20. April 2005 21:14; Akt: 20.04.2005 21:14 Print

Volkspflege-Versicherung ab 50 Jahren

Personen ab 50 Jahren sollen im Monat 158 Franken für eine Volkspflege-Versicherung zahlen.

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Die jüngere Generation in der obligatorischen Krankenversicherung würde dafür entlastet. Dieses Modell schlagen die kleinen und mittleren Krankenversicherer vor.

Der drohende Vermögensverzehr bei Pflegebedürftigkeit im Alter müsse auf ein «sinnvolles Mass» reduziert werden, hiess es am Mittwoch an einer Medienkonferenz der RVK, der Dachorganisation kleiner und mittlerer Krankenkassen, in Bern. Sie präsentiert das Modell der eigenständigen obligatorischen Volkspflege-Versicherung.

Der Zusatzprämie für die Pflegeversicherung von 158 Franken pro Monat ab dem 50. Altersjahr stünde für alle Versicherten in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung eine Entlastung von 25 Franken pro Monat gegenüber. Leute ab 50 müssten also netto mit einer monatlichen Mehrbelastung von 133 Franken rechnen.

Junge und Einkommensschwache entlasten

Damit würde die Gruppe ab 50 einen Beitrag zur Entlastung vor allem der jungen und einkommensschwachen Familien leisten, hiess es weiter. So würde eine neue Solidarität zwischen den Generationen entstehen und die häusliche Pflege gefördert.

RVK-Präsident Charles Giroud sagte, die Finanzierung der Pflege ab dem 50. Altersjahr entwickle sich mehr und mehr zum Grossrisiko für jeden Bürger und jede Bürgerin. Die steigende Lebenserwartung, die demographische Entwicklung und die materielle Kluft zwischen den Generationen verlange eine neue Solidarität zwischen jung und alt.

Das Modell wurde in Zusammenarbeit mit Bernd Schips, Leiter der Konjunkturforschungsstelle der ETH, entwickelt. Das aktuelle System bestrafe die Sparsamen, weil die Pflege als Privatsache bezeichnet werde, sagte Schips. Der Vermögensverzehr zur Finanzierung der Pflege belaste die Betroffenen, ihre Familien und ihr Umfeld.

Im Ausgabenumlageverfahren

Die Volkspflege-Versicherung soll analog der AHV über das Ausgabenumlageverfahren finanziert werden. Versichert wären ab dem 181. Tag die Kosten für Langzeitpflege und Betreuung in Heimen (ohne Pensionskosten) sowie für Spitex-Dienste. Häusliche Pflege würde gefördert und ebenfalls entlöhnt.

Die RVK ist die Dachorganisation von 49 kleineren und mittleren Krankenversicherern und zählt über 800 000 Versicherte. Sie stellt ihr Modell am Forum der sozialen Krankenversicherung am 12. Mai in Zürich den Experten vor. Zum Modell werden sich dabei unter anderen das Bundesamt für Gesundheitswesen und der Spitex-Verband äussern.

Die Pflegekosten pro Versicherte haben sich seit der Einführung des KVG im Jahre 1996 mehr als verdoppelt. Sie beliefen sich 2003 auf 1,8 Milliarden Franken. Vorschläge für eine Pflegeversicherung hat es über die Jahre bereits mehrere gegeben.

RVK versus Couchepin

Das Modell der RVK steht den jüngsten Vorstössen von Bundesrat Pascal Couchepin gegenüber. Er schlägt in einer Botschaft von Mitte Februar vor, die obligatorische Krankenpflegeversicherung solle vermehrt nur noch krankheitsbedingte Leistungen vergüten.

Die Behandlungspflege ginge künftig ganz zu ihren Lasten, während sie an die Grundpflege nur einen Beitrag leisten müsste. Die Kantone und die Pflegebedürftigen dürften mit dieser Neuerung stärker belastet werden.

Konsumentenschützerin dagegen

«Dieses Modell ist abstrus und unsozial», wettert Konsumentenschützerin Jacqueline Bachmann. Es verstosse gegen das Solidaritätsprinzip der Sozialversicherungen.

Bachmann: «Die Versicherten haben langsam die Nase voll, immer diejenigen zu sein, die mehr blechen sollen.»

(SDA/csr)