Hauptsache günstig

05. November 2015 14:12; Akt: 05.11.2015 14:12 Print

Von Bio-Fleisch reden, Billig-Fleisch kaufen

von R. Landolt - Schweizer wollen Fleisch, Milch und Eier von glücklichen Tieren – sagen sie. Laut Experten ist am Ende aber doch oft der Preis ausschlaggebend.

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Schweine mit genügend Platz, Kühe mit Auslauf und Hühner, denen der Schnabel nicht abgeschnitten wird: Schweizern liegt das Tierwohl am Herzen. Dies geben sie zumindest in Umfragen an.

So achten die Konsumenten gemäss einer Studie des Bundesamts für Landwirtschaft von diesem Sommer zuerst darauf, dass die Nahrungsmittel naturnah produziert werden. Als wichtig eingestuft wird auch die Einhaltung hoher Standards beim Tierschutz. Abgeschlagen folgen wirtschaftliche Kriterien. Dass die Nahrungsmittel preisgünstig sein sollen, wird erst auf Platz 24 genannt.

«Tierwohl zählt nur, wenn es günstig ist»

Die Realität sieht laut Agronomin Eveline Dudda aber anders aus. In der aktuellen Ausgabe des «Landwirtschaftlichen Informationsdienstes» schreibt sie: «Das Tierwohl zählt nur dann als Verkaufsargument, wenn es gleichzeitig günstig ist.»

In der Schweiz gebe es zahlreiche Labels, die eine tierfreundlichere Produktion gewährleisten, als es die gesetzlichen Mindeststandards verlangen. Aber: «Die Konsumenten sind nur bedingt bereit, mehr Geld auszugeben.» Um zu sparen, kauften viele auch importiertes Fleisch, das nicht einmal die Mindestanforderungen des Schweizer Tierschutzgesetzes erfülle.

Ein Blick auf die Verkaufszahlen der Grossverteiler zeigt: Bei Coop sind rund fünf Prozent der verkauften Fleischprodukte bio, 35 Prozent tragen das Label Naturafarm, das eine tierfreundliche Haltung garantieren soll. Die restlichen 60 Prozent entsprechen den Schweizer Minimal-Standards oder sind importiert.

Werbung täuscht die Käufer von Schweizer Fleisch

Auch Hans-Ulrich Huber vom Schweizer Tierschutz sieht eine Differenz zwischen Konsumentenwunsch und tatsächlichem Verhalten. «Schuld daran ist die Werbung», ist er überzeugt. «Die Grossverteiler und die Fleischwirtschaft bezeichnen Schweizer Fleisch per se als tierfreundlich.»

Unter Tierwohl versteht Huber aber etwas anderes als das, was die Schweizer Mindestanforderungen verlangen. Tiere in konventioneller Haltung bekämen keinen Einstreu, hätten nicht zwingend Freilauf und lebten auch nicht in grossen Ställen. «Damit täuschen die Händler und die Fleischwirtschaft die Konsumenten. Und sie schaden dem Tierschutz und jenen Bauern, die über den Mindeststandard hinaus produzieren.»

«Die Schweiz hat höhere Standards als das Ausland»

Marcel Portmann, Mediensprecher der Branchenorganisation Proviande, wehrt sich gegen die Kritik: «Die Schweizer Standards bei der Tierhaltung sind sehr hoch und gegenüber dem Ausland viel weiter entwickelt.» Zudem beteiligten sich die Bauern freiwillig an Programmen, die eine tierfreundliche Stallhaltung und regelmässigen Auslauf im Freien garantierten. «Schweizer Fleisch ist bei konventionellen wie auch bei Labelprodukten nicht nur eine Frage des guten Geschmacks, sondern auch des guten Gewissens», so Portmann.

Auch die Grossverteiler betonen, die Nachfrage nach Fleisch aus tierfreundlicher Produktion sei hoch: «Obwohl die Migros im Bereich Fleisch den Einkaufstourismus spürt, geht der Umsatz mit den Labels nicht zurück», schreibt die Migros auf Anfrage. Das gesamte importierte Fleisch soll zudem bis 2020 auf die Schweizer Mindest-Tierschutzvorschriften umgestellt werden.

Ebenso bei Coop: «Bei gewissen Tiergattungen ist die Nachfrage grösser als das Angebot, weshalb ein Teil unseres Fleisches aus dem Ausland stammt.» Coop habe sich deshalb zum Ziel gesetzt, dass auch ausländische Produzenten die Schweizer Tierschutzanforderungen einhalten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. Gruber am 05.11.2015 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich wäre es einfach.

    Ich versuche nur noch 2x die Woche Fleisch und 1x Wurstwaren zu essen. Klappt meistens wunderbar. Durch das gesparte Geld ,kann ich mir darum auch das teurere Biofleisch leisten.

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  • Anonymous am 05.11.2015 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wollen Sie einen Deutschen Lohn?

    Jetzt kommen wieder alle die einen Schweizer Lohn wollen aber Deutsche Preise bezahlen wollen. Das sind nicht Abozockerpreise sondern nur Menschen die den gleichen Lohn als Ihr wollt.

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  • Franky am 05.11.2015 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    3 ineinem

    Wir in unserer WG kaufen nur Schweizer Fleisch, am liebsten direkt vom Bauern/Metzger kostet zwar ein wenig mehr aber wir haben uns angewöhnt nur doch alle 3 Tage Fleisch zu essen. Freut man sich mehr drauf und hilft der Umwelt/Schweizer Bauern/Tieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mottovator am 07.11.2015 00:38 Report Diesen Beitrag melden

    Motto

    Tiere sind meine Freunde und meine Freunde esse ich nicht!

  • Manuel Marrer am 06.11.2015 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Fleisch aus Gras, Heu und Wasser

    Ich kaufe schon seit Jahren mein Fleisch nur noch bei Natur Konkret (Dort habe ich die Gewissheit, dass es den Tieren wirklich gut ging! Tolles Projekt!

  • Flurina Zengaffinen am 06.11.2015 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armutszeugnis

    Die wahre Grösse eines Menschen zeigt sich darin, wie er mit Tieren umgeht und welche Achtung er der Kreatur entgegen bringt, welche er zu seinem Vorteil nutzt. Mich als Bäuerin erschrecken diese herzlosen Kommentare. Ein echtes Armutszeugnis.

  • Allesesser am 06.11.2015 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fleisch

    Was interessiert mich das Tierwohl, oder ob das Fleisch "bio" ist? Ich will möglichst viel Fleisch (3x täglich) zu einem möglichst tiefen Preis! Darum kaufe ich viel in Deutschland, unschlagbar billig und schmeckt genau so gut wie das teure Schweizer Fleisch.

  • Lexx Luthor am 06.11.2015 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich esse meine Freunde nicht

    Was kümmert mich das, ob krebserregende Kadaverteile bio oder nicht sind. Wer Tiere mag, isst sie nicht. So wie man auch seine Freunde nicht verzehrt. Schon gar nicht für eine kleine Gaumenfreude.