Weniger Fleisch

12. September 2014 07:29; Akt: 12.09.2014 09:11 Print

Vegi-Vorschrift für Kantinen «völlig absurd»

von J. Büchi - Der Zürcher Gemeinderat will mehr Vegi-Menüs und weniger Fleisch in öffentlichen Kantinen. Weitere Städte könnten nachziehen. Die bürgerlichen Gegner sagen: «Das geht zu weit!»

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Grüne und grünliberale Politiker verschiedener Kantone wollen den Anteil vegetarischer Menüs in öffentlichen Kantinen erhöhen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Vom Hortkind über den Spitalbesucher bis zum städtischen Beamten: Wer sich in einem Betrieb der Stadt Zürich verpflegt, muss künftig möglicherweise hin und wieder auf Schnitzel und Bratwurst verzichten. Der Zürcher Gemeinderat hat am Mittwoch ein Postulat zweier GLP-Politiker angenommen und dem Stadtrat den Auftrag erteilt zu prüfen, wie das vegetarische Angebot in städtischen Kantinen und Restaurants gefördert werden kann.

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Künftig soll dort nur noch Bio-Fleisch auf die Teller kommen, Produkte aus Massenhaltung wären tabu. Da biologisch produziertes Fleisch teurer ist und die Umstellung budgetneutral erfolgen soll, heisst das: Insgesamt müsste der Fleischanteil in den Menüs deutlich verringert werden.

«Akzeptanz für das Anliegen wächst»

Auch in anderen Städten und Kantonen sind entsprechende Bestrebungen im Gang. Die Gruppe «Sentience Politics» hat im Juni im Kanton Basel-Stadt eine Initiative lanciert, die verlangt, dass in allen Kantinen mit mehr als einem Menü künftig auch ein veganes Gericht angeboten wird. Nora Bertschi, Grossrätin der Grünen und Mitinitiantin, freut sich darüber, dass ein ähnliches Anliegen nun in Zürich erfolgreich war: «Je mehr Städte und Gemeinden in der Schweiz auf ressourcenschonende Ernährung setzen, desto mehr wächst die Akzeptanz für solche Anliegen.»

Tatsächlich haben auch grüne Politiker im Aargau, in Luzern, Genf, Uri, Basel-Stadt und Zug bereits Vorstösse zur Förderung pflanzlicher Ernährung in öffentlichen Betrieben eingereicht.

«Wahlfreiheit wird beschnitten»

Für viele Bürgerliche und Liberale sind diese Pläne ein rotes Tuch. Gregor Rutz, Präsident der IG Freiheit und SVP-Nationalrat, kritisiert: «Das ist völlig absurd. Es fehlt gerade noch, dass den Bürgern in einem liberalen Staat vorgeschrieben wird, was sie zum Zmittag essen.» Dass derzeit in mehreren Kantonen versucht werde, die Wahlfreiheit der Bürger zu beschneiden, bereite ihm Bauchweh. «Das ist eine problematische Tendenz. Normalerweise schreiben nur totalitäre Systeme den Leuten vor, was sie essen und trinken dürfen.»

Diese Position hat die IG Freiheit bereits im Frühsommer deutlich gemacht, als sie den Urhebern der Basler Initiative den Spottpreis «Rostiger Paragraph» verliehen hat. Gerhard Pfister, CVP-Nationalrat und Vizepräsident der IG Freiheit, sagt: «Wenn es so weitergeht, haben wir wohl bald neue Anwärter auf den Preis.» Das Gestalten von Menüplänen sei definitiv keine Kernaufgabe der Politik.

«Nur Fleisch anzubieten, ist auch eine Bevormundung»

Nationalrat Bastien Girod (Grüne), der die Basler Initiative offiziell unterstützt, widerspricht: «Es ist umweltpolitisch einfach nicht möglich, dass alle so viel Fleisch essen wie wir. Die öffentliche Hand sollte deshalb als Vorbild vorangehen.» Städte seien prädestiniert, neue Standards zu setzen – zumal vegetarische und vegane Ernährung derzeit im Trend liege.

