Kantonale Initiativen

07. August 2015 08:11; Akt: 07.08.2015 10:32 Print

Versicherung soll für Zahnarzt-Besuch zahlen

Teure Zahnarztkosten nicht mehr selbst bezahlen? Diese Idee wird derzeit in mehreren Kantonen diskutiert. Auch national könnte das zum Thema werden.

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Der Zugang zur zahnärztlichen Versorgung soll für alle möglich sein. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Die Zahnreinigung für 150 Franken, eine Füllung für 200 Franken und die Porzellan-Krone für 1500 Franken: Die Rechnung nach dem Zahnarztbesuch ist selten günstig. Wer in der Schweiz keine Zusatzversicherung abgeschlossen hat, muss die Kosten selbst abdecken. Ausnahmen sind nur etwa bei Zahnunfällen oder bei gewissen Krankheiten vorgesehen.

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In verschiedenen Kantonen soll sich diese Praxis nun ändern. Linksparteien fordern eine Zahnarzt-Versicherung, die die Kosten von Basis-Behandlungen und jährlichen Kontrollen übernehmen soll. Im Kanton Neuenburg etwa kamen diese Woche die nötigen Unterschriften für eine Volksinitiative zustande. Vor einem Jahr bereits wurde ein entsprechendes Volksbegehren im Kanton Waadt lanciert und auch das Tessin nahm die Idee im Winter auf. Zu Diskussionen führte das Modell auch in den Kantonen Wallis, Genf und Zürich.

Grundgedanke hinter dem Vorschlag ist die Forderung nach einem «gleichberechtigten Zugang» aller zur zahnärztlichen Versorgung. Im Tessin sprechen die Initianten davon, dass sich rund 35 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz Zahnbehandlungen nicht leisten können. Finanziert werden soll die neue Versicherung durch eine Lohnabgabe von einem Prozent, geteilt von Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Wegen hoher Kosten nicht zum Zahnarzt

Das kantonale Anliegen ist nicht neu, fand auf nationaler Ebene bis anhin aber kein Gehör. Laut Juso-Präsident Fabian Molina könnte das kantonale Engagement nun den Druck schweizweit erhöhen. Sollte die Initiative in den Kantonen auf Zustimmung stossen, will sich Molina auch national für eine Lösung einsetzen. «Schöne Zähne dürfen kein Privileg von Reichen sein.»

SP-Gesundheitspolitikerin Bea Heim steht der Schaffung einer eigenen Dentalversicherung zwar skeptisch gegenüber. Zahnbehandlungen, die gesundheitsbedingt nötig sind, sollten laut Heim aber vom Krankenversicherungsgesetz (KVG) übernommen werden. Auch regelmässige präventive Zahnkontrollen möchte die SP-Nationalrätin dem KVG unterstellen. «Vielen Menschen, vor allem auch Jungen, fehlen die finanziellen Mittel für Zahnbehandlungen, so dass sie aus Angst vor hohen Rechnungen gar nicht erst zum Zahnarzt gehen.» Prävention aber sei wichtig, vor allem bei Kindern. «Ein Bleaching der Zähne hingegen soll sicher nicht von der Versicherung bezahlt werden.»

Kostenexplosion erwartet

Als «Unsinn» bezeichnet GLP-Nationalrätin und Patientenschützerin Margrit Kessler die Forderung. Die Menschen in der Schweiz hätten im Vergleich zum Ausland sehr gute Zähne, «gerade weil sie die teuren Zahnarztkosten selbst bezahlen müssen». Es liege in der Verantwortung jedes Einzelnen, seinen Zähnen Sorge zu tragen. Kessler ist überzeugt, dass eine obligatorische Krankenversicherung zu einer erheblichen Verschlechterung der Zahngesundheit und damit zu massiven Mehrkosten führen würde.

Dieser Meinung ist auch Marco Tackenberg, Sprecher der Schweizerischen Zahnärztegesellschaft SSO. Laut Zahlen des Verbands fielen 2012 rund 5,7 Prozent (3,88 Milliarden Franken) der Gesundheitskosen auf Zahnbehandlungen. Eine Zahl, die durch die Einführung einer Zahnversicherung massiv ansteigen würde, ist er überzeugt. Berechnungen für Waadt beziffern die Mehrkosten alleine für diesen Kanton auf 250 bis 300 Millionen Franken. «Bluten müsste schlussendlich der Mittelstand in Form von höheren Prämien.» Glaubt man einer Schätzung des Krankenkassenverbands Santésuisse, würden diese um rund 13 Prozent ansteigen. «Es kann nicht sein, dass wir nach dem Giesskannenprinzip die Kosten auf alle verteilen», sagt Tackenberg. Menschen in finanziellen Nöten könnten bereits heute entsprechende Finanzierungshilfen beanspruchen.

Aufgrund des Kostendrucks glaubt denn auch Yvonne Gilli (Grüne) nicht, dass das Anliegen jemals mehrheitsfähig wird. «Die Sozialhilfe steht unter Druck, die IV und AHV sind nicht ausfinanziert und wir haben ein Prämienproblem bei der Krankenversicherung. Ich frage mich wirklich, wer hier freiwillig einen weiteren Kostenbrocken dazustellen will.»

