Zollstatistik

08. Februar 2011 11:30; Akt: 08.02.2011 17:14 Print

Von falschem Viagra und Vogelspinnen

Am Schweizer Zoll ist auch 2010 allerlei Schmuggelgut hängen geblieben: Spitzenreiter sind Erektionsförderer. Erwischt wurde aber auch ein Mann, der sich einen kleinen Aligator aufgeklebt hatte.

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2010 passierten täglich mehr als 20 000 Lastwagen und rund 600 000 Personenwagen die Schweizer Grenze, wie Oberzolldirektor Rudolf Dietrich am Dienstag an der Jahresmedienkonferenz der Eidgenössischen Zollverwaltung am Grenzübergang in Bardonnex GE sagte. Pro Tag seien Waren im Wert von 715 Millionen Franken eingeführt worden.

Doch nicht alle geben bereitwillig an, was sie über die Grenze bringen wollen. So wurden im vergangenen Jahr gegen 4500 Fälle von gefälschten Luxusprodukten verzeichnet - ein Rekord. Am beliebtesten waren Handtaschen, Reisetaschen und Portemonnaies sowie Uhren und Schmuck.

Neben gefälschten Luxusgütern sind Lebensmittel beliebte Schmuggelware. 2010 konnten laut Jürg Noth, Chef Grenzwachtkorps, über 800 Tonnen beschlagnahmt werden. Die von den Schmugglern hinterzogenen Zollabgaben belaufen sich auf rund 3,5 Millionen Franken.

Erektionsförderer auf Platz eins

Gestiegen sind auch die Fälle von Arzneimittelschmuggel: von 1154 (2009) auf 1861. Dabei handelt es sich um gefälschte oder in der Schweiz nicht zugelassene Medikamente. Auf der Hitliste zuoberst standen Medikamente zur Erektionsförderung, gefolgt von Schlankheitsmitteln und Muskelaufbaupräparaten.

Weiter konnten die Grenzwächter 2010 über 200 Kilogramm Kokain und Heroin abfangen. Einige Schmuggler sind äusserst einfallsreich: Zöllner entdeckten am Flughafen Genf rund 1,3 Kilogramm in Kleiderbügeln verstecktes Kokain.

Exotische Tiere wie Vogelspinnen, Frösche, oder Schlangen sind ebenfalls beliebte Schmuggelobjekte. Zöllner hielten einen Schmuggler an, der sich einen rund 20 Zentimeter grossen Alligator an den Körper geklebt hatte.

Von Bedeutung sind überdies die rund 1500 gefälschten Dokumente, welche die Grenzwache identifizieren konnten. Denn gefälschte Dokumente stehen laut Noth oft im Zusammenhang mit anderen Delikten - etwa Fahrzeugdiebstahl oder Schleppertätigkeit. Bereits seien auch gefälschte biometrische Ausweise im Umlauf. Seit 2009 konnten die Grenzwächter rund ein Dutzend davon aufspüren.

Grenzwache leistet Beitrag zur Sicherheit

Neben den klassischen Zollkontrollen führen die Grenzwächter bei Verdacht auch Personenkontrollen durch. Dabei habe man 2010 über 2500 Personen wegen unterschiedlicher Delikte festgenommen und der Polizei übergeben, sagte Noth. «Das sind jeden Tag etwa sieben.»

Wichtiges Hilfsmittel bei der internationalen Zusammenarbeit ist das Schengener Informationssystem . «Denn die Kriminalität hat noch nie vor Landesgrenzen Halt gemacht», sagte Noth. Dank dem SIS konnten 2010 80 international zur Fahndung ausgeschriebene Personen und 994 als gestohlen gemeldete Gegenstände an der Grenze identifiziert werden.

Auch Sicherheitskontrollen beim Schwerverkehr gehören zu den Aufgaben der Grenzwächter. 2010 stellte der Schweizer Zoll insgesamt 18 000 Sicherheitsmängel bei Lastwagen fest - das sind rund 10 000 mehr als im Vorjahr.

Insgesamt nahm die EZV 2010 und 23 Milliarden Franken (2009: 21,3) für die Bundeskasse ein. Dies entspricht rund einem Drittel der Gesamteinnahmen des Bundes.

(sda)