Grossrazzia im Tessin

23. Februar 2017 20:54; Akt: 23.02.2017 21:17 Print

Verhafteter Ümit Y. ist mit K1-Champion befreundet

Der wegen Verdachts auf IS-Rekrutierung verhaftete Schweiz-Türke Ümit Y. fiel nicht als Radikaler auf. Vor kurzem liess er sich allerdings einen langen Bart wachsen.

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«Ein guter Typ, super integriert, hat viele Freunde.» Über Ümit Y., den 32-jährigen Schweiz-Türken und mutmasslichen IS-Rekrutierer, der gestern von der Bundesanwaltschaft festgenommen wurde, hört man nur Gutes. Aus seinem Umfeld heisst es, er sei türkischer Herkunft, aber in Lugano aufgewachsen. Ümit habe die Handelsschule abgeschlossen und habe, bevor er in den Sicherheitssektor wechselte, im städtischen Krankenhaus gearbeitet.

Bekannte erzählen, Ümit habe sich oft in der Moschee von Viganello in Lugano aufgehalten. Zeitweise sei er dorthin auch in der Uniform der Sicherheitsfirma gegangen, für die er arbeitete. «In letzter Zeit sprach er oft über den Islam und die Türkei, vielleicht war das ein wenig idealisierend», sagt ein Bekannter. Extreme Ansichten habe er aber nicht geäussert. «Wir hätten nie gedacht, dass er radikal geworden ist.»

Ümit liess sich einen langen Bart wachsen

Laut einem guten Freund habe sich Ümit als Kind nicht für Religion interessiert. Mit 17 habe sich das geändert, da habe er angefangen, den Ramadan einzuhalten. «Aber er ist immer eine ganz normale und gut integrierte Person geblieben.» Gesehen habe er Ümit zum letzten Mal vor drei Wochen. «Er hatte sich einen langen Bart wachsen lassen.»

Innerhalb der Sicherheitsfirma hatte Ümit Y. einen hohen Führungsposten: Er war Oberleutnant. Mitarbeiter sagen über ihn: «Er erweckte keinen Verdacht, sondern schien ein ruhiger Mensch zu sein.» Doch bei der Firma schien nicht alles im Reinen zu sein. «Ümit erzählte, er müsse Überstunden leisten, ohne dafür bezahlt zu werden.»

Verbindungen zu anderen IS-Unterstützern

Laut dem Tessiner Radio3i soll der 32-Jährige ein Freund von Abderrahim M. sein. Der K-1-Schweizermeister, der in Italien wohnte, aber in Canobbio trainiert hatte, war letzte Woche in Mailand wegen Terrorismus und Unterstützung des IS zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er wollte sich im Vatikan in die Luft sprengen.

Schon längere Zeit im Fokus

Ümit sei seit einiger Zeit im Fokus der Behörden, mutmassen die Medien. Die Untersuchungen, die schliesslich zur Festnahme von Ümit Y. geführt haben, stehen offenbar im Zusammenhang mit jenen des marokkanischen Kickbox-Champions Aberrahim M.

Bei der Grossaktion der Bundesanwaltschaft sollen auch der Imam der Moschee und ein weiterer Türke befragt worden sein. Letzterer soll ebenfalls ein Freund von Abderrahim M. sein.

(ann)