Vollgeld-Initiative

01. Dezember 2015 11:46; Akt: 01.12.2015 14:19 Print

Verein sagt dem Buchgeld den Kampf an

Heute können Banken eigenes fiktives Geld erschaffen. Die neu eingereichte Vollgeld-Initiative verlangt, dass dies künftig einzig der Nationalbank vorbehalten bleibt.

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Der Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) hat bei der Bundeskanzlei die Vollgeld-Initiative mit über 110'000 Unterschriften eingereicht. Die Initiative verlangt, dass nur die Nationalbank neben Münzen und Banknoten auch elektronisches Geld erzeugen darf.

Im heutigen System schaffen Banken dauernd neues, eigenes fiktives Geld, sogenanntes Buchgeld, indem sie Kredite vergeben. Dieses existiert nur elektronisch, erweitert aber die umlaufende Geldmenge. Sobald ein Kredit zurückgezahlt ist, ist das Geld wieder verschwunden.

Weil Banken für eine Kreditvergabe nur eine kleine Fraktion von Zentralbankgeld vorhalten müssten, könnten sie praktisch beliebig Buchgeld schöpfen - und dieses neben Krediten auch zur Spekulation einsetzen. Rund vier Fünftel des von Banken geschaffenen Geldes fliesse in die Finanzmärkte und nur ein Fünftel in die Realwirtschaft, teilte das Initiativkomitee am Dienstag mit.

Finanzblasen verhindern

Der Anteil von Bargeld betrage heute noch zehn Prozent des gesamten umlaufenden Geldes, 90 Prozent sei von privaten Banken hergestelltes elektronisches Geld. Dabei handle es sich jedoch nicht um ein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern nur um ein Versprechen einer Bank, dem Kontoinhaber bei Bedarf Bargeld auszuzahlen.

Dieses System wollen die Initianten ändern. Sie erhoffen sich von der Vollgeldreform mehrere Vorteile: Weil Banken nicht mehr «übermässig Geld herstellen könnten», würden Finanzblasen verhindert.

Bankenrettungen durch Steuergelder würden überflüssig, weil das Geld auf Privatkonten «nun dem Geldbesitzer gehören wie das Bargeld im Portemonnaie oder Tresor». Zudem würde der Franken sicherer, da das Geld- und Bankensystem bei Bankenpleiten und Finanzkrisen nicht ins Wanken käme.

Keine Nachteile für Bankkunden

Die Initianten betonten, man wolle die Banken keineswegs verstaatlichen. Es gehe einzig darum, dass diese kein Geld mehr schöpfen könnten. Die Nationalbank könnte durch die Herstellung des elektronischen Geldes pro Jahr zusätzlich fünf bis zehn Milliarden Schweizer Franken an Bund und Kantone auszahlen.

Für die normalen Bankkunden würde sich gemäss Initianten nicht viel ändern. Ihr Geld würde von der Bank nur noch treuhänderisch und ausserhalb der Bankbilanz verwaltet und die Bank könnte das Geld auf diesen Konten nicht mehr für Kredite ausleihen. Wolle der Bankkunde einen Zins, könne er sein Geld auf einem Spar- oder Anlagekonto anlegen. Diese Mittel könnte die Bank dann für die Kreditvergabe verwenden.

Umfrage unterstützt Argumente

Die Einführung von Vollgeld wäre auch international ein Novum. Ein Alleingang der Schweiz wäre jedoch möglich, finden die Initianten. Das überparteiliche Initiativkomitee wird unterstützt von einem wissenschaftlichen Beirat, dem mehrere Professoren angehören.

Gegner einer Vollgeld-Reform kritisieren, dass die Nationalbank zu viel Macht erhalte und nicht über die notwendigen Marktkenntnisse verfüge, um die «richtige» Geldmenge zu bestimmen. Ausserdem würde das Vorhaben die Geldversorgung der Wirtschaft einschränken und die Sparer durch noch tiefere Zinsen bestrafen.

(dia/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom Bombadil am 01.12.2015 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    MUT!!!

