«Legalize it»

07. Oktober 2013 18:44; Akt: 07.10.2013 19:28 Print

Verein verschickt Leitfaden für straffreies Kiffen

von J. Büchi - Seit Anfang Monat werden volljährige Kiffer gebüsst. Eine Broschüre zeigt, wie sie dennoch ungeschoren davonkommen – und sei es mit Lügen.

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Auf der Titelseite die Justitia, die mit goldener Waage in der Hand Recht spricht. Im Innern der 30-seitigen Broschüre detaillierte Informationen zum Hanfkonsum und -besitz, angereichert mit Statistiken, Diagrammen und farblich abgestimmten Infoboxen. Das Heftchen, das in diesem Herbst in diversen Schweizer Briefkästen lag, kommt professionell daher – dem Titel «Shit happens» zum Trotz.

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Wie dem Heftchen zu entnehmen ist, handelt es sich um die neunte Auflage einer «Rechtshilfebroschüre», die der Verein «Legalize it!» herausgibt. Die Broschüre sei eine Reaktion auf die neuen Bussen-Bestimmungen, die seit dem 1. Oktober in Kraft sind, sagt Sven Schendekehl, der hinter dem Verein steht. «Das Hauptziel der Broschüre ist es, die rechtlichen Bestimmungen für die Cannabis-Konsumenten verständlich darzustellen.»

Mit der neuen Regelung wird der Besitz von unter 10 Gramm Cannabis straffrei – doch der Konsum bleibt verboten und kann mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken bestraft werden. «Die Broschüre soll aufzeigen, wie man möglichst wenig bestraft wird, wenn man von der Polizei kontrolliert wird», so Schendekehl.

«Oder halt lügen»

Das Heft sei in einer Auflage von 5000 Exemplaren gedruckt und an Sympathisanten verschickt worden. Die Publikation sei bereits auf reges Interesse gestossen. Berührungsängste mit Medien oder Behörden scheint der 43-jährige Schendekehl, der mit seinem Verein auch Rechtsberatungen für Kiffer macht, nicht zu kennen. «Ich habe meine Informationen unter anderem bei Anwälten und bei der Bundesverwaltung beschafft», so der 43-Jährige. Überall sei man ihm freundlich begegnet.

So werden im Heft Zahlen aus der polizeilichen Kriminalstatistik aufgeführt. Zudem ist das Protokoll abgebildet, das von der Polizei ausgefüllt wird, wenn ein Kiffer beim Konsum ertappt wird. Zu Letzterem gibt es Hinweise, welche Angaben gegenüber den Behörden gemacht werden müssen – und welche nicht. «Wer polizeilich kontrolliert wird, nicht konsumiert und weniger als 10 Gramm dabei hat, sollte Fragen nach früherem Konsum nicht beantworten oder halt lügen», lautet einer der Tipps im Ratgeber. Auf keinen Fall solle man es zugeben, wenn man anderen Hanf geschenkt oder verkauft habe.

«Beschluss des Parlaments wird torpediert»

Das neue Bussen-System geht auf einen Vorstoss der CVP zurück. Fraktionspräsident Urs Schwaller erachtet den Ratgeber als wenig problematisch: «Hauptziel der neuen Regelung war es, dass Kiffer weniger kriminalisiert werden», erklärt er. Wenn sich die Betroffenen über die rechtliche Lage informierten, sei dies nicht verwerflich. «Erst, wenn es darum geht, die Polizei zu täuschen, habe ich kein Verständnis mehr.»

Keine Skrupel hat diesbezüglich SP-Nationalrat Cédric Wermuth: «Es gibt schliesslich auch in anderen Bereichen Ratgeber für Konsumenten. Selbst für Autofahrer gibt es Tipps, wie sie Strafzettel umgehen können. Wieso sollte man den Kiffern nicht auch Ratschläge geben?» Die Angaben in der Broschüre würden Cannabis-Konsumenten unnötigen Ärger ersparen – und der Polizei bürokratischen Aufwand. Insofern sei beiden gedient.

Erbost zeigt sich hingegen SVP-Nationalrat Sebastian Frehner: «Ich finde es bedenklich, wenn eine Organisation dazu aufruft, die Polizei anzulügen», so das Mitglied der Gesundheitskommission. «Die Beschlüsse des Parlaments werden so torpediert.»

Auch bei Sucht Schweiz ist man alarmiert: «Wir erachten es als bedenklich, wenn Konsumierende Tipps erhalten, die sie vor rechtlichen Folgen schützen sollen. Denn der Konsum darf keinesfalls verharmlost werden.»


Von Privaten und Firmen bezahlt

Bei der Kantonspolizei Zürich heisst es auf Anfrage, man habe von der Publikation Kenntnis genommen. Sie sei nicht weiter problematisch.

