot vergrössern und eine separate Speisekarte einführen.

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Die Schauspielerin Natalie Portman machts, Bryan Adams und Bill Clinton ebenso: sich vegan ernähren. In der Schweiz verzichten schätzungsweise 30’000 Leute ganz auf Fleisch und tierisch erzeugte Produkte. In der ganzen Schweiz gibt es inzwischen verschiedene vegane regionale Organisationen. «Das Interesse ist vor allem bei den 20- bis 35-Jährigen sehr gross», sagt Cristina Roduner, Sprecherin der veganen Gesellschaft Schweiz. Und diese seien aussergewöhnlich aktiv. Überdurchschnittlich viele Mitglieder engagierten sich ehrenamtlich in der Freizeit für eine Vergrösserung des veganen Angebots. Und dies durchaus mit Erfolg.

Umfrage
Sollen Restaurants mehr vegane Speisen auftischen?
39 %
47 %
14 %
Insgesamt 6845 Teilnehmer

Vegane Pizzas und Milchkaffee

Nachdem VGS-Mitglieder aktiv Restaurants angegangen sind, bietet etwa die Restaurantkette Molino Pizza seit neustem in Basel Pizza mit veganem Käse an, ebenso Flying Pizza in Zürich. Im Caffé Spettacolo müssen Veganer dank den aktiven Veganern auch nicht mehr auf Milchkaffee verzichten – dort gibt es jetzt nämlich Sojamilch.

Damit ist es noch nicht getan. Der VGS, der im November zum Welt-Vegan-Tag aufruft, geht in die Offensive: «Unser Ziel ist es, dass Restaurants vegane Menüs anbieten, diese kennzeichnen oder im besten Fall in einer separaten Speisekarte aufführen», sagt Roduner. Tatsächlich führen Restaurants zunehmend ihr veganes Angebot auf. Das Restaurant Lägernstübli in Boppelsen ZH etwa, das zwei Speisekarten führt, ist sogar für den «Best of Swiss Gastro» nominiert. «Wir rennen mit unserem Anliegen offene Türen ein», sagt Roduner. Es sei erstaunlich, wie einfach es inzwischen sei, mehr Leute ins Boot zu holen. «Ich stelle fest, dass wir Veganer uns weniger erklären müssen, dafür die Fleischesser sich für den Konsum zunehmend rechtfertigen.» Veganismus sei keine Randerscheinung mehr, sondern endlich in der Gesellschaft angekommen.

Unterstützung erhält der VGS von der Plattform Grueen.ch, die nachhaltige Gastronomie auszeichnet und unter anderem die vegane Küche fördert. Laut Projektleiterin Bettina Pfiffner gibt es rund 50 Restaurants, die in der Schweiz offiziell vegane oder teils vegane Küche anbieten. Und es sollen mehr werden: Grueen führt Vegan-Kochkurse für Gastrobetriebe durch. «Das Interesse ist gross, denn der Konsument will zunehmend regional, vegetarisch oder eben auch vegan essen», sagt Pfifner. Es seien auch Bestrebungen im Gang, enger mit Gastrosuisse zusammenzuarbeiten. Allerdings hätten grosse Verbände wie Pro Viande oder Swissmilk die Branche fest im Griff.

Vegane Speisekarte ist unrealistisch

Bei Gastrosuisse heisst es, man unterstütze die «Vielfalt des gastgewerblichen Angebots». Die Spezialitätenküche sei für den Gast attraktiv und helfe dem Betrieb, sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben. Aber: «Bei aller Flexibilität wäre es unrealistisch zu erwarten, dass jeder Betrieb seinen Gästen zusätzlich eine vegetarische und eine vegane Speisekarte anbietet», sagt Sprecherin Brigitte Meier Schmid. Die vegane Küche sei in der Praxis anspruchsvoller als die vegetarische Küche und setze spezialisiertes Wissen voraus.

