Ulrich Gygi

29. Dezember 2008 08:31; Akt: 29.12.2008 09:36 Print

Wachsende Kritik an Post-Chef mit drei Jobs

Ulrich Gygi verdient in den nächsten drei Monaten für drei: Denn während er noch als Post-Chef amtet, bezieht er auch schon sein Salär als oberster Bähnler - und obendrein wirkt er noch im SRG-Verwaltungsrat.

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Noch bis Ende März amtet Ulrich Gygi als oberster Pöstler. Sein letztes bekanntes Salär beim gelben Riesen betrug 2007 817 000 Franken - in drei Monaten dürften also an die 205 000 Franken Lohn anfallen.

Doch damit nicht genug: Bereits ab dem 1. Januar übernimmt SP-Mitglied Gygi sein neues Amt als SBB-Chef. Dort soll er laut dem «Tages-Anzeiger» an die 250 000 Franken jährlich bekommen.

Zudem sitzt Ulrich Gygi auch noch im SRG-Verwaltungsrat. Für dieses Amt fallen nochmals 32 000 Franken pro Jahr an. Und schliesslich sitzt Gygi auch noch im Verwaltungsrat der Axa Winterthur.

Zu 155 Prozent angestellt

Von Januar bis März landen also an die 275 000 Franken auf seinem Konto. Allein die drei Jobs bei den Staatsbetrieben füllen zusammen 155 Stellenprozente aus.

Das sind Zahlen und eine Anhäufung von Macht in den grössten Staatsbetrieben, die jetzt Politiker aufhorchen lassen - selbst in der eigenen Partei. Zumal der noch amtierende Post-Chef seinen gutbezahlten Posten nicht vorzeitig abgeben wollte.

So findet SP-Präsident Christian Levrat die Situation «nicht wünschenswert» und legt seinem Parteikollegen den Verzicht zumindest auf das SRG-Mandat nahe. Und er glaubt, dass Gygi alle drei Jobs «kaum» seriös erledigen könne.

Bund müsste nach eigenen Regeln einschreiten

Bei der Post wiegelt man laut dem «Tages-Anzeiger» ab: Die Addition aller Stellenprozente ergebe ein «verzerrtes Bild». Und wenn Gygi arbeite, müsse man ihm den vereinbarten Lohn zahlen.

Der Bundesrat hält die Kumulierung von Macht offenbar für unproblematisch und glaubt, dass der Manager all seine Mandate erfüllen kann. Und das, obwohl in der Kaderlohnverordnung des Bundes festgehalten ist, dass die Leistungsfähigkeit ab einem 110%-Arbeitspensum «vermindert» wird.