Gipfel Zytig

08. Januar 2016 10:16; Akt: 08.01.2016 10:57 Print

Verfahren gegen Zeitung wegen rassistischer Satire

Die Gipfel-Zytig ärgert viele Davoser. Einerseits wegen ihrer teilweise rassistischen Inhalte, andererseits, weil sie ungewollt im Briefkasten landet.

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Dieses Bild veröffentlichte die Gipfel-Zytig in ihrer Ausgabe vom 30. Oktober. Im «Witz» darunter wird der Hund mit Dunkelhäutigen gleichgesetzt. (Bild: Ausriss: Gipfel Zytig)

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Die Gipfel-Zytig wird in Davos gratis an alle Haushalte verteilt. Produziert wird sie von Redaktor und Verleger Heinz Schneider. Und dieser veröffentlicht unter der Rubrik «Hitsch Bärenthalers Schnellschüsse» immer wieder Texte, die gegen Ausländer und Asylbewerber gerichtet sind. Zum Beispiel wird im Bild ein «fauler» schwarzer Hund gezeigt, der im Text dazu mit Dunkelhäutigen verglichen wird.

Schneider war 2013 von der Bündner Staatsanwaltschaft wegen Rassendiskriminierung rechtskräftig schuldig gesprochen worden: Er wurde zu einer bedingten Geldstrafe bei einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. «Seit diese abgelaufen ist, publiziert er wieder fleissig rassistische Texte», sagt Walter von Ballmoos, Geschäftsführer des Fullmoon-Bergsport-Shops in Davos.

«Menschenverachtende Inhalte»

Von Ballmoos: «Ich will mit einer Zeitung, die menschenverachtende Inhalte veröffentlicht, nichts zu tun haben.» Deshalb habe er Kleber für den Briefkasten produzieren lassen und gebe sie Leuten, die die Zeitung nicht mehr zugestellt haben wollen. Etwa 300 Kleber habe er mittlerweile verteilt.

Das Problem: Auch diejenigen, die den Kleber am Briefkasten angebracht haben, erhielten die Zeitung. Jürg Grassl ist im Vorstand in der IG offenes Davos. Er sagt: «Jahrelang hat der Kleber gewirkt – doch nun hat die Post offenbar ihre Zustellungspraxis geändert.» Er und andere Personen erhielten die Zeitung trotz Kleber. Reklamiere man beim Kundendienst, höre man unterschiedlichste Gründe. «Es sei ein amtliches Publikationsorgan – was nicht stimmt – oder es bestehe ein allgemeines Informationsbedürfnis.»

Post widerspricht

Grassl hat mit der IG offenes Davos deshalb zu einer Adresssammlung über Facebook aufgerufen, um die Post davon zu überzeugen, die Kleber wieder zu berücksichtigen. «Innert weniger Tage kamen über 100 Adressen zusammen. Und das war nur nach einem Aufruf per Facebook.»

Bloss: Die Post widerspricht einer geänderten Zustellpraxis. Man berücksichtige den Kleber «Stopp Gipfel Zytig», sagt Sprecherin Jacqueline Bühlmann. «Warum einige Haushalte trotz Kleber die Zeitung erhalten haben sollen, erschliesst sich mir nicht.» Allerdings berücksichtigt die Post nicht den Kleber «Stopp Werbung» – da Gratiszeitungen mit einem gewissen Anteil an redaktionellem Inhalt «dem öffentlichen Informationsinteresse unterliegen».

Keine Angst vor Bestrafung

Man könne sich aber beim Verlag melden und seine Adresse auf eine Negativliste setzen, sagt Bühlmann. Das stört Jürg Grassl: «Wir sollen eine Zeitung abbestellen, die wir nie abonniert haben? Das ist unverständlich.»

Gegen Verleger Heinz Schneider läuft derzeit ein Verfahren wegen Rassendiskriminierung, wie die Staatsanwaltschaft Graubünden bestätigt. Fünf Anzeigen seien gegen ihn eingegangen, präzisiert Schneider gegenüber 20 Minuten. Er habe aber keine Angst vor einer Bestrafung. Sein Anwalt habe ihm gesagt, er habe die Rassismusstrafnorm nicht verletzt.

«Alles intolerante Leute»

Schneider gibt aber zu: Das Bild mit dem Hund tue ihm leid, das sei ein Fehler gewesen, der nicht mehr vorkomme. Es sei unter Zeitdruck in die Zeitung gerutscht. Dennoch sagt er: «Da wird von einigen Leuten ein Riesentheater gemacht, nur weil es nicht ihrer politischen Gesinnung entspricht.» In Davos gebe es eben einige frustrierte Politiker und Linke. «Alles intolerante Leute, das regt mich auf.»

Rassist sei er übrigens keiner. «Ich war 25 Jahre lang mit einer Afrikanerin verheiratet – und die Afrikaner sind noch rassistischer als wir.» Er berichte objektiv über die Geschehnisse in der Schweiz «und über das, was in der Asylpolitik noch auf die Schweiz zukommen wird».

Nächste Woche werde er sich mit der Post zusammensetzen, um das weitere Vorgehen wegen der ungewollten Zustellungen zu besprechen. «Derzeit fehlt noch eine technische Möglichkeit, um die Adressen der Negativliste einfach zu übermitteln.»

