Berner Obergericht

20. Februar 2020 20:51; Akt: 20.02.2020 20:51 Print

Mann erhält 800 Fr. wegen Vergewaltigungsvorwurf

Ein 66-jähriger Bieler wurde beschuldigt, seine eigene Tochter sexuell missbraucht zu haben. Es folgten Beamtenbeleidigungen und 500 Tage Haft.

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Ein offenbar falscher Vergewaltigungsvorwurf führte laut der Zeitung «Le Matin» im Kanton Bern zu zahlreichen Beamtenbeleidigungen, einem 500-tägigen Gefängnisaufenthalt und Verfahrenskosten in der Höhe von 76'000 Franken. Am Mittwochnachmittag erschien der Angeklagte vor dem Berner Obergericht.

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Der Bieler C. S. wurde beschuldigt, vor acht Jahren die eigene Tochter als 11-Jährige sexuell missbraucht zu haben und pädophile Bilder von ihr gemacht zu haben. Ausserdem soll er versucht haben, sie nach Italien zu entführen. Von diesen schweren Vorwürfen seitens seiner Ex-Frau und Tochter wurde der 66-Jährige jetzt freigesprochen. Laut dem Richter sind die Vorwürfe des Mädchens unter dem Einfluss ihrer Mutter «schwer» und «unbegründet».

C. S. wurde aufgrund des psychischen Leidens durch den Vorwurf eine Entschädigung von 800 Franken zugesprochen. Zu wenig, wie er findet: «800 Franken für acht Jahre voller Qualen? Für einen solchen Betrag kann ich also einen Richter der Pädophilie bezichtigen?»

28 Straftaten

Nach der Anklage wegen sexuellen Missbrauchs ist C. S. gegenüber den Behörden ausfällig geworden, etwa hat er nach einer verbalen Auseinandersetzung in der ersten Instanz einem Anwalt den Mittelfinger gezeigt. Insgesamt hat er 28 Straftaten begangen. Drohungen, Beleidigungen und Gewaltanwendung gegenüber Beamten haben ihm 500 Tage Haft eingebracht, davon 456 Tage Untersuchungshaft und 44 Tage alternative Massnahmen. Diese Strafe ist nun in vollem Umfang verbüsst. Der Richter befreit C. S. von der psychiatrischen Behandlung, die von der ersten Instanz verhängt worden war. Er werde sich in einem Alter von 66 Jahren nicht mehr ändern.

Während der Urteilsverkündung bezeichnete C. S. den Richter mehrfach als Lügner: «Sie haben meine Aussagen gefälscht. Das ist wie bei der Mafia.» Der Richter entgegnet: «Ich habe noch nie so eine extreme Querulanz und Unverschämtheit erlebt.» Dennoch erkennt er auch eine Qualität: «C. S. weiss genau, wo die Grenze liegt zwischen dem, was verwerflich ist und dem, was gerade noch geht.» Der Angeklagte sei überdurchschnittlich intelligent.

Bis ans Bundesgericht

Laut seiner neuen Ehefrau ist C. S. «geschwätzig, aber grosszügig». Sein Sohn aus einer früheren Beziehung sagt, dass er sich «übertrieben» benehmen könne, dass aber die Behörden verantwortlich seien für die Qualen seines Vaters: «Als mein Vater festgenommen wurde, haben sie sich geweigert, mir zu sagen, in welchem Gefängnis er sich befindet.»

Verfahrenskosten von 66'000 Franken in der ersten und 10'000 Franken in der zweiten Instanz müssen noch aufgeteilt werden. Doch der Prozess ist wahrscheinlich noch nicht zu Ende: C. S. will seine 4000 Seiten umfassende Akte dem Bundesgericht vorlegen. Er fordert eine bessere Entschädigung des psychischen Leids. Sein Anwalt schätzte den Schaden auf 20'000 Franken, er selber fordert zwei Millionen.

(les)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mic66 am 20.02.2020 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    heikles thema

    Es ist sehr heikel das zu beurteilen. Was aber sicher eindeutig ist, ist Die tatsache das es ganz einfach ist jemand in eine solche lage zu bekommen ob schuldig oder nicht es braucht nur eine beschuldigung und anzeige. Für eine falsche beschuldigung sollte es zumindest in jedem fall die straffe in gleicher härte geben. Und die kosten sollte sicher auch nicht die algemeinheit tragen.

  • Philipp aus Solothurn am 20.02.2020 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit Kostet, Frau muss zahlen

    Der gesamte Schaden, der ihm enstanden ist, muss durch den Kanton Bern bezahlt werden und danach bei der Tochter und Ex-Frau zurück gefordert werden. Hierbei sind auch Lohnausfälle und der Freiheitsentzug zu entschädigen. Aus meiner Sicht müsste dies ca. 100CHF x die Stunden im Gefängnis sein. Also ca. 1.2 MIO CHF, sofern die U-Haft wegen des Vergewaltigungsvorwurfs und nicht wegen andere Vergehen angeordnet wurde...

  • ton ton am 22.02.2020 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    den anschwärzerinnen passiert nichts?

    und ex-frau und tochter gehen straffrei aus trotz schwerster falscher beschuldigung?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Perikles am 22.02.2020 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist lächerlich

    800 CHF? im Ernst? Für ein zerstörtes Leben?? Das ist total unfair! Im nächsten Leben will ich kein Mann mehr sein. Nicht in dieser Zeit.

  • PH am 22.02.2020 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    800. Entschädigung. Dieser Richter macht sich lächerlich

  • Neumann am 22.02.2020 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Staat hat immer Recht!

    Hätte ihm nichts bezahlt und beim geringsten Mucks eine saftige Busse. Der Staat muss sich in jedem Fall durchsetzen, sonst macht das Volk was es will.

    • Bikespeed am 22.02.2020 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Neumann

      Und genau so entsteht Wilkür...

    • giorgio1954 am 22.02.2020 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Neumann

      Bei Staatswillkür ist das ev. schwierig.

    einklappen einklappen
  • giorgio1954 am 22.02.2020 15:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstjustiz

    Unrecht durch die Justiz auszuhalten ist schwieriger als Selbstjustiz zu üben. Verstehe den Mann.

  • EU-skeptischer als je zuvor am 22.02.2020 14:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bundesgericht unter Höheren Gewalt

    Wieder ein Fall für die Bundesgericht zu vermasseln anstatt revanchieren und kompensieren. Langsam wird mir die Strategie hier klar - die Bundesgericht sollte soweit Versagen bis die Bevölkerung nach ein Strasbourg-Lösung sehnt. Der EJPD ist krank. Sehr krank.