Missbrauchsvorwürfe

26. Oktober 2019 16:34; Akt: 28.10.2019 09:03 Print

Verein lässt Erwachsene mit Kindern raufen

Der Verein «Original Play» gerät nach Missbrauchsvorwürfen in die Kritik. Auch in der Schweiz wird das Spiel an Volksschulen angeboten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Spiel «Original Play» gerät in Kritik. Dahinter steckt ein Verein, der in ganz Europa aktiv ist. Seine Mitglieder bieten das «ursprüngliche Spielen» an. Dabei raufen Kindern in engem Körperkontakt mit Erwachsenen, meist auf Matten in einer Halle. Das Spiel soll laut einem Schweizer Ableger «Aggression, Angst und Gewalt in ein Gefühl von Liebe, Freundlichkeit und Zugehörigkeit verwandeln». Es wird etwa in Kitas, Schulen oder in privaten Einrichtungen angeboten – auch in der Schweiz.

Umfrage
Was halten Sie von «Original Play»?

In evangelischen Kitas in Berlin und Hamburg wurde letztes Jahr im Zusammenhang mit dem Spiel wegen Missbrauchsverdacht ermittelt. Das berichtet der Sender ARD. Am Donnerstag berichteten Eltern in einer Sendung des Senders rbb, ihre Kinder hätten von sexueller Gewalt erzählt. Eine Mutter berichtet, ein Mann habe ihrer Tochter während des Spiels «den Penis in den Po gesteckt.»

«Hat in Schule nichts zu suchen»

Die Sendung berichtet von sechs Verdachtsfällen alleine in Deutschland im letzten Jahr. Eine Trauma-Expertin sagte dem Sender ORF, das Spiel sei «eine Einladung zur Übergriffigkeit an Kindern». Der Österreichische Kinderschutzbund warnte ebenfalls vor dem Missbrauchsrisiko. Kritisiert wird etwa, dass die Mitglieder des Vereins, der vom US-Arzt Fred Donaldson gegründet wurde, teils lediglich zwei Tage Ausbildung durchliefen, so der «Standard».

Dagmar Rösler, die Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, sieht «Original Play» kritisch. «Ich würde das in meiner Klasse nicht machen», sagt sie. «Es gibt Grenzen im Körperkontakt. Raufen ist nichts schlechtes, aber das können die Kinder unter sich machen. Schon die Anleitung dazu ist problematisch. Wenn Erwachsene selbst mitmachen, ist das umso heikler», so Rösler.

Sie wolle die Mitglieder des Vereins nicht vorverurteilen, die Methode sei sicher gut gemeint. Aber: «Institutionalisierter Körperkontakt mit fremden Erwachsenen hat in der Schule nichts zu suchen.»

«Einzelne machen Fehler»

Klara Heim wehrt sich gegen die Kritik. Sie bietet selbst «Original-Play»-Stunden in der Schweiz an, gemäss eigenen Aussagen auch in Schulklassen und Familien. «Die Berührung kommt vom Kind aus», sagt sie. Sie selber sitze beim Spiel auf der Matte, das Kind müsse von sich aus zu ihr kommen und sie berühren. Es könne aber auch darauf verzichten. Eltern fänden dadurch Wege, sich ihren eigenen Kindern gegenüber wieder emotional zu öffnen – gerade, wenn sie sich phasenweise schwer mit ihnen getan hätten.

«Das ursprüngliche Spielen hat jeder Mensch in sich drin. Es ist viel mehr als einfach nur raufen», so Heim. Wer es mit Kindern zu tun habe, habe es mit Körperlichkeit zu tun. «Wie sollen Kinder Geborgenheit und Trost erfahren, wenn sie nicht berührt werden dürfen?», sagt Heim. «Eines meiner wesentlichen Anliegen bleibt es, für Kinder selbst Vorbild und Modell einer respektvollen Kontaktaufnahme und Begegnung zu sein und ihnen den Unterschied zwischen Kampf und Spiel vorzuleben.»

(ehs)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pwl1988 am 26.10.2019 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder finden das lustig

    Grundsätzlich raufen Kids tatsächlich gerne. Ich kann mich erinnern, dass es toll war, mit meinem Bruder herumzurangeln, mit einem guten Freund oder sonstigen Familienangehörigen. Was mir bei diesem Original Play nicht gefällt ist einzig, dass Kinder mit wildfremden Erwachsenen raufen sollen. Klar soll man als Erziehungsberechtigter nicht immer übervorsichtig sein und in allem eine Gefahr sehen. Hier aber finde ich, wird eine Grenze überschritten.

  • Schneewittchen am 26.10.2019 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    krank

    das ist doch einfach krank. Kinder sollen sich, wenn überhaupt, spielend mit Gleichaltrigen raufen.

    einklappen einklappen
  • René am 26.10.2019 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einladung

    Pädagogischer Blödsinn , mehr gibts da nicht zu sagen . Ist ja geradezu eine Einladung für alle Pädos .

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Assi Toni am 27.10.2019 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht 

    Wenn das wirklich wissenschaftlich fundiert ist und es den kindern hilft, was ich mir schon vorstellen kann, soll es mit sicherheitsmassnahmen wie background checks und Videoüberwachung (zugriff nur durch die staatsanwaltschaft) angeboten werden können. Das vergessen des aufzeichnens wird mit gefängniss bestraft.

  • Fluups am 27.10.2019 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raufen mit Vater war immer cool

    Wir waren drei buben und rauften gern mit unsrem vater. Alle drei auf vater los und versuchen ihn festzuhalten usw. ebenfalls auf unseren onkel er war ein schwinger wir versuchten immer wieder wer der stärkere ist. Hat spass gemacht und raufen macht auch mit 45 noch spass ob mit den eigenen kids oder mit den kumpels.

  • wirzwei am 27.10.2019 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    no go

    Das muss an allen Schulen verboten werden.

  • Britschula am 27.10.2019 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ei, ei, ei

    Ich bin auch Kindererzieherin. Aber das geht definitiv zu weit. Abgesehen davon, ist dies fremdgesteuert ! Kinder müssen aus intrinsischer Motivation handeln und selbstständig nach Lösungen suchen!

  • KingTom am 27.10.2019 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    raufen ist toll

    Ich raufe mich sehr gerne mit meinen kindern! Meist Tochter und Sohn gegen mich im Sommer wollten auch schon Freunde von ihnen mitmachen, dies wollte ich nicht. Denn heute ist das leider gefährlich