    JA zum Vollgeld. Wir können uns nicht ständig beschweren dass die wirklich Reichen (>50mio) immer reicher werden und der Mittelstand ausblutet, aber nie etwas dagegen unternehmen. Nur in der Schweiz ist es möglich, wir haben die direkte Demokratie. Helvetier, seid mal keine Feiglinge, lasst euch von der Finanzlobby nicht wieder verängstigen, sondern beginnt die Welt der 99% zum Guten zu ändern! Amen!

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  • Klaus Berner am 01.12.2015 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer will nicht ja stimmen?

    Wer da nicht ein dickes ja in die Urne legt, der erklärt sich einverstanden mit der ständigen Banken Rettung mittels unserem Steuergeld. Der ist einverstanden das die reichsten 2% auf kosten der restlichen 98% immer reicher werden. Er ist auch einverstanden mit immer wiederkehrenden Finanzkrisen. Zudem findet er die komplette Überschuldung aller Länder als positiv... Etc. Wenn man aber nicht damit einverstanden ist bleibt ein ja an der Urne der letzte Ausweg

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  • Daniela Valsecchi am 01.12.2015 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Vollgeld heisst für mich...

    ...jeder soll nur noch mit dem Geld wirtschaften können was er hat, d.h. es fährt niemand mehr ein geleastes Auto, es lebt niemand mehr in einem mit Schulden belasteten Haus, es kauft niemand mehr einen TV auf Kredit usw....ach wie schön, wenn nur noch die mit dem Auto fahren, welche es auch vermögen! Vollgeld = erspartes Geld = Konsumverzicht

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Miche am 03.12.2015 06:42 Report Diesen Beitrag melden

    Und keiner Zahlt...

    "Milionengeschenk" für den Staad spendiert von einer Bank. Sehr glaubwürdig :-)

    • Byrus am 03.12.2015 10:55 Report Diesen Beitrag melden

      Millardengeschenk an die Banken

      Nun, bisher war es eher so dass der Staat den Banken ein Millardengeschenk gemacht hat - indem sie ihnen den Profit aus der Geldschöpfung (aus dem Nichts) überliess. Und das, während wir all die Sparpakete zu erdulden haben. Damit soll nun Schluss sein. Wieso soll es gut sein, wenn Geschäftsbanken unsere Währung in Eigeninteresse herstellen? Es gibt einfach kein Argument dafür...

    • demokratischer Bürger am 05.12.2015 13:22 Report Diesen Beitrag melden

      nur wir sollen zahlen! Bank steuerfrei?

      Wie kann man sich so direkt mit den Banken identifizieren, dass man nicht mehr mal daran denkt, dass die Geldherstellung eine Staatsaufgabe wäre und nicht das erschlichene Recht der Banken ist, sich selber alle Gewinne zu zu scheffeln und auch noch Einfluss in der Politik zu kaufen?

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  • Alex Schneider am 03.12.2015 06:33 Report Diesen Beitrag melden

    Geldschöpfung gemäss realem Wachstum

    Vollgeldinitiative: SNB soll Geldschöpfung auf reales Wachstum beschränken An der Vollgeldinitiative wird kritisiert, dass nicht klar sei, wie die Zentralbank sinnvoll entscheiden könne, um wie viel die Geldmenge in einer bestimmten Periode zunehmen soll. In der Geldmengentheorie war lange klar, dass inflationsfreies Wachstum langfristig nur mit einer Geldmengenerweiterung gemäss dem realen Wachstum einer Volkswirtschaft möglich ist

  • Peter Lustig am 02.12.2015 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Tell?

    Was hat eigentlich Tell mit der Vollgeldinitiative zu tun? Helvetia verstehe ich ja noch, die ist auf div. Münzen abgebildet, aber das Konterfei auf dem 5liber ist bekanntlich nicht der Tell, es stellt einen einfachen Schäfer dar. Aber der Bauarbeiter und der Kaminfeger dazu geben dem ganzen noch einen kleinen Village-People-Anstrich.