Vegane Kochkurse, Kochbücher und Lebensmittel boomen

Die Veganer machen auch vor der Migros Klubschule nicht halt. Dank der Organisation Basel Vegan führte diese sehr schnell vegane Kochkurse ein. «Zuerst wurden intern Bedenken laut, dass es sich um dogmatische Leute handeln könnte», sagt Sprecherin Ariane Lang. Dies habe sich aber nicht bewahrheitet. Die Kurse seien im Nu ausgebucht gewesen. Seit diesem Jahr werden neben Basel auch in Zürich, der Ostschweiz und in Bern vegane Kochkurse angeboten. Wegen der grossen Nachfrage zieht die Klubschule im Luzern im nächsten Jahr nach.

Zum Vegan-Trend beigetragen hat ohne Zweifel auch der Deutschtürke Attila Hildmann. Seine Geschichte vom Moppel-Ich zum Veganer mit Traumkörper hat eingeschlagen wie eine Bombe. Seine Bücher über vegane Lebensweise und Küche erreichen Millionenauflagen. In Deutschland dürfte der Jahresumsatz mit speziellen veganen Produkten um 19 Prozent wachsen. Auch in der Hauptfiliale von Orell Füssli in Zürich, wo sein neustes Werk «Vegan for fit» prominent ausgestellt ist, ist die Nachfrage mit bis zu dreissig verkauften Bücher pro Monat vergleichsweise hoch. Auch die Kochbücher «Peace food» und «La Veganista» würden gut verkauft, bestätigt eine Mitarbeiterin.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Det am 10.10.2013 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtfertigen?

    Fleischesser sich rechtfertigen, na so weit kommts noch. Jeder soll essen was er/sie will ohne dabei anderen ganze Vorträge zu halten was gut ist und was nicht. Mit den Essgewohnheiten sollte man es so halten wie mit der Religion, am besten für sich selbst.

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  • Chris am 10.10.2013 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch?

    Und ich will weniger Steuern zahlen... Meine Güte! Jeder Wirt darf doch wohl selber entscheiden, welche Gerichte auf seiner Speisekarte stehen. Wenn ich eine Pizza essen will, gehe ich ja auch nicht zum Chinesen. Oder kann ich in Zukunft beim Europäischen Gerichtshof klagen, wenn ich beim Kebabstand kein Raclette serviert bekomme? Langsam habe ich das Gefühl, dass der Fleischentzug bei einigen auf das Denkvermögen schlägt!

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  • Mike am 10.10.2013 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Langsam reichts

    Jeder Wirt ist ein Unternehmer und kann anbieten und verkaufen was er für richtig hält. Wem das Angebot nicht zusagt, der kann sich ja in ein anderes Lokal begeben und dort seine vegetarische Speise zu sich nehmen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sojasprosse am 11.10.2013 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Denkt einmal weiter

    "Die Gier nach Soja frisst den Regenwald" Liebe Veganer Ihr kommt immer mit Argument von Moral und Ethik. Den Regenwald kann man ja roden... Der ist ja schliesslich unbegrenzt. Den CO2-Ausstoss für den Transport vergesst ihr wohl lieber. Bitte kommt nicht mit dem Argument, dass ihr nachhaltige Soja-Produkte kauft. Die Nachfrage nach Soja ist so gross, dass der Bedarf nie und nimmer durch nachhaltigen Anbau gedeckt wird. Würden alle so denken wie ihr, hätte es viel zu wenig Soja. Versteht mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen Veganer aber spielt euch bitte nicht als Retter der Erde auf.

    • Liselote Meier am 11.10.2013 12:18 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt so nicht

      Das meiste Soja das angebaut wird, wird hauptsächlich für Tierfutter verwendet. Fleisch im übermass essen führt zu einem immensen CO2 Austoss. Methan durch die Massentierhaltung und die Futterproduktion. Ist ja nur logisch eine Kuh z.B. muss zuerst gefüttert werden um es dann zu Schlachten. Pflanzliche Nahrung direkt konsumieren braucht weniger Ressourcen. Esse auch Fleisch, aber sehr Selbstkritisch im Umgang, ganz verzichten kann ich nicht, da es halt zu gut schmeckt.