(num)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Liselotte Liebmob am 08.01.2016 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Satire ist und soll Kunst bleiben

    Soso, Satire darf nur in Eine Richtung straffrei bleiben? Komisch, seit wann ist dieser Kunstform Parteirelevant? Jetzt wird es aber peinlich. Ob es gefällt oder nicht....Ich erinnere an die Zeiten, wo Bücher oder Hexen öffentlich verbrannt wurden!

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  • Carmela am 08.01.2016 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Witz

    Ich Frau war bis zum Silvesterabend tolerant. Aber jetzt bin ich nur noch offen und sage meine Meinung ob die dann für die einen Rassismus ist mir sowas von egal. Witze sind Witze fertig

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  • M. Bühler am 08.01.2016 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kunst

    Ist schon komisch, ist wieder einmal typisch. Satire ist Kunst und soll es auch bleiben. Aber wenn ein linker Künstler öffentlich zum Mord aufruft gegen einen SVP Nationalrat dann ist das natürlich Kunst und wird nicht bestraft....verkehrte Schweiz...

Die neusten Leser-Kommentare

  • J-P am 09.01.2016 03:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsfreiheit

    Wo bleibt den die Meinungsfreiheit Leute !!! Finde es schön wenn jemand den Mut hat, anders als die indoktrinierten linken sich auszudrücken.

    • Orbiter am 09.01.2016 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @J-P

      Schade das die indoktrinierten rechten Beleidigung und der gleichen immer mit Meinungsfreiheit verwechseln.

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  • Denker am 09.01.2016 01:05 Report Diesen Beitrag melden

    Auf dem rechten Auge blind

    Interessant, dass Kommentare gelöscht werden, die sich kritisch oder satirisch mit dem Verleger befassen. Aber immer noch mit mehr Niveau als sein "Witz". Aber das zeigt auch, dass viel mehr Leute anders denken als hier erscheinen.

  • Tierliebende Partei am 08.01.2016 19:49 Report Diesen Beitrag melden

    Tierfabeln reloaded?

    Die Hundemetapher ist interessant. So tritt ja auch die SVP-Spitze mit launigem Plüschhund auf, der als Nachfolger eines Schafs figuriert.

    • Papierlischweizer am 09.01.2016 00:36 Report Diesen Beitrag melden

      Verwechslung

      Es war ein Geissbock. Die Schafe sind die von den Plakaten und jene, die sich von diesen beeinflussen lassen.

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  • gonzo am 08.01.2016 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorurteile ungleich Rassismus!

    Wenn nicht einiged an diesem Witz der traurigen Realität entsprechen würde, dann würden sich alle nur verwundert fragen, wad denn dieser Mann mit dem Witz sagen will. Vorurteile hat man sich erkämpft, die positiven wie auch die negativen. Im Ausland spricht ja auch keiner von den aggressiven Schweizern, eher von langsamen oder langweiligen Schweizern. Und wenn man von Schwarzen sagt, sie hätten das Arbeiten nicht erfunden, dann hat das nichts mit Rassismus zu tun, sondern er hat -achtung- hart für dieses Vorurteil gearbeitet. Oder eben nicht.

    • Liliane am 08.01.2016 19:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Gönz

      Sie kommen sich sehr clever vor, wie Sie hier versuchen, Rassismus zu entschuldigen. Übrigens: Im Ausland spricht man durchaus von den rassistischen Schweizern.

    • Peter P. am 08.01.2016 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @gonzo

      Und als nächstes versuchst du wohl rassistische Aussagen mit "Meinungsfreiheit" zu begründen, gell? :D Hauptsache man kann sich seine Gesinnung schönreden und versuchen sie Salonfähig zu machen. Klappt zum Glück nur bei kleingeistigen Menschen ;)

    • Dr. Unwichtig am 08.01.2016 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @gonzo

      Na, ja - dass "die Schwarzen" das Arbeiten nicht erfunden haben würden wohl die Europäer bestreiten, welche afrikanische Ureinwohner auf die westindischen Inseln verfrachtet haben, damit sie dort die Arbeit erledigen können, die für die Europäer zu schwer war...

    • Elfriede Wiesmann am 09.01.2016 00:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @gonzo

      Ja, das stimmt. Schweizer gelten im Ausland als behäbig, witzlos, geldgierig und Deutschhasser, also sehr wohl rassistisch. Wenn dem nicht so wäre, gäbe es kein Rassismusgesetz, da es nicht nötig wäre.

    • D. Meier am 09.01.2016 00:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Elfriede Wiesmann

      Nein, die Deutschen represäntieren keine eigenständige Rasse. Wusste nicht, dass diese Vorstellungen immer noch in vielen Köpfen hängen geblieben ist. Tzzz..

    • Hitti am 09.01.2016 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Liliane

      Wird schon sein, aber in welchen Land gibts kein Rassismus? Vielleicht sollte man das Thema nicht nur auf die Schweiz beschränken. Es ist keine Entschuldigung oder Rechtfertigung, aber man wird erstaunt sein was in anderen Ländern abgeht in der Beziehung.

    • Jose Casho am 09.01.2016 14:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Elfriede Wiesmann

      Sind Ihrer Meinung nach die Deutschen also eine Rasse? Diesem Irrglauben wurde doch 1945 ein Ende gesetzt.

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  • Ueli am 08.01.2016 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte? Hab ich das richtig gelesen?

    Haben da manche im Ernst ihren eigenen Rassismus verteidigt, weil andere auch rassistisch sind? Ich fasse es nicht!