Kachelmann vor Gericht

18. Mai 2011 19:41; Akt: 18.05.2011 23:41 Print

Verkrampft locker bleiben

von A. Mustedanagic, Mannheim - Die Anklage fordert rund vier Jahre Haft für Jörg Kachelmann. Der Wettermoderator nahm den Antrag des Staatsanwalts auf wie den Rest des Plädoyers: bemüht emotionslos.

Thomas Franz, Vertreter der Nebenklage, und Jörg Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn nehmen Stellung zum Antrag der Staatsanwaltschaft.
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Irgendwie schien es eher um die Freiheit und Intimsphäre von Johann Schwenn zu gehen als um die seines Mandanten Jörg Kachelmann. Mitten im Plädoyer der Staatsanwaltschaft sprang der Verteidiger hoch und marschierte zum Richterpult, um die «intimen Schilderungen» aus dem Leben des Wettermoderators zu unterbinden. Jörg Kachelmann verzog derweil keine Miene. Der Moment war bezeichnend für den Wettermoderator am vorletzten Tag des Prozesses gegen ihn.

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Während seine Anwälte locker in den Stühlen hingen, über die Ausführungen der Anklage grinsten oder auch mal enerviert den Kopf schüttelten, sass Kachelmann kerzengerade in seinem Stuhl und hörte scheinbar emotionslos dem Staatsanwalt zu. Egal, ob dieser ihn gerade der Falschaussage, der Verwischung von Spuren oder einer besonders schweren Vergewaltigung bezichtigte. In seinem gräulichen Anzug wirkte der 52-Jährige wie der bemüht interessierte Teilnehmer einer Podiumsdiskussion. Mal tippte er auf seinem iPad herum, mal machte er sich Notizen. Der Inhalt des Plädoyers schien ihn mehr intellektuell als emotional zu fordern. Wenn er nicht gerade fingerfertig seinen Stift durch die Hand wandern liess, lagen seine Hände ruhig auf dem Tisch – bereit für ein Stossgebet.

Grund für Emotionen

Emotionen gab es von Jörg Kachelmann an diesem Tag höchstens in der Pause. Wenn er im Gespräch mit den Anwälten lächelte. Nicht zu viel, aber nicht zu wenig – ganz der Medienprofi, der er ist. Er hat lange genug selbst Boulevard-Journalismus gemacht, dass er weiss, dass er genau im Fokus steht. So blieb er selbst beim Antrag der Staatsanwaltschaft auf eine Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten bei seiner verkrampften Lockerheit. Dabei hätte er spätestens dann Grund für Emotionen gehabt.

Die Staatsanwaltschaft hat aus einer «besonders schweren Vergewaltigung» einen minder schweren Fall gemacht. Verteidiger Schwenn legte dies jedenfalls als Schwäche der Anklage aus und versprühte angesichts dessen bereits Enthusiasmus im Hinblick auf den kommenden Dienstag und sein Plädoyer (siehe Video). Wie unterschiedlich die Betrachtungsweisen in diesem Fall auch nach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft liegen, zeigt der Fakt, dass Alice Schwarzer die Strafmilderung einen «gelungenen Trick» findet,wie sie 20 Minuten Online am Rande des Prozesses sagte.

«Fünf Jahre wären zu viel gewesen», so Schwarzer, «mit der Berücksichtigung der strafmildernden Umstände und der beantragten Strafe hat die Staatsanwaltschaft einen Königsweg gefunden.» Die Autorin und Prozessbeobachterin ist jedenfalls nach dem Tag mindestens so zuversichtlich wie die Gegenseite gewesen. «Ich bin überzeugt, dass Jörg Kachelmann verurteilt wird.» Die Richter werden aber nach ihrer Meinung Milde walten lassen. «Das Gericht senkt das Strafmass bestimmt nochmals.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joey am 19.05.2011 07:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ungereimtheiten

    Meiner Meinung nach gibt es in diesem Fall viel zu viele Ungereimtheiten. Das Opfer verstrickt sich in Widersprüche und wirkliche Beweise existieren nicht. Es wurde ja schon mal gesagt, dass es nicht sicher ist, ob die Verletzungen des angeblichen Opfers tatsächlich von einer Vergewaltigung stammen, und am Messer, das er ihr angeblich an den Hals gehalten haben soll, wurden zu wenig Spuren von ihm gefunden. Angeblich hat er ja das Messer mit dem (Messer-) Rücken an ihren Hals gehalten - wie sollen denn da Schnittwunden entstehen?!