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  • Claudia am 11.10.2013 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wärs mal mit selber was machen?

    mir ist es wurscht wenn der Wirt eine separate Karte macht oder einfach ein paar Gerichte für veganeingestellte Menschen macht... aber eines ist ja wohl ganz klar: Es ist absolut dem Wirt zu überlassen ob er das will oder nicht. Schliesslich trägt er das Risiko und nicht wir! Und sonst, liebe Veganer, wieso macht ihr nicht einfach mehr eigene Restaurants auf wo auf Eure Bedürftnisse exakt zugeschnitten sind? Es gibt ja auch Chinarestaurants, Pizzeria, etc etc etc.. also nehmt die Hände zum Sack raus und macht selber mal was statt unsinnige Forderungen zu stellen!

  • Chris am 11.10.2013 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Peter am 10.10.2013 16:32

    Peter am 10.10.2013 16:32 Das Racelette war auf MICH bezogen nicht auf die Veganer. Ich frage mich wo du in meinem Text gelesen hast, dass sich das auf Veganer bezieht... "Oder kann ich in Zukunft beim Europäischen Gerichtshof klagen, wenn ich beim Kebabstand kein Raclette serviert bekomme?" Man beachte das Wort "ICH". Soviel zum Denken ;-)

  • zocker am 11.10.2013 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ne Info

    Liebe Leute In der Schweiz gibt es ca. 24 000 Restaurants wobei nur wirkliche Restaurants gezählt werden. Im gesamten gibt es über 40 000 Gastrobetriebe. Wer nun nachrechnet findet heraus, dass es sich schlicht nicht lohnt vegane Gerichte anzubieten bei nur 30 000 Veganern. Nimmt man nun die Einwohnerzahl der Schweiz die sich auf ca 8 Millionen Menschen beläuft wird einem auch klar, dass rein Vegane Restaurants sich ebenfalls nicht lohnen bei 30 000 Personen die über die ganze Schweiz verteilt sind. War nur ne Info für beide Parteien, jetz könnt ihr weiterstreiten. PS: Ich bin Fleischesser.

    • Alter Veganer am 11.10.2013 11:13 Report Diesen Beitrag melden

      Sehe ich anders

      Es werden nur wenige Restaurants vegane Menüs anbieten. Diese werden aber mit Sicherheit von vielen neuen Gästen profitieren. Ich als Veganer fahre schon mal 3/4 Stunde für ein gutes Restaurant mit veganen Menüs, auch wenn das selten vorkommt. Wär eines in meiner Nähe ginge ich viel öfter hin. Ein Wirt kann also durchaus gewinnen, wenn er umstellt.

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  • zocker am 11.10.2013 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich denke

    Wie schon oft erwähnt wird das altbewährte Spiel zwischen Angebot und Nachfrage das ganze schon regeln. Es ist nur etwas unrealistisch für 30000 Personen in allen Restaurants vegane Küche einzuführen, denn wahrscheinlich gibt es bei uns mehr Restaurants als Veganer. Ich persöhnlich habe kein Problem mit Veganern aber sobald sie Fleischersatzprodukte aus Soja kaufen und ihre Kleinkinder zu dieser Ernährung zwingen oder mich bekehren wollen hört der Spass auf. Den euer Soja kommt genauso aus dem gerodeten Urwald und eure Kinder dürfen wohl selbst entscheiden wenn sie alt genug sind. Amen.

    • Alter Veganer am 11.10.2013 11:17 Report Diesen Beitrag melden

      Zum Soja

      Nein, der Soja für Menschen kommt eben nicht aus gerodeten Urwälder, sondern fast immer aus Europa und Bio. Der schlechte Soja steckt ausschliesslich in tierischen Produkten. Dass Angebot und Nachfrage entscheiden, wie viele Restaurants vegane Gerichte anbieten, ist natürlich richtig. Und so ist das auch vom VGS gemeint, von Druck und Zwang ist nirgens die Rede, ausser im Titel des Artikels.

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