  • Patrick am 02.12.2015 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich ganz einfach

    Es ist eigentlich ganz einfach: Die Banken können Geld aus der Luft erschaffen, in dem sie dieses elektronisch auf die Konten schreiben und nur 3% von dem Betrag in den Tresoren haben müssen. Das Geld verleihen sie dann für 6%. Rechnet mal: Für 100'000 Franken, dass die Bank verleiht, muss sie nur 3000 Franken selbst besitzen. Jedoch kann sie bereits im ersten Jahr, für das verliehene Geld, 6000 Franken allein an Zinsen einstreichen. Die Rückzahlung des Kredits kommt noch dazu. Es ist ein tolles legalisiertes BETRUGSMODELL was die Banken da haben. Wer JA stimmt, setzt dem Treiben ein Ende!

  • Rapinsel am 02.12.2015 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wettbewerbsfähig...

    Ich bin kein Fan des heutigen Systems, aber kopflose Initiativen zu starten, halte ich doch für sehr fragwürdig. Unsere Banken wären dann die einzigen, die ohne dieses "Werkzeug" auskommen müssten. Dies würde nur schon psychisch geshen sehr negativ aufgefasst werden und die schweizer Kurs (von Banken aber auch von Unternehmen) enorm fallen lassen. Auch der einfach Mann würde das schwer zu spüren bekommen. Man kann doch nicht ernsthaft glauben, dass wir ein derart weltumspannendes komplexe System mit einer kleinen schweizer Initiative ändern könnten? Ein sehr gefährliches Experiment!

    • Leander am 02.12.2015 14:10 Report Diesen Beitrag melden

      Experiment

      Niemand will das "weltumspannende System" ändern. Aber das "schweizumspannende System" kann man sehr wohl ändern. Vergessen Sie nicht, es gab eine Zeit, BEVOR Banken unsere Währung aufs Geratewohl herstellen durften. Da ging die Welt ebenfalls nicht unter.

    • Histeriker am 02.12.2015 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Leander

      Es war im 18. Jahrhundert, als europaweit die Banken zum Teilreserve-System wechselten. Da gab es weder die Schweiz (war damals noch die alte Eidgenossenschaft) noch eine Schweizer Bank (die Kantonalbanken wurden etwa ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet, SKA/CS 1856, UBS 1862). Wir haben keinerlei Erfahrung mit diesem System, und die Welt war damals eine ganz andere, Napoleon hatte noch nicht ganz Europa umgekrempelt (So gesehen ging damals schon eine Welt resp. ein Zeitalter unter...).

    • Patrick am 02.12.2015 18:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Rapinsel Das einzige gefährliche

      Das einzige wirklich gefährliche an dieser Initative ist, dass die betrügten Menschen dieses Staates "AUF DIE IDEE KOMMEN KÖNNTEN, DASS DIE BANKEN MIT IHREM SYSTEM UNGERECHTFERTIGTE GEWINNE EINFAHREN KÖNNEN". Das wäre wirklich sehr gefährlich, denn das könnte den Bank(st)ern ihren lukrativen legalisierten Betrugsgewinn streitig machen.

    • Luzi Fehr am 02.12.2015 18:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick

      Eine Aussage wird nicht wahrer, wenn man sie in Grossbuchstaben schreibt. Zudem würden die Banken weiterhin ungerechtfertigte Gewinne einfahren, die Mehrkosten resp. Ertragsausfälle würden sie einfach den Kunden, also uns, belasten.

    • Leander am 03.12.2015 10:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Luzi Fehr: Wettbewerb!

      Kaum: Wettbewerb! Die Postfinance arbeitet bereits heute nur mit Spargeldern resp. Nationalbankgeld, OHNE Geld aus dem Nichts zu machen. Würden die restlichen Grossbanken den Leitzins an die Kunden weitergeben, würden sie die Kunden an die Postfinance (und andere Banken) verlieren.

    • Byrus am 03.12.2015 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      Island ebenfalls dabei

      Übrigens, so alleine sind wir mit dem "Experiment" nicht. Island hat bei der letzten Krise ziemlich viel mitgemacht. Die prüfen momentan ebenfalls die Einführung von Vollgeld (resp. Banken sollen nicht mehr unkontrolliert Geld herstellen dürfen), und das mit guten Chancen.

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