Blochers Rücktritt

10. Januar 2016 07:34; Akt: 10.01.2016 09:48 Print

Von der Goldküste nach Bern – und zurück

Seit über 40 Jahren ist Christoph Blocher politisch tätig. Jetzt hat er offenbar genug und tritt als SVP-Vizepräsident zurück. Ein Rückblick auf seine Karriere.

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Wechsel an der Spitze der SVP Schweiz: Präsident Toni Brunner (l.) wie auch Vizepräsident Christoph Blocher (Mitte) treten im April zurück. Albert Rösti (r.) wird als nächster SVP-Parteipräsident gehandelt. Gemeinsam singen sie hier die Nationalhymne an der Delegiertenversammlung und dem Wahlauftakt der SVP Schweiz in Maienfeld. (22. August 2015) Christoph Blocher verabschiedet sich von Bundesbern. Der SVP-Nationalrat gibt sein Amt per Ende Mai ab. (Archivbild 2014) Von 1979 bis 2003 und abermals seit 2011 war Christoph Blocher Mitglied des Nationalrates. (9. Februar 2012) Neu gewählter Bundesrat: Am 10. Dezember 2003 wird Christoph Blocher mit 121 von 237 Stimmen knapp in den Bundesrat gewählt. Bei der Gesamterneuerungswahl des Bundesrates am 12. Dezember 2007 wird Christoph Blocher nicht wiedergewählt, was Nationalrat Hugo Fasel, CSP-FR, und andere Gegner Blochers bejubeln. Von 1977 bis 2003 präsidiert Christoph Blocher die Schweizerische Volkspartei (SVP) des Kantons Zürich. (17. Mai 2003) 1983 kauft Christoph Blocher die Ems-Chemie und wird Unternehmer. ( 10. Juli 1999) Blochers Ems Chemie wird erster Kunde von Martin Ebners BZ Bank. Ebner und Blocher verbindet nicht nur das Geld, sondern eine enge Freundschaft - hier bei der Generalversammlung der Allgroup Holding AG in Zürich. (20. Mai 1999) 1985 bekämpft ein rechtsbürgerliches Komitee um Blocher das neue Eherecht, das die Gleichheit von Mann und Frau in der Ehe garantiert, unterliegt aber am 22. September in einer Volksabstimmung. (1985) 1986 engagiert sich Blocher mit Hubert Reymond und 1987 scheitert Christoph Blocher als Ständeratskandidat für den Kanton Zürich an der Mitbewerberin Monika Weber vom Landesring der Unabhängigen und Rico Jagmett von der FDP. (18. Oktober 1987) Unter Blochers Federführung wird 1988 ein Kompromiss zur Aufgabe des geplanten AKW in Kaiseraugst beschlossen, nachdem sich die Schweizer Bevölkerung jahrelang erfolgreich gegen den Bau zur Wehr gesetzt hat. (Archivbild 1985) 1992 übernimmt Blocher eine tragende Rolle in der Diskussion zur Abstimmung über einen Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), den das Volk am 6. Dezember 1992 wuchtig ablehnt. (1. November 1992) 1986 ist Blocher Mitgründer der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (AUNS), die aus dem Aktionskomitee gegen den UNO-Beitritt hervorgeht, und übernimmt bis 2003 das Präsidium der AUNS. (13. Mai 2000) Blochers Kampagnen leben von Schlagworten und Gestik. 1998 kämpft Blocher gegen die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe LSVA, doch scheitert das Referendum bei der Volksabstimmung. Blochers Abwahl aus dem Bundesrat und die Wahl seiner Parteikollegin Eveline-Widmer Schlumpf 2007 führen zur Abspaltung der gemässigten Kräfte der SVP in die neue Bürgerlich-Demokratische Partei BDP. (13. Dezember 2007) 2008 nominierte die SVP-Fraktion Christoph Blocher neben Ueli Maurer nochmals als Kandidaten für den durch den Rücktritt Samuel Schmids freigewordenen Bundesratssitz. National- und Ständerat wählen am 10. Dezember 2008 jedoch Ueli Maurer und nicht Christoph Blocher in den Bundesrat. 2008 gründet Blocher die Firma Robinvest AG, die gemäss Handelsregistereintrag «Beratung, Erbringen von Dienstleistungen im Bereiche Unternehmensführung und Durchführung von Finanzgeschäften» bezweckt. Robinvest hält 20 Prozent der Aktien der MedienVielfalt-Holding und kontrolliert damit die Basler Zeitung. (9. Februar 2012) Blocher spielt eine Schlüsselrolle in der «Affäre Hildebrand», bei der Philipp Hildebrand nach Insiderhandelsvorwürfen in der Folge als Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank zurücktritt. (9. Januar 2012) Christoph Blocher hat eine bedeutende Kunstsammlung aufgebaut, die vor allem Werke der Schweizer Maler Ferdinand Hodler und Albert Anker umfasst. Er besitzt die grösste private Anker-Sammlung und unter anderem das Bild «Mädchen mit Brotlaib». (6. Mai 2010) In der Schweizer Armee Oberst bekleidete Christoph Blocher den Rang eines Oberst der Luftschutztruppen und war Regimentskommandant. (6. Febraur 1992) Blocher wird sich nach seinem Rücktritt nicht in Herrliberg zur Ruhe setzen und sich abermals von Karl Landolt porträtieren lassen. Seine Rücktrittsankündigung ist vielmehr eine Kampfansage um die Wähler gut 20 Jahre nach dem EWR-Nein auf die nächste historische Europaabstimmung einzustimmen.

