«Klassenwechsel im Spital»

17. August 2008 17:36; Akt: 17.08.2008 17:50 Print

Vom Chefarzt sofort operiert werden

Das Kantonsspital Aarau (KSA) bietet Patienten mit einer Grundversicherung an, sich gegen Aufpreis wie Privatpatienten behandeln zu lassen. So wird man schneller und vom Chefarzt operiert. Gesundheitsminister Pascal Couchepin will diese Praxis überprüfen lassen.

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Ob sich Patienten bei Wahleingriffen mit dem Angebot auch eine schneller Behandlung erkaufen könnten, werde intern abgeklärt, sagte Philip Funk, Präsident des Verwaltungsrates des KSA, auf Anfrage zu einem Bericht des «Sonntags».

Die Zeitung hatte von einem entsprechenden Fall berichtet. Das KSA soll einem Patienten mit Hüftproblemen angeboten haben, für einen Aufpreis von 4000 Franken schneller und durch Chefarzt operiert zu werden.

Mit dem Programm «Hospitality» wirbt das KSA seit 2006 um grundversicherte Patienten, die gegen Bezahlung aus eigener Tasche in einem Einzelzimmer liegen und den Arzt frei wählen wollen. Das KSA vermarktet das Angebot als «Komfortleistungen» und «individuellen Service».

Couchepin will Angebot prüfen lassen

Gesundheitsminister Pascal Couchepin will das Programm des KSA und ein ähnliches Angebot des Kantonsspitals St. Gallen prüfen lassen. Geklärt werden soll, ob Grundversicherte im KSA gegen Aufpreis schneller operiert würden, wie Couchepin in einem Interview mit dem «Sonntag» sagte.

Es störe ihn, wenn sich grundversicherte Patienten mit Geld schneller behandeln lassen könnten. Dies habe nichts mehr mit der Gleichheit von grundversicherten Patienten zu tun, sagte Couchepin. Im Schweizer Gesundheitswesen gebe es keine Zweiklassenmedizin.

Einzelzimmer für 250 Franken pro Tag

Im Kantonsspital Aarau bezahlen Grundversicherte bei «Hospitality» für ein Einzelzimmer einen Zusatz von 250 Franken pro Tag aus der eigenen Tasche. Für die Betreuung durch den Chefarzt wird jeweils ein Kostenvoranschlag erstellt.

Die Patienten müssen gemäss KSA im Voraus für die Zusatzleistungen eine Depotzahlung leisten. Bei Privat- und Halbprivatversicherten ist Behandlung durch den Chearzt inbegriffen.

Das KSA hatte das Angebot für Grund- und Halbprivatversicherte Anfang 2006 als Reaktion auf die Privatspitäler eingeführt. Diese profitierten von ihrem Image, einen besseren Komfort als öffentliche Spitäler zu bieten, hiess es.

(sda)