  • peter fehlmann am 18.05.2011 21:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schnee von gestern

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ganze Geschichte noch irgendjemanden interessiert. Das "Verkaufsdatum" ist abgelaufen...

  • V. Kachelt am 19.05.2011 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schon die Wahl des Verteidigers

    spricht doch Bände für Kachelmanns innere Bulldozer-Haltung. Blasiert vor der Presse über die anderen Prozessparteien herziehen... Glaubt er, er kann die noch weichkochen mit Hilfe der Presse? Spielt er schon auf Verlängerung? Hanseatenbonus? Oder was hat der für einen Joker im Ärmel?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dave t. W. am 19.05.2011 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizerischer Judikative

    Wäre das ganze in einem Schweizer Gericht abgehandelt worde hätte er 2 Monate Haft auf Bewährung bekommen und 10 Sozialhilfestunden.

    • Judy Plakative am 19.05.2011 17:22 Report Diesen Beitrag melden

      David's Copy-Paste

      wie schon weiter unten David S. mit genau gleichem Wortlaut sagt.

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  • Isabelle am 19.05.2011 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Verschmähte Liebe !!

    In solchen Fällen, sollte auch die Klägerin in U-Haft genommen werden, bis alle Missstände ausgeräumt sind. Dies wegen eventualvorsätzlichem Rufmord und Verleumdung. Während hier eine Vergewaltigung nicht im Geringsten zu beweisen ist, sieht es da im Gegenteil beim Rufmord und den Verleumdungen und eines klar erwiesenen Meineids der Klägerin ganz anders aus. Wo kommen wir denn da hin, wenn eine Behauptung genügt, und man sogleich für 3 Monate in Untersuchungshaft wandert, obwohl vorsätzlich und bewusst gelogen wurde. So was kann ganze Existenzen zerstören aus purer Eifersucht und Missgunst

    • Jacky M. am 19.05.2011 10:51 Report Diesen Beitrag melden

      @ Isabelle

      Es sieht leider sehr nach dem aus, was du sagst. Das "Opfer" hat immer nur zugeben, gelogen zu haben, wenn es Beweise gab. Kachelmann ist immer bei seiner Aussage geblieben. Mein Fall ist er nicht, das gebe ich zu - aber ihn deswegen zu verurteilen? Ich befürchte leider, dass das Gericht ihn schuldig sprechen wird, das die Richter ansonsten befürchten, das Gesicht zu verlieren.

    • D. Schütz am 19.05.2011 11:28 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Schuldspruch!

      Da immer noch Aussage gegen Aussage ist darf es keine Schuldspruch gebe! Im zweifel für den Angeklagten!

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  • Gobi am 19.05.2011 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Vorzeigegeschichte

    Die Vorzeigegeschichte wie man ein Leben eines Prominenten zerstören kann. Was wen er unschuldig ist? Wer gibt im sein altes Leben zurück? Image-Verlust ist nicht bezahlbar. Bravo..die deutschen Medien brauchen halt gute Geschichten um an Geld zu kommen.

  • V. Kachelt am 19.05.2011 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schon die Wahl des Verteidigers

    spricht doch Bände für Kachelmanns innere Bulldozer-Haltung. Blasiert vor der Presse über die anderen Prozessparteien herziehen... Glaubt er, er kann die noch weichkochen mit Hilfe der Presse? Spielt er schon auf Verlängerung? Hanseatenbonus? Oder was hat der für einen Joker im Ärmel?

    • jasmin am 19.05.2011 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      sie wissen wohl mehr als die gerichte

      woher wissen sie das kachelmann schuldig ist? ich weiss es nähmlich nicht das das urteil erst am 31.5 bekannt gegeben wird. oder ist bei ihnen einfach generell jeder schuldig? ich bin gespannt auf das urteil das ja noch gefällt werden muss weil noch nicht bewisen wurde das kachelmann das getan hat, was ihm vorgeworfen wird.

    • V. Kachelt am 19.05.2011 17:17 Report Diesen Beitrag melden

      @jasmin

      ich rede nur vom verteidiger kachelmanns. ein sehr merkwürdiges auftreten.

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  • Rodolfo am 19.05.2011 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Total verkommen.....

    Die deutsche Justiz verkommt zum totalen Kabarett und wird immer unglaubwürdiger. Wäre das zB. mit Otto Normalbürger passiert, wäre der Prozess in ein bis zwei Stunden abgehandelt worden. Aber hier braucht die Justiz noch eine Assistentin, namens Alice Schwarzer.