Tamedia-Nachbefragung

06. Juni 2016 17:28; Akt: 06.06.2016 18:12 Print

Viele Hausfrauen sind für das Grundeinkommen

von J. Büchi - Wer hat am Sonntag wie gestimmt? Die Tamedia-Nachbefragung mit 13'000 Teilnehmern zeigt es.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wäre es nur nach den Wählern der Grünen gegangen, wäre den Grundeinkommen-Initianten am Sonntag die Revolution geglückt: 54 Prozent von ihnen haben ein Ja eingelegt, wie die Tamedia-Nachbefragung mit rund 13’000 Teilnehmern zeigt. Auch bei den SP-Wählern war die Zustimmung mit 43 Prozent hoch. Am wenigsten konnten freisinnige Stimmbürger mit der Idee anfangen, nur acht Prozent von ihnen votierten dafür. In der Stadt (31% Ja) fand das Anliegen im Schnitt zehn Prozent mehr Unterstützung als auf dem Land oder in der Agglomeration.

Bemerkenswerte Unterschiede zeigen sich je nach Jobsituation: Am höchsten fielen die Sympathien für das Anliegen bei Arbeitslosen aus (45% Ja). Auch Teilzeitarbeitende sowie Hausfrauen und -männer stimmten überdurchschnittlich oft für die Initiative (30 respektive 29% Ja). Während Pensionierte das Begehren deutlich verwarfen, fand es in der Altersgruppe der 35- bis 49-Jährigen am meisten Zuspruch.

Die Daten decken sich mit den Beobachtungen von Soziologieprofessor Ueli Mäder. Der erklärte Befürworter des Grundeinkommens sagt, in unserer Gesellschaft bestehe eine «sehr einseitige Orientierung in Richtung Erwerbsarbeit». «Wer den Ansprüchen des Arbeitsmarkts nicht genügt, wird stigmatisiert und steht schnell im Abseits.» Ja stimmende Arbeitslose und Hausfrauen hätten sich vom bedingungslosen Grundeinkommen wohl eine andere Weichenstellung erhofft. «Teilzeitarbeitende erleben zudem schon heute, wie sinnstiftend ein Engagement sein kann, das nicht nur auf den Job ausgerichtet ist.» Bei ihnen dürfte der Wunsch im Vordergrund gestanden sein, auch anderen Menschen ein solches Leben zu ermöglichen, sagt Mäder.

ÖV-Nutzer gegen Service-public-Initiative

Auch bei den anderen Abstimmungen vom Sonntag zeigen sich Unterschiede je nach Bevölkerungsgruppe. Junge, gut Ausgebildete und gut Verdienende stimmten am häufigsten für das neue Asylgesetz. 70 Prozent der 18- bis 34-Jährigen stimmten dafür. Wer einen Uni- oder Fachhochschulabschluss in der Tasche hat, legte gar mit 83-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein Ja zur Revision ein. Auch das Vertrauen in den Bundesrat beeinflusste das Stimmverhalten stark.

Umgekehrt verhält es sich bei der Milchkuh-Initiative. Nur 18 Prozent der Akademiker stimmten für das Anliegen, das alle Einnahmen der Mineralölsteuer wieder in die Strasse investieren wollte. Bei Personen mit einer abgeschlossenen Berufslehre sagten 34 Prozent Ja. Nicht nur linke Stimmbürger verwarfen die Initiative, auch CVP- und FDP-Wähler votierten grossmehrheitlich dagegen. Die Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen, die die Umfrage im Auftrag der Tamedia durchgeführt haben, sehen darin einen Hauptgrund für das schlechte Abschneiden der Initiative.

Die Service-public-Initiative schliesslich fand bei den SVP-Wählern mit 48 Prozent Ja-Stimmen die höchste Zustimmung. Ältere Stimmbürger waren eher dafür als Junge. Interessant: Personen, die den ÖV selten benützen, stimmten eher Ja als regelmässige Pendler. 73 Prozent der Personen, die täglich mit Bus, Tram oder Bahn unterwegs sind, sagten Nein. Umgekehrt fand die Milchkuh-Initiative auch bei Bürgern, die täglich Autofahren, keine Mehrheit.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan M. am 06.06.2016 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich etwas falsch?

    Im Titel steht, dass Hausfrauen für das BGE gewesen seien. Aber im Artikel steht dann, dass 29% der befragten Hausfrauen dafür gestimmt hätten. Ich habe ja nicht viel Ahnung von Statistik, aber dass 29% definitiv nicht die Mehrheit ist weiss ich dann doch noch.

    einklappen einklappen
  • Anni am 06.06.2016 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Naja wenigstens die Hausfrauen sollten wissen, dass das Geld nicht auf den Bäumen wächst. Von den Grünen ist man ja gewohnt, dass sie mit fremdem Geld sehr grosszügig umgehen.

  • C-women am 06.06.2016 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hohe Bewerberquote!

    Ich bewerbe mich seit 1.5 Jahren! Der Bewerbungsordner platzt! Jedes Mal wenn ich unter die ersten 4 komme nach einer Bewerbung habe ich ca. 450 Mitbewerber! Sorry, zaubern kann ich auch nicht und würde zu gerne arbeiten!!!!!!!!!!! Bürolehre, 50 % !!!!!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • TripleSeven am 07.06.2016 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    Geht arbeiten und hört auf zu heulen. Kein grundeinkommen! Super!

  • Bea am 06.06.2016 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ich hätte aufgehört zu arbeiten, so würden es auch andere machen. Wieso Teilzeitarbeiten gehen, wenn ich das Grundeinkommen habe...

  • S.N. am 06.06.2016 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für Hausfrauen/männer mit Lehre

    Mein Vorschlag: Ein Grundeinkommen für Hausfrauen/Hausmänner welche eine Lehre abgeschlossen und auch gearbeitet haben. Man könnte dann auch bestimmt 1-2 Tage die Woche arbeiten und die Kinder einer Tagesmutter oder Oma, Opa, wer auch immer, überlassen.

  • R. L. am 06.06.2016 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist wichtig

    Neue Berufsgatung "Hausfrau" 100 % / 70 % /50 % / 30 % Arbeitgeber die Schweiz Die Hausfrau oder der Hausmann solten einen Lohn von 4500.00 ch erhalten.

  • MacFly am 06.06.2016 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut gewesen

    Waere die sache aber anstatt was zu bekommen zahlen wir lieber brav rechnungen freude herrscht