Nach Tod von Bruno R.

14. August 2019 10:33; Akt: 14.08.2019 14:31 Print

Einklemmvideo kursiert bei SBB-Zugbegleitern

Auf Facebook geht ein Video eines SBB-Zugbegleiters viral. Es zeigt einen Mann, der seinen Arm bewusst in eine Zugtür steckt.

Dieses Video ist zurzeit auf Facebook-Profilen diverser Zugbegleiter zu sehen. (Quelle: Facebook)
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Der Tod von Zugbegleiter Bruno R.* vor mehr als einer Woche schockierte die Schweiz. Der 54-Jährige wurde am 4. August in einer Tür eines Interegio-Zuges eingeklemmt und mitgeschleift. Er erlag seinen schweren Verletzungen.

Zurzeit kursiert ein Video auf Facebook-Profilen diverser Zugbegleiter. Mehrere Medien, darunter SRF, haben es gezeigt. Es soll die nicht vorhandene Zuverlässigkeit des Einklemmschutzes zeigen. Auf der zehnsekündigen Aufnahme ist zu sehen, wie ein Mann seinen rechten Arm in die Öffnung einer Zugtür hält. Anschliessend wird die Tür manuell geschlossen. Der Arm wird eingeklemmt, doch die Tür bleibt geschlossen. Erst als der Mann die Tür wieder manuell öffnet, kann er seinen Arm herausziehen.

«Müsste im Normalfall funktionieren»

Die SBB kritisierte das Video schon am Montag gegenüber 20 Minuten: Ein Sprecher sieht im Video den «Versuch, die Öffentlichkeit falsch zu informieren und zu verunsichern». Die Wagentür werde im Video offensichtlich von Hand zugedrückt, wodurch die Schutzmechanismen «absichtlich» ausser Kraft gesetzt würden.

An einer Medienveranstaltung vom Mittwoch sagte Martin Fischer, Leiter Serviceanlagen Ost bei der SBB, im Video sehe man eine Manipulation, die im normalen Betrieb nicht vorkomme. «Wird eine Türe von Hand zugeschoben, kann es sein, dass der Einklemmschutz nicht funktioniert», so Fischer. Zudem sei auf dem Video auch nicht ersichtlich, ob der Einklemmschutz deaktiviert worden sei.

«Müsste funktionieren»

Auch der Zentralpräsident des Zugpersonalverbandes, Andreas Menet, betont, das Video widerspiegle nicht den Schliessprozess. «Im Normalfall müsste der Einklemmschutz funktionieren.» Das Video zeige aber, dass es grundsätzlich möglich sei, die Hand einzuklemmen.

Die SBB teilte nach dem Unglück mit, die Abfertigungsprozesse sofort zu überprüfen. Die Wagentüren des entsprechenden Zugtyps würden einer vertieften Nachkontrolle unterzogen. «Die SBB unternimmt alles, um zusammen mit den untersuchenden Stellen diesen tragischen Unfall aufzuklären und eine Wiederholung auszuschliessen», sagte SBB-Sprecher Raffael Hirt zu 20 Minuten.

* Name der Redaktion bekannt

(fss)