Würenlingen AG

18. Februar 2020 14:46; Akt: 19.02.2020 13:35 Print

Hätte Absturz verhindert werden können?

Der Terroranschlag auf eine Swissair-Maschine in den 70er-Jahren wurde nie restlos aufgeklärt. Jetzt kommen neue Details zur Tragödie ans Licht.

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Am 21. Februar 1970 - kurz nach dem Start - explodierte im Frachtraum eine von palästinensischen Terroristen eingesetzte Bombe. Der Kapitän versuchte nach der Detonation zum Flughafen Kloten zurückzufliegen, doch das Flugzeug stürzte in einen Wald bei Würenlingen ab. Beim Aufprall explodierte die Maschine und wurde in kleinste Teile auseinandergerissen. Den Rettungskräften wurde sofort klar, dass es hier nichts mehr zu retten gab. Alle 38 Passagiere und neun Besatzungsmitglieder fanden den Tod. Die explodierende Maschine riss eine grosse Schneise in den Wald. Absturzursache war eine Bombe, die im hinteren Frachtraum explodiert war. Die Bombe war ursprünglich für eine El-Al-Maschine bestimmt gewesen und nur durch Zufall an Bord der Coronado gelangt. Die Trümmer wurden eingesammelt und in einem Hangar in Zürich-Kloten ausgelegt, ... ... um den Hergang des Absturzes zu rekonstruieren. Ein Schild bei der Absturzstelle fordert Spaziergänger auf, gefundene Trümmerstücke in den Sammelbehälter zu legen. Im Kongresshaus in Zürich wurde eine Trauerfeier gehalten. Ein Gedenkstein mit allen Namen der Opfer erinnert an den Absturz. Die Verantwortung für den Anschlag übernahm die von Georges Habash (Bild) gegründete palästinensische Terrororganisation «Volksfront zur Befreiung Palästinas» (PFLP). Schon im Februar 1969 hatte ein PFLP-Kommando den Terror in die Schweiz getragen: Vier Attentäter beschossen ein El-Al-Flugzeug auf dem Flughafen Zürich-Kloten. Einer der Terroristen wurde erschossen. () Im Herbst 1970 entführte die PFLP drei Linienmaschinen — eine BOAC VC-10, eine TWA 707 und eine Swissair DC-8 — nach Jordanien. Damit gelang es der Organisation, die drei nach dem Anschlag in Kloten in der Schweiz inhaftierten Terroristen freizupressen. Die Passagiere wurden später freigelassen und die Jets gesprengt.

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Vor 50 Jahren, am 21. Februar 1970, stürzte in Würenlingen AG eine Swissair-Maschine auf dem Flug nach Tel Aviv ab. 47 Menschen starben. In der Maschine war eine Bombe explodiert. Die Hintergründe des Attentats wurden in der Öffentlichkeit nie restlos bekannt.

Nun kommen neue Details zur Tragödie ans Licht, die die Passivität der Justizbehörden erklären könnte. So soll es zwischen dem israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad und dem Landesverfassungsschutz in Hessen zu einem Kommunikationsproblem gekommen sein, wie die NZZ berichtet.

Die Bombe war von einer palästinensischen Terrorzelle präpariert worden. Diese war im Visier der Ermittler, sie hatte nämlich auch ein Attentat auf eine Maschine der Austrian Airlines von Frankfurt am Main nach Wien geplant. Dieses lief jedoch glimpflich ab, weil die Maschine nach der Explosion noch notlanden konnte.

Wieso aber haben die beteiligten Geheimdienste die Swissair nicht gewarnt? Wieso gab es generell keine Warnung an andere Fluggesellschaften? Diese Fragen stellt sich der Politwissenschaftler Wolfgang Kraushaar in der NZZ. Bis zur Explosion in der Swissair-Maschine wären noch zwei Stunden Zeit gewesen. «So hätte der fatale Start der Swissair-Coronado in Zürich vielleicht doch noch in letzter Minute verhindert werden können.»

Tag der Tragödie

Es ist ein Samstag vor 50 Jahren. Der Swissair-Flug SR330 startet um 13.14 Uhr auf dem Flughafen Zürich-Kloten. Das Ziel ist Tel Aviv. Neun Minuten nach dem Abheben des Flugzeugs Convair CV-990 (Coronado) mit dem Namen «Nidwalden» explodiert auf einer Höhe von 4500 Metern über Meer im hinteren Laderaum eine Bombe.

Die Maschine befindet sich zu diesem Zeitpunkt über der Region Sattel-Hochstuckli in der Innerschweiz. Die Crew bemerkt den Druckabfall. Es gibt Rauch und Feuer. Der Captain Karl Berlinger meldet den Druckabfall und will zurück nach Kloten. Die Navigationsgeräte und der Strom im Flugzeug fallen nach und nach aus. Um 13.33 Uhr meldet Berlinger dem Tower den Notfall.

«Goodbye everybody»

Man habe Rauch an Bord und könne nichts mehr sehen. Der letzte Funkspruch kommt eine halbe Minute später: «330 is crashing. Goodbye everybody. Goodbye everybody», sagt Co-Pilot Armand Etienne per Funk.

Die Maschine stürzt in Würenlingen AG in einem Wald ab, reisst eine 100 Meter lange Schneise. Die Absturzstelle befindet sich unweit der beiden Atomreaktoren von Beznau und dem heutigen Paul Scherrer Institut (PSI).

Die traurige Bilanz: 38 Passagiere und 9 Besatzungsmitglieder fanden den Tod. An Board waren auch 15 israelische Staatsbürger. Die Bombe war in München mit einem Luftpostpaket nach Jerusalem aufgegeben worden. Vor ihrem letzten Flug war die Swissair-Maschine von München kommend um 11 Uhr in Zürich-Kloten gelandet. Die Bombe im Paket war mit einem Höhenmesser auf einer bestimmten Höhe gezündet worden.

Gedenkanlass im Wald

Im Wald in Würenlingen erinnert heute ein Gedenkstein an die Toten des Bombenattentats. Dort findet am Freitag der kommenden Woche, auf den Tag genau 50 Jahre nach dem Flugzeugabsturz, ein Gedenkanlass statt.

Die durch Menschen gewollte Tragödie und das traurige Kapitel in der Geschichte der Schweizer Luftfahrt dürften nicht in Vergessenheit geraten, halten die privaten Organisatoren fest. Hinter dem Gedenkanlass stehen Arthur Schneider, ehemaliger Gemeinderat und -präsident von Würenlingen, sowie Ruedi Berlinger, Sohn des Piloten des Flugzeugs. Den beiden Männern geht es darum, die grosse Tragik nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Und sie möchten auch Gewissheit über die Hintergründe des Attentats. Doch das Wissen, was wirklich genau geschehen war, wird wohl nie ganz ans Tageslicht kommen. Die zwei mutmasslichen palästinensischen Täter sind bekannt – sie kamen jedoch nie vor Gericht.

(20 Min/sda)