Davon, dass die Bürger zur veganen Ernährung gezwungen werden sollen, will er nichts wissen. Es gehe lediglich darum, gesunde und umweltfreundliche Alternativen anzubieten. «Es ist eine viel grössere Bevormundung, nur Fleisch anzubieten, wie dies heute gewisse Restaurants noch tun.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luca am 12.09.2014 07:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung adee 

    Wenn das so weitergeht, werden wir bald Vorschriften haben, die uns sagen wie wir uns auf der Toilette den Hintern putzen müssen.

  • Carnivor am 12.09.2014 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    First world problems

    Das Bedürfnis nach Vegifood ist bei weitem nicht so gross wie man es uns hier weismachen will;) Für 5% der essenden Bevölkerung eine Extrawurst (Pardon,Rüebli natürlich) zu braten, ist überflüssig.

    einklappen einklappen
  • Tito am 12.09.2014 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Essen Diktat!

    Sind der Zürcher Gemeinderat Ernährungsberater oder Politiker?

Die neusten Leser-Kommentare

  • soel am 13.09.2014 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt nur Vorteile

    Ja Bitte: "Bietet mehr vegetarische Menüs an". So bleibt für die Vielfleischessenden mehr Fleisch übrig. Das Eiweiss soll aber nicht nur durch Milch- und Eierprodukte ersetzt werden. Hülsenfrüchte, Nüsse und vieles mehr sollen berücksichtigt werden. Das geht auf jedenfall in die richtige Richtung . So bräuchten wir weniger Land im Ausland um Nahrungsmittel zu produzieren. "Es gibt viel mehr Leute, die mehr Fleischlos essen würden, hätten sie die Gelegenheit oder vor allem eine richtige Auswahl, ohne dass Personen dabei Vegetarier sein müssen."

  • Kurt Meier am 12.09.2014 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Quizfrage: Was ist Demokratie?

    1. Wenn sich eine Mehrheit von Nichtrauchern gegen eine Minderheit von Rauchern durchsetzt oder 2. wenn sich eine Minderheit von Vegetariern/Veganern gegen eine Mehrheit von Fleischessern behauptet? Lösungshilfe: Demokratie ist, wenn Volksvertreter dem Volk ihren Willen aufzwingen ...

  • Aussendienstler am 12.09.2014 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Überregulierte Schweiz

    Den Kommentaren kann man eigentlich sehr gut entnehmen, dass es weniger das Thema Fleisch/kein Fleisch ist, welches für rote Köpfe sorgt, als die Tatsache, dass sich "Volksvertreter" wieder einmal in unseren Alltag einmischen wollen. Wir haben echt zu viele Gesetze und Regelungen in der Schweiz, also hört endlich auf mit dem Mist. Ich arbeite im Aussendienst und esse regelmässig in Kantinen. Egal wo in der Schweiz, es gibt immer die Möglichkeit fleischlos zu essen. Und ja, ein Vegi-Menü besteht halt nun mal nur aus Beilagen :-) Der Ökologische Verweis zieht nicht, es gibt z.B nur noch Gen-Soja

  • weltweit? am 12.09.2014 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Bevormundung?

    wo landen wir das uns vorgeschrieben wird was wir essen dürfen? leute lasst die menschen leben, und kümmert euch um die menschen die am verhungern sind! es gibt wichtigeres als diese bevomundung...

  • DinChef am 12.09.2014 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Selber aufräumen

    Den einzigen Trend, den ich erkennen kann, ist die wachsende Impertinenz und Selbstgefälligkeit einiger Menschen, die für sich in Anspruch nehmen, besser als andere zu sein. Wer sich von Sojasprossen und Algen ernähren will, soll dies tun und die anderen in Ruhe lassen. Jeder Mensch ist schon durch seine Existenz ein Ressourcenverschwender: Der eine isst Früchte mit unaussprechlichen Namen, die durch die halbe Welt gekarrt werden, der andere kauft sich jedes Jahr ein neues Handy, der Dritte isst Fleisch und wieder ein anderer wohnt alleine in einer 4-Zimmer-Wohnung. Räumt mal bei euch auf.