Nach Angaben von «Legalize it!» haben Druck und Produktion der Broschüre rund 15'000 Franken gekostet. Finanziert wurde die Publikation – genauso wie Schendekehls 60-Prozent-Stelle im Verein – von privaten Spendern sowie von Firmen und Organisationen, die selbst mit Hanfprodukten handeln.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alain am 07.10.2013 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ihr würdet staunen

    Ihr ach so tollen Experten würden sich noch wunder,wie viele Arbeitskollegen kiffen und täglich Ihre Arbeit sorgfält und gewissenhaft erledigen.

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  • Wahrsager am 07.10.2013 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Urin- und Bluttests

    bei denen Cannabisabbaustoffe nachgewiesen werden sind in der heutigen Form unsinnig, denn Cannabis wirkt nur wenige Stunden lang. Die Toleranzgrenze für Cannabis im Strassenverkehr muss, ähnlich wie beim Alkohol, sinnvoll definiert werden.

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  • Do me am 07.10.2013 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Legalisierung wird kommen

    Keine Angst, die Legalisierung der Drogen wird in nicht mehr all zu ferner Zukunft kommen. Man muss einsehen, dass strikte Verbote ihr Ziel nicht im geringsten erreichen und eher das Gegenteil bewirken (20min berichtete darüber). Ausserdem brauchen die Industrieländer alle Geld. Steuereinnahmen von Süchtigen ist ein sicheres Geschäft und kommt denen gerade recht. Wer jetz mit Gesundheitskosten daherkommt will gesagt sein, dass saubere Drogen, welche der Staat dann wohl anbieten würde, bei weitem nicht so schädlich sind, wie die gestreckten Drogen auf der Gasse.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike am 09.10.2013 03:06 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Kantonspolizei Zürich

    Man sollte vielleicht auch die Kantonspolizei Zürich loben, die einen sehr unverkrampften Umgang mit Hanf beweist, indem sie in der Broschüre kein Problem sieht. Mit gegenseitigem Respekt und einem erwachsenen Umgang können wi der Umwelt beweisen, das wir weder Junkies, Süchtige oder Randalierer sind, sondern die Mitmenschen schätzen und respektieren.

  • Luzener am 08.10.2013 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    Gehörte schon immer zum Menschsein

    Selbst vor tausenden Jahren habe sich Schamanen und Hohepriester zu gedröhnt, ganz legal und hauptsächlich erst noch als Gewissen, Leiter und Ansprechperson für den damaligen Normalbürger. Im Mittelalter war Hanf fester Bestandteil von Weihrauch in Kirchen. Erst mit der Prohibition in den USA wurde der Hanf schlecht gemacht. Da gab es dann Propaganda a la: "Jim, 33, Mörder, Vergewaltiger, Kiffsüchtiger." Wirklich wahr! Hab mal ne Doku gesehen. Eigentlich zum Schreien komisch, wäre der Hanf deswegen nicht selbst heute noch verpönt und von Vorurteilen belastet.

  • Max Kueng am 08.10.2013 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Realitaet = Abwesenheit von Drogen

    Wenn man sich mit psychoaktiven Substanzen narkotisiert, ist das oft, um temporaer der Realitaet zu entfliehen. Wenn man nicht will, dass die Leute Drogen nehmen, muss man einfach die Realitaet besser machen.

  • Unternehmer am 08.10.2013 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das beste was es gibt!

    Cannabis ist das Beste was es gibt. Macht kreativ, kein Kater am nächsten Tag, keine Uebelkeit, und macht nicht Dumm!!! Aber auch hier gilt: Die Menge macht das Gift. Wenn einige Jugendliche das Zeugs grammweise rauchen kann das natürlich nicht gut sein, Probleme können dann sicher auch auftreten. Wer aber vernüftig damit umgeht bekommt sicher keine Probleme, im Gegenteil. Kiffe seit bald 30 Jahren. Habe heute eine Firma mit mehr als ein Dutzend Angestellten und es läuft sehr gut. Hatte wegen dem Kiffen die besten Ideen. Gesundheitlich fit bin ich auch.... Noch Fragen? Legalize it!

  • Hans Zimmer am 08.10.2013 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Uruguay als Vorbild!

    Folgt endlich den Uruguayanern, die haben ein Projekt in welchem der Staat das Cannabis verkauft, so gibt's Einnahmen für den Staat, Arbeitsplätze und Kontrolle was verkauft wird. Nicht Kontrolle der konsumierenden aber auch wenn, wo liege das Problem wenn dies der Schweigepflicht unterläge? Alle würden gewinnen und die Einnahmen könnten für allfällige Behandlungen angewendet werde, wäre wohl ein selbstdeckendes Business, was es heutzutage ja fast nirgends mehr gibt.