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«Ab April werde ich nicht mehr Vizepräsident der SVP sein», gibt Christoph Blocher überraschend im «SonntagsBlick» bekannt. Damit gibt der SVP-Doyen seine letzte politische Funktion auf. Eine Ära geht zu Ende:

1974
Der damals 34-jährige Christoph Blocher wird Mitglied des Gemeinderats in Meilen. Es ist der Start seiner über 40-jährigen Politkarriere.

1977
Blocher wird Präsident der SVP des Kantons Zürich. Er bleibt bis 2003 im Amt.

1979
Das Volk wählt ihn in den Nationalrat.

1983
Blocher kauft die Ems-Chemie und wird Unternehmer.

1985
Ein rechtsbürgerliches Komitee um Blocher bekämpft das neue Eherecht, das die Gleichheit von Mann und Frau in der Ehe garantiert, unterliegt aber am 22. September in einer Volksabstimmung.

1986
Blocher engagiert sich gegen den UNO-Beitritt der Schweiz.

1987
Niederlage: Blocher kandidiert für den Ständerat, scheitert aber.

1988
Unter Blochers Federführung wird ein Kompromiss zur Aufgabe des geplanten AKW in Kaiseraugst beschlossen, nachdem sich die Schweizer Bevölkerung jahrelang erfolgreich gegen den Bau zur Wehr gesetzt hat.

1992
Blocher übernimmt eine tragende Rolle in der Diskussion zur Abstimmung über einen Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), den das Volk am 6. Dezember 1992 wuchtig ablehnt.

2003
Der SVP-Stratege wird mit 121 von 237 Stimmen knapp in den Bundesrat gewählt.

2007
Blocher wird als Bundesrat abgewählt. Eveline Widmer-Schlumpf zieht in die Landesregierung ein. Dies führt zur Abspaltung der gemässigten Kräfte der SVP in die neue Bürgerlich-Demokratische Partei BDP.

2008
Die SVP-Delegierten wählen Blocher zu einem von mehreren Vize-Parteipräsidenten. Im gleichen Jahr steigt er neben Ueli Maurer nochmals ins Rennen um einen Sitz im Bundesrat.

2011
Bei den Parlamentswahlen bewirbt sich Blocher für den National- und Ständerat. Er zieht in den Nationalrat ein. Den Sprung in den Ständerat schafft er hingegen nicht.

2012
Blocher spielt eine Schlüsselrolle in der «Affäre Hildebrand», bei der Philipp Hildebrand nach Insiderhandelsvorwürfen in der Folge als Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank zurücktritt.

2014
In der Sendung «Teleblocher» gibt das SVP-Urgestein seinen Rücktritt als Nationalrat bekannt.

2016
Nach Toni Brunner kündigt auch Christoph Blocher seinen Rücktritt aus der Partei-Spitze an.

(woz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Liseli am 10.01.2016 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merci beaucoup

    Dankeschön! Gute Gesundheit und ein langes Leben.

  • W. B. am 10.01.2016 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück war er kein Grüner

    Und irgend einmal wird jeder merken dass er eigentlich nur für die Freiheit für die Bewohner der Schweiz gekämpft hat.

    einklappen einklappen
  • Raphael Schefer am 10.01.2016 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    Da tritt der grösste aller Zeiten ab...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Edelweiss am 11.01.2016 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blocher 

    ... ist einer der besten und wird es wohl auch immer bleiben, da kann 20min vielleicht einpaar Misserfolge auflisten (was voll daneben ist) aber die Erfolge würden die Zeitung wohl auch überfüllen.

  • Elvis.in.Action am 11.01.2016 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    kluger businessman auch wenn ich ihn nicht mag tut er der schweiz manchmal gut.

  • rea6 am 11.01.2016 00:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt Schade

    Echt Schade!Du warst der Beste!Alles Gute!

  • M.Sc am 10.01.2016 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blocher

    Einer wie Blocher gibt es keinen zweiten . ..... Danke fr die gute Zeit u Ihre Unterstützung .......

  • Toggenburg am 10.01.2016 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wurde auch Zeit !

    Super, das ist die beste Sonntagsnachricht!