(sma/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • maico am 07.08.2015 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Aktueller Fall

    Ich hab tief im Kiefer verwachsene Weisheitszähne. Einer drückt jetzt auf die anderen Zähne, hat eine Entzündung verursacht und ich habe brutale Schmerzen. Eine Operation kostet mehr als ich mir als Familienvater einfach so leisten kann. Die Groupe Mutuel wie auch andere KK sehen das nicht als in Ihrer Verantwortung liegend, da die gesetzliche Grundlage fehlt. Unsere Behörden haben in solchen Fällen einfach wieder versagt, oder will mir hier irgend jemand weis machen, das sei selbst verschuldet? Über Eigenverantwortung bei Karies lässt sich ja reden, aber nicht um operative Behandlungen.

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  • G.Furter am 07.08.2015 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Ich möchte mich hier nicht als Befürworter, oder als Gegner "outen", jedoch ist dieser Satz sehr schwach: "Es liege in der Verantwortung jedes Einzelnen, seinen Zähnen Sorge zu tragen". Das kann man genau so gut jedem Krebspatienten, oder anderen sagen.... Es geht hier eigentlich nur um die Kosten.

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  • Karl am 07.08.2015 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schonlange überfällig

    Ein Witz das Zahnbehandlungen nicht von der KK gedeckt sind. Viele Krankheiten entstehen oder haben ihren Ursprung im Mund. Wenn aus Kostengründen keine Kontrollen und Behandlungen durchgeführ twerden. Wird es einfach nur noch schlimmer. Bis es dann so schlimm wird das es ein Gesundheitsrisiko ist. Und dann muss die KK sowieso bezahlen und zwar viel höhere Rechnungen. Eigentlich gehört der Zahnarzt in die Grundversorgung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Goali69 am 08.08.2015 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wird zeit

    in deutschland funktionierts auch! und dort wird die regelmässige zahnpflege belohnt durch höhere kostenübernahme, womit auch die sorgfallt jedes einzelnen bestehen bleibt ich wäre auch bereit eine zusatzversicherung abzuschliessen, aber die hier in der schweiz sind ein witz, teuer und unbrauchbar

  • ellen am 08.08.2015 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    privatsache

    NEIN DANKE ich bin alleinstehen, gehe alle halbe Jahre zur Kontrolle/DH, wiso soll ich für Kinderzahnspangen etc mitbezahlen?? das sollen sich Eltern vorher überlegen!! Zahnarzt Versicherung ist Privatsache!!

  • Seefahrer am 08.08.2015 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haare färben

    Naja, dann können wir gleich noch das Haare färben, Schönheitschirugische Eingriffe , Besuch im Nagelstudio usw. auch noch mitfinanzieren. Viele Menschen sind sich nicht Bewusst, dass sie ein Lebenlang in und mit ihrem Körper leben müssen, geben sich aber keine Mühe sich darum zu sorgen. Nehmt euch mehr Zeit für eure Körperpflege und nicht für das Handy. Vorbeugen ist alleweil günstiger. Zudem kostet eine Zahnzusatzversicherung nicht sehr viel. Können sich die meisten leisten, dann kann man auch ein wenig mit dem Rauchen und Trinken zurück stecken, ist gesünder und günstiger.

  • Raffael N. am 08.08.2015 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Wenn die Zahnbehandlung durch die obl. Grundversicherung bezahlt werden muss, muss unbedingt ein Kostenlimit von z.B. 500.-/Jahr eingeführt werden. Was darüber ist, zahlt der Patient selber. Heute hat jeder für jeden Schrott genügend Geld, sobald es um die Gesundheit geht, wird gejammert und geknausert. Ich habe selbstverschuldet schlechte Zähne und deshalb oft Löcher. Wieso soll das die Allgemeinheit zahlen? Sehe ich nicht ein. Die jährlichen Kosten von 1'000.- spare ich mir selbst an, habe mir den Schaden auch selbst verschuldet. Wer wenig verdient, zahlt dank Prämienverbilligung 0 Fr. KK!

    • Einsicht! am 08.08.2015 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Raffael:

      Wie, super, dass sie zumindest die Einsicht haben, dass sie das "Gebiss" vernachlässigt haben und nicht die Allgemeinheit. Dass Ihnen, wenn nötig, die Prämien erlassen werden für die Grundversicherung, ist bei berechtigten Fällen auch ok! Einsicht wäre oftmals die Chance etwas NEU die Sache anzugehen??? VIEL GLÜCK

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  • Rolf S. am 08.08.2015 00:06 Report Diesen Beitrag melden

    Gut, sonst Versicherungen abschaffen!

    KK sollen Kosten übernehmen UND die Zahnärzte scharf kontrollieren müssen! Jetzt macht jeder was er will und mit Zahnschmerzen muss man nunmal zu ihnen. Sonst riskiert man Folgeschäden, welche KK heute übernehmen müssen. Nur wird es halt extrem schmerzhaft, extrem teuer und extrem mühsam(z.B. Kieferoperationen)! PS: Wenn jemand auch hier "Eigenverantwortung" verlangt, dann können wir das Versicherungssystem gleich ganz abschaffen und jeder soll alles selbst bezahlen(Krebs, Bruch, Sturz, Fettleibigkeit, Unfall, Alkoholschäden, Raucher, "Sportler"...)!

    • marie am 08.08.2015 17:11 Report Diesen Beitrag melden

      an rolf

      soviel ich weiss zahlt die kk sobald es um eine op geht....löcher und co sind für mich deutlich eigenverschilden...da hab ich ehrlich gesagt keine lust für andere mitzubezahlen.

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