Studie zeigt

29. April 2013 07:15; Akt: 29.04.2013 10:11 Print

Viele Schweizer fühlen sich vom Islam bedroht

Laut einer repräsentativen Studie finden 58 Prozent der Schweizer, dass der Islam nicht hierher passt. Gemäss Experten haben die Schweizer primär Angst vor dem Islamismus.

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Jeder zweite Schweizer hält den Islam für eine Bedrohung. Dies zeigt eine repräsentative Studie, die im Auftrag der deutschen Bertelsmann Stiftung gemacht wurde. Satte 58 Prozent finden sogar, dass der Islam und die westliche Welt nicht zusammen passen. Nur in Spanien ist die Skepsis mit 65 Prozent noch grösser. Neben der Schweiz wurden in 12 weiteren anderen Ländern umfangreiche Daten für die Studie zur gesellschaftlichen Bedeutung von Religion erhoben.

Insgesamt fällt in der Bertelsmann-Studie auf, dass die Ablehnung des Islam ein Phänomen der westlichen Welt zu sein scheint. So fühlen sich die Menschen auch in Spanien (60 Prozent), den USA (42 Prozent), in Deutschland (51 Prozent) sowie in Israel (76 Prozent) vom Islam bedroht. Nach Gründen wurde in der Studie nicht gefragt.

Für den Schweizer Islamwissenschaftler Andreas Tunger-Zanetti von der Universität Luzern ist das Ergebnis der Bertelsmann-Stiftung wenig überraschend. «Immer dort, wo wenig Kontakt zu anderen Religionen und Kulturen stattfindet, ist die Ablehnung am grössten.» So sei die Optik auf den Islam in der Schweiz eben mehrheitlich durch die Medien geprägt und nicht durch den persönlichen Kontakt. Aber auch die Kampagne zur Anti-Minarett-Initiative habe wesentlich dazu beigetragen, dass sich in der Schweiz ein negatives Klischee-Bild des Islam verfestigte. Gemäss Tunger-Zanetti haben die meisten Muslime in der Schweiz die gleiche Haltung zu westlichen Werten und zur Demokratie wie Christen.

Angst vor dem Islamismus

Dass die Schweizer Angst vom dem Islam haben, hat gemäss Saida Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam folgende Gründe: «Die Schweizerinnen und Schweizer haben Angst vor dem Islamismus, nicht vor der Religion an sich.» Leider würde man beides immer wieder verwechseln. Gerade Medienberichte wie zum Beispiel über den Attentäter in Boston würden nur den Missbrauch der Religion für politische Zwecke zeigen. Dass aber ausgerechnet in der Schweiz die Ablehnung ausgesprochen hoch ist, kann Keller-Messahli nur bedingt nachvollziehen. «In der Schweiz leben knapp 400'000 Muslime. Die Mehrheit stammt aus dem Balkan sowie aus der Türkei, also von Orten, in denen der Islamismus keine grosse Rolle spielt.» Die Schweiz sei aber auch ein kleines Land, in dem schnell etwas bedrohlich wirke.

Zum negativen Bild des Islam würden aber auch viele Muslime selber beitragen, welche den Koran nicht als historische Schrift aus dem 7. Jahrhundert verstehen, die es zu interpretieren und zu hinterfragen gelte. «Oft halten sie an Bräuche und Traditionen fest, welche nichts mit dem Koran zu tun haben.» In diesem Zusammenhang käme es zu Konflikten zwischen dem Islam und den Werten einer demokratischen Gesellschaft.

Politiker müssen nicht an Gott glauben

Die Bertelsmann-Studie zeigt aber nicht nur interessante Zahlen in Bezug auf den Islam. So zeigen sich 81 Prozent der Schweizer offen gegenüber anderen Religionen. 53 Prozent empfinden religiöse Vielfalt als eine Bereicherung. Doch 64 Prozent sehen Religion auch als Ursache für Konflikte. Für 80 Prozent der Schweizer ist es wichtig, dass religiöse Vertreter keinen Einfluss auf Entscheidungen der Regierung nehmen. Gar 88 Prozent finden, dass Politiker nicht an Gott glauben müssen, damit sie ein öffentliches Amt ausüben dürfen. Und etwas mehr als die Hälfte der Schweizer (57 Prozent) bezeichnen sich als mittel, ziemlich oder sehr religiös.

(bat)