Petition

11. März 2019 05:37; Akt: 11.03.2019 05:37 Print

Schweizer protestieren gegen «Gender-Unfug»

Deutsche Intellektuelle warnen vor der Verunstaltung der Sprache durch «Gender-Unfug». Die Kritik findet auch in der Schweiz Anklang.

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Die Versicherung Swiss Re verbietet das männliche Pronomen «er», die Uni Bern empfiehlt in einem Sprachleitfaden für wissenschaftliche Texte die Verwendung des Gender-Gap (Professor_Innen), und Genderforscher setzen sich für geschlechterneutrale Endungen mit Sternchen ein. Für die Befürworter dieser Anpassungen ist klar: Die Sprache bestimmt unser Denken und Handeln, solange sie nicht alle Personen einschliesst, zementiert sie Ausgrenzungen.

In Deutschland regt sich gegen die gendergerechte Sprache Widerstand. Bereits rund 30'000 Personen haben eine Petition des Vereins Deutsche Sprache gegen den «Gender-Unfug» unterzeichnet. Die «zerstörerischen Eingriffe» in die deutsche Sprache basierten auf einem «Generalirrtum» und bewirkten nichts für die Gleichstellung, heisst es in der Petition (Kritikpunkte im Detail siehe Box).

Zu den Unterzeichnern gehören deutsche Schriftsteller, Lyriker oder auch der bekannte Journalismus-Ausbildner Wolf Schneider. Auch der Schweizer Ableger des Vereins wirbt auf Facebook für das Anliegen. Unterschrieben haben bereits SVP-Nationalrat Claudio Zanetti und Unternehmer Werner Kieser.

Im Pro und Kontra streiten ein Sprachwissenschaftler und eine Feministin über Sinn und Unsinn der Petition.

Pro: «Die Sprache verliert wichtige Funktionen»

Jürg Niederhauser, Vizepräsident des Schweizerischen Vereins für die deutsche Sprache und Sprachwissenschaftler, teilt ein paar Bedenken der Petitionäre, nicht jedoch ihren Absolutheitsanspruch. Natürlich solle die Sprache alle mit einschliessen. Bei einer Anrede, in einem Stelleninserat oder einem Reglement sei die Nennung beider Geschlechter selbstverständlich.

Etliche Vorschläge für gendergerechten Sprachgebrauch seien jedoch nicht praktikabel und beraubten die deutsche Sprache wichtiger Funktionen, sagt Niederhauser. «Der Begriff ‹Lernende› bezeichnet eigentlich Personen, die gerade in diesem Moment am Lernen sind, nicht Personen, die eine bestimmte Berufslehre machen.»

Die Gendersternchen oder der Gender-Gap seien zudem nicht nur unschön, sondern hemmten den Lesefluss und machten das Schreiben und Lesen unnötig kompliziert, sagt Niederhauser. Es brauche Vorschläge, die auch im Sprachalltag praktikabel seien. «Man kann in der Hektik des Berufsalltags nicht über ein korrekt gegendertes Wort stundenlang brüten.» Bis sich brauchbare Vorschläge durchsetzen, empfiehlt Niederhauser das generische Maskulinum zu umgehen, indem man beide Formen nennt oder zwischen weiblicher und männlicher Form abwechselt.

Kontra: «Frauen sind eben nicht mitgemeint»

Anna Rosenwasser von der Lesbenorganisation LOS ortet bei den Petitionären verschiedene Denkfehler. Sie habe Verständnis dafür, dass sich viele durch die Veränderung der Sprache angegriffen fühlten. «Sprache ist Teil unseres Alltags und unserer Identität – es ist klar, dass sie aufregt.» Doch Sprache sei kein Museum, sie verändere sich ständig. Für sie ist klar: Belasse man die Sprache so, wie sie sei, würden Frauen und weitere Geschlechter selten mitgedacht.

Das Argument, dass zwischen grammatischem und biologischem Geschlecht kein Zusammenhang bestehe, findet Rosenwasser «recht schwach»: Verschiedene Studien hätten gezeigt, dass man eben die Frauen nicht mitmeine, wenn man etwa «Schauspieler» sage oder schreibe. Auch «lächerliche Sprachgebilde» kann Rosenwasser nicht ausmachen: Sie findet den Gender-Gap oder den Stern ästhetisch. «Auch ein neues Wort wie ‹Selfie› war zuerst ungewohnt, jetzt ist es etabliert und niemand stört sich daran.»

Sie spricht sich auch dafür aus, in der mündlichen Kommunikation entweder zwischen männlichen und weiblichen Formen abzuwechseln. «Und Mutige können dort, wo das Sternchen stehen würde, beim Reden eine Pause machen.»

