Sucht Schweiz

16. Februar 2017 10:00; Akt: 16.02.2017 13:48 Print

Vorwurf – Politikern ist die Sucht-Prävention egal

von J. Büchi - Ein nächtliches Verkaufsverbot für Alkohol und ein Tabak-Werbeverbot waren im Parlament chancenlos. Nun machen Fachleute ihrem Ärger Luft.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine Viertelmillion Menschen in der Schweiz hat die Kontrolle über ihren Alkoholkonsum verloren – das entspricht etwa der Bevölkerung des Kantons Thurgau. Rund jeder zwanzigste Jugendliche ist Spielsucht-gefährdet. Das sind zwei Erkenntnisse aus dem Bericht Suchtpanorama 2017, den die Stiftung «Sucht Schweiz» am Donnerstagmorgen veröffentlicht hat (siehe Bildstrecke).

Umfrage
Macht die Politik genug im Bereich Suchtprävention?
36 %
37 %
23 %
4 %
Insgesamt 1988 Teilnehmer

Die Stiftung beschränkt sich jedoch nicht darauf, über das Konsumverhalten der Schweizer zu informieren. Sie nutzt die Gelegenheit auch für einen Frontalangriff auf den Politbetrieb: Dieser scheue sich davor, die Suchtproblematik wirksam anzupacken, kritisieren die Verantwortlichen.

«Interessen der Industrie höher gewichtet»

Sprecherin Monique Portner-Helfer sagt, mit den Sitzgewinnen von SVP und FDP an den Wahlen 2015 habe sich das Problem akzentuiert: «Im neuen Parlament werden ökonomische Belange noch stärker vertreten: Meist werden die Interessen der Industrie höher gewichtet als die Prävention.»

Auf die Eigenverantwortung der Bürger zu verweisen, greift für Portner zu kurz: «Natürlich sollen die Bürger als mündige Konsumierende betrachtet werden – die Solidarität mit Suchtkranken darf dabei aber nicht auf der Strecke bleiben.»

Spielsucht droht zuzunehmen

Genau das passiert laut Portner aber immer öfter: Werde zu wenig gegen die Folgen problematischen Alkoholkonsums unternommen, litten namentlich auch rund 100'000 Kinder weiter, die mit einem alkoholkranken Elternteil aufwachsen, warnt sie. Beim Glücksspiel drohe sich das Problem zudem noch zu verschärfen, wenn Online-Casinos erlaubt werden.

Der Bericht verweist auf zahlreiche Massnahmen, die seit 2015 im Parlament oder in der Kommission gescheitert sind. Darunter:

• Ein Nachtverkaufsverbot für Alkohol zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens

• Ein Werbeverbot für Tabak in Online- und Printmedien sowie in Kinos und an Festivals

• Alterskontrollen an Spielautomaten sowie die Erhebung einer Präventions-Abgabe in Casinos

«Schlimmste Katastrophen abgewendet»

Gregor Rutz (SVP), Präsident der IG Freiheit und der Vereinigung des schweizerischen Tabakwarenhandels, sagt: «Ich staune schon ein wenig, wie hier die Realität verdreht wird.» Der Staat mache den Bürgern ständig neue Vorschriften, pro Woche kämen rund 120 neue Gesetzesseiten hinzu. «Uns nun einen Strick daraus drehen zu wollen, dass wir im Parlament die schlimmsten Katastrophen wie das Nachtverkaufsverbot für Alkohol abgewendet haben, ist absurd.»

Inzwischen gebe es in der Schweiz eine regelrechte Präventionsindustrie, so Rutz. «Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier Leute am Werk sind, die vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen: Am liebsten würde man jedem Bürger einen Beamten an die Hand geben, damit er keine Dummheiten macht.»

Die Zahl der Raucher nehme nicht mehr zu, der Alkoholkonsum in der Schweiz sinke gar seit Jahren, so Rutz. «Wir müssen uns ja bald Sorgen um unsere Weinbauern machen», scherzt er. Die Bürger unter diesen Vorzeichen noch stärker zu bevormunden, sei «frech und unzulässig». «Sinnvoll wäre es, die Prävention auf ihren Kern zu reduzieren und Betroffenen etwa im medizinischen Bereich Angebote bereitzustellen.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jack am 16.02.2017 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaja

    Jeder Erwachsene Mensch sollte, sofern er niemandem schadet (Kind, Mitmenschen), selbst entscheiden dürfen was er zu sich nimmt. Stoppt die ewige Bevormundung.

    einklappen einklappen
  • Männchen am 16.02.2017 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache alles verboten

    Wo bleibt die Eigenverantwortung? All diese Fachleute und "Experten" wollen uns unsere Eigenverantwortung absprechen. Alles soll zu Tode reguliert sein. Nein danke...

    einklappen einklappen
  • Navor Van Bostitch am 16.02.2017 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder weiss es..

    Jeder weiss, dass Alkohol nicht "gesund" ist. Es ist nun Mal so, als Jugendlicher / junger Erwachsener sucht man die Grenzen und überschreitet sie. Mit der Zeit wird man reifer und distanziert sich von Saufereien usw. Verbote führen in die falsche Richtung (wie so oft).

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • albert am 19.02.2017 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar doch

    logisch, sind ja nur noch Lobbyisten.. als wär das was neues.. bei Politikern geht es nur noch um kohle! das habe ich in all meinen Lebensjahr selbst erfahren..

  • Reto am 17.02.2017 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    schon lustig, die Gleichen die hier herumschreien und den "Bürgerlichen" Vorwürfe machen, sind genau die, die Kanabis legalisieren wolle ?! mal nachdenken ....

  • Ottokar Rex am 17.02.2017 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schluss damit!

    Meine Güte, immer dieses Affentheater um Sucht, Suchtprävention, etc.! Wissen Sie eigentlich, wie die Leute zu Gotthelfs Zeiten (1. Hälfte 19. Jahrhundert) gesoffen haben wie die Löcher?! Natürlich soll es nicht (wieder) so weit kommen, aber dass dafür ein ganzes Bundesamt "ernährt" und bezahlt wird, ist massivst übertrieben!

  • Edmo am 17.02.2017 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ewiges Klagelied

    Die Verbieter fürchten sich primär davor, weniger Geld aus dem Steuertopf zu erhalten. Ihr Geschäftsmodell sieht nämlich vor, dass wir Steuerzahler für die permanente Bevormundung aufkommen. Das laute Klagelied soll uns weismachen, die Sorge gelte uns lebensunfähigen, willenlosen Geschöpfen. Doch in Wahrheit wollen diese Leute einfach unser Geld.

  • Bill am 17.02.2017 07:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alkol boh? Tabak ja!

    Alkool probleme spure ich weniger als tabak, wird zuviel gearucht, da muss man wirklich was dagegen tun Wir sind einfach eine kranke gesellschaft, dummerweise ich rauche, in trinke eine flasche wein in monat und ein wenig bier in sommer und 4 schnaps pro monat...wenn uberhaupt

    • Edmo am 17.02.2017 08:30 Report Diesen Beitrag melden

      Lass es bleiben

      Hallo Bill, wenn Du zu viel rauchst, muss nicht 'man' etwas dagegen tun, sondern Du ganz alleine. Lass es einfach bleiben. Das braucht etwas Überwindung aber ganz sicher nicht eine nationale Kampagne.

    • Pater Florian am 18.02.2017 11:36 Report Diesen Beitrag melden

      alles wird gut!

      Sehe ich auch so, würde es aber anders machen!

    einklappen einklappen