Visana

03. Juni 2015 12:07; Akt: 03.06.2015 14:54 Print

Versicherung muss auch Unfall von Praktikantin bezahlen

Eine Studentin verunfallte auf ihrem Arbeitsweg schwer. Die Visana weigerte sich zu bezahlen. Das Bundesgericht nennt ihren Einwand jetzt «nicht nachvollziehbar».

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Beschwerde abgeschmettert: Die Visana muss zahlen. (Bild: Keystone/Jürg Müller)

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Das Bundesgericht hat eine Beschwerde der Visana Versicherungen abgewiesen. Diese wollte nicht für die Kosten eines Velounfalls aufkommen, den eine Medizinstudentin auf dem Weg zur Hausarztpraxis erlitten hatte, wo sie ein Tutorat absolviert hatte.

Die junge Frau zog sich beim Sturz ein schweres Schädelhirntrauma zu. Die Visana als obligatorischer Unfallversicherer der Hausarztpraxis stellte sich auf den Standpunkt, dass die Studentin während ihres Tutorats nicht obligatorisch unfallversichert gewesen sei.

Gesetz gilt auch ohne schriftlichen Vertrag

In einem Grundsatzurteil zeigt das Bundesgericht klar auf, warum die Versicherung durchaus für die Unfallkosten aufkommen muss. So heisst es im Unfallversicherungsgesetz explizit, dass auch Lehrlinge, Praktikanten und Volontäre obligatorisch versichert sind.

Das sind sie auch in jenen Fällen, in denen kein schriftlicher Vertrag vorliegt und kein Salär bezahlt wird. Das Bundesgericht stuft die Betätigung der Studentin als vergleichbar mit einer Lehre, einem Volontariat beziehungsweise einer Schnupperlehre ein. Auch im letzten Fall gilt der Schnupperlehrling als unfallversichert.

Einwand «nicht nachvollziehbar»

Als «nicht nachvollziehbar» bezeichnet das Bundesgericht den Einwand der Visana, das Versicherungsobligatorium für Praktikanten und Volontäre erfasse nur Beschäftigte mit abgeschlossener Ausbildung. Das sei weder mit dem Sinn noch dem Zweck noch mit dem Wortlaut des Unfallversicherungsgesetzes vereinbar.

In der bisherigen Rechtssprechung gibt es zudem mehrere Fälle, mit denen der vorliegende vergleichbar ist. So hat das Bundesgericht beispielsweise entschieden, dass eine Volontärin an einer Universität, die ohne Arbeitsvertrag und Lohnvereinbarung für eine Forschungsprojekt in Afrika tätig war und dort mit einem Dienstfahrzeug schwer verunfallte, unter das obligatorische Versicherungsobligatorium fiel.

Ebenso ein Schnupperlehrling der SBB ohne Lohnanspruch im letzten Schuljahr, der bei einem schweren Stromunfall am ersten Arbeitstag schwer verletzt worden war.(Urteil 8C_116/2015 vom 05.05.2015)

(kko/sda)