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Szenekenner am 11.03.2019 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung ja, aber...

    Ich glaube kein gesunder Mann ist gegen die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Aber was hier seit 1-2 Jahren abgeht punkto "Gender-Neutralität", #Meetoo und Feministinnen, die allen Männern den Krieg erklären ist einfach absolut übertrieben und lächerlich. "Mann" kann es einfach nicht mehr hören!

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  • Marcel Pommereit am 11.03.2019 05:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Wenn das alles nicht zum heulen wäre, müsste man eigentlich darüber lachen. So ein ausgemachter Schwachsinn..

  • Dänuz am 11.03.2019 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die Genderwahnsinnig*en/innen

    .. und ich bin weiterhin mutig, mich nicht nach Neusprach auszudrücken

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Slimanous am 12.03.2019 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Probleme..

    Einst dachte man an fliegende Autos bis 2020, jetzt müssen wir unsere Sprache anpassen, weil sich einige ausgegrenzt fühlen... Ich werde jedenfalls nicht auf den Zug aufspringen... Gleichsetzung hat doch nichts mit der Sprache zu tun... Wer sich ausgegrenzt fühlt hat doch schon von sich aus Probleme mit sich selbst oder der Umwelt...

  • Rose Jenni am 12.03.2019 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    LE soleil, DIE Sonne

    Wenn ich von Geschöpfen reden will, dann meine ich eben Geschöpfe und dabei ist es völlig irrelevant, bzw. mit wenigen Ausnahmen selbstverständlich, das Geschöpfe sich vermehren und zu diesem Zweck die meisten Geschöpfe auch unterschiedliche körperliche Geschlechtsmerkmale aufweisen. Das ist allegemein bekannt! Was hat das aber mit unserer Sprache zu tun? Die Franzosen sagen 'le soleil', im Deutschen sagen wir 'die Sonne', na und? Das sind zwei unterschiedliche Sprachen, das ist alles. Vermehrt sich die Sonne etwa, dass es eine weibliche und eine männliche Sonne bräuchte. Was für ein Unsinn!

  • Thomas am 12.03.2019 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Weitere Geschlechter?!

    Ein weiteres Geschlecht als Mann oder Frau. Was soll denn das sein? Eine Transgender-Frau will doch auch als "echte" Frau anerkannt werden und nicht als "weiteres Geschlecht". Mit dieser Sprachregelung schaffen wir Diskriminierung nicht ab. Wir führen sie in den Sprachgebrauch ein. Wieso sonst sollte zwischen Transgender-Mann/Frau und normalen Männer und Frauen unterschieden werden? Ist doch wieder mal kompletter Unsinn - ausgedacht von weltfremden Studierten.

    • Rose Jenni am 12.03.2019 18:18 Report Diesen Beitrag melden

      Wozu?

      So ist es! Wenn z.B. ein Japaner oder eine Japanerin ein Buch geschrieben haben, kannst du den Autoren nicht dem Namen nach als Mann oder Frau identifizieren. Er oder sie müssten dies selbst den Lesern offenbaren, wenn sie möchten, dass der Leser das weiss. Wozu müsste der Leser das wissen?

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  • Nik G. am 12.03.2019 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Jammern

    Ja ihr armen alten eingessenen. Sprache hat sich immer geändert und wird sich immer ändern. Ob ihr es wollt oder nicht die Deutsche Sprache ändert sich was sehr gut ist. Im Englischen gibt es zum Beispiel kein männlich oder weiblich. Es ist einfach nur "the" Die die jammern sind die alten Männer und ein paar die sich von ihrem Gejammer anstecken lassen.

    • Rose Jenni am 12.03.2019 18:30 Report Diesen Beitrag melden

      Mensch war/ist immer männl. +. weibl.

      Ich möchte nicht, dass man jedes Jahr einen neuen Duden herausgibt, wie ein neues Telefonbuch, weil sich wirre Verirrte an der Sprache vergreifen, die sich gar nicht so sehr verändert hat, bis diese Banausen mit ihren sexistischen Hirngespinsten aufgetaucht sind. DAS ist SEXISMUS, wenn man alles nur noch durch die Brille seiner eigenen Sexualität sieht, anstatt den Menschen als Ganzes, als Geschöpf. Wenn ich von Pferden sprechen, dann spreche ich allgemein von Pferden, wenn es im Thema gerade nicht darauf ankommt, ob es Stuten oder Hengste sind, so auch von Menschen! Worauf kommt es an?

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  • Fritz the cat am 12.03.2019 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Geschlechter??

    Für sie ist klar: Belasse man die Sprache so, wie sie sei, würden Frauen und weitere Geschlechter selten mitgedacht. Es gibt Frauen und Männer!!! alles andere sind keine Geschlechter.