Neue Öko-Partei

26. April 2019 04:57; Akt: 26.04.2019 08:01 Print

Kommt jetzt die grüne Volkspartei?

von P. Michel - Die Verweigerung beim Klimaschutz stösst innerhalb der SVP auf Kritik. Exponenten aus den Reihen von Ecopop liebäugeln mit einer neuen Partei.

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Die Klimaschüler seien instrumentalisiert, Geld für Klimaschutz sei aus dem Fenster geworfen und sowieso: Das «Modethema» Klimawandel werde vorüberziehen. Die SVP bleibt beim derzeit bewegendsten Politthema ihren Prinzipien treu. Wohl auch für die fehlende Antwort auf die Klimafrage kassierte sie bei den kantonalen Wahlen in Zürich, Basel-Land und in Genf Sitzverluste.

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Nach dieser Schlappe prüfen Umweltfreunde um den Verein Ecopop die Gründung einer konservativen Alternative zu den Grünen. Kurz nach den Zürcher Wahlen erhielt ein SVP-Nationalrat ein Telefon eines Ecopop-Vorstandes. Dieser wollte ihn dafür gewinnen, in eine neue «grüne Volkspartei» einzutreten, die konservative Werte mit Naturschutz verbinde. Dieselbe Anfrage erhielten weitere SVP-Politiker, wie 20 Minuten weiss.

Ecopop geht in die Offensive

Die Idee einer konservativen Partei, die sich für Natur- und Heimatschutz starkmacht, ohne die EU-Nähe der GLP oder die linke Gewerkschaftspolitik der Grünen, sei tatsächlich eine Überlegung wert, erklärt einer der Angefragten. Denn das Feld konservativer Heimatschutz werde zurzeit kaum bespielt. Auf das Angebot eingegangen ist trotzdem keiner der SVP-Exponenten.

Der Verein Ecopop verlangte 2014 per Initiative, die jährliche Zuwanderung auf 0,2 Prozent zu beschränken, um «die natürlichen Lebensgrundlagen sicherzustellen». Klimaerwärmung, Zersiedlung, Artensterben oder Wasserverschmutzung will der Verein mit einem Konzept bekämpfen: der Reduktion des Bevölkerungswachstums.

SVP-Basis ist für Naturschutz

Die Sympathien bei den SVP-Wählern für eine konservative Umweltschutzpartei wären da, wie eine Analyse im Nachgang der Ecopop-Initiative zeigt. Mehr als die Hälfte der SVP-Wähler legten damals laut VOX-Auswertung ein Ja ein, sie gewichteten den Umweltschutz höher als den wirtschaftlichen Schaden, vor dem die Mutterpartei warnte. Auch die Zweitwohnungsinitiative 2012 und jüngst die Zersiedelungsinitiative fanden bei der SVP-Basis Zuspruch.

Roland Schmutz, Ecopop-Präsident und selbst SVP-Mitglied, sieht deshalb Potential im bürgerlichen Lager: «Zum Schutz der Heimat, der Landschaft und somit auch der Umwelt liefern Grüne und Grünliberale keine Antworten, weil sie das Bevölkerungswachstum nicht antasten.» Ihm selbst mache die ungebremste Bautätigkeit und die rasante Zubetonierung der Landschaft besonders Sorgen.

«Die SVP muss unbedingt grüner werden», findet Schmutz. Zur Lancierung einer «grünen Volkspartei» oder einer ähnlichen Bewegung gibt er sich bedeckt. «Wir führen bis zu den nationalen Wahlen im Herbst Gespräche mit Politikern aller Parteien und hoffen, sie von unserer Position zu überzeugen.» Eine eigene Liste sei nicht geplant, man gebe aber Wahlempfehlungen ab.

«Es gäbe in der Schweiz eine Wählerschaft für eine öko-konservative Partei», sagt Politologe Claude Longchamp. Die Zustimmungswerte zu Umwelt-Initiativen dürfe aber nicht überschätzt werden. Longchamp schätzt den Öko-Flügel innerhalb der SVP-Wählerschaft auf 20 Prozent.

Welche Chance hätte eine Öko-SVP?

Doch für eine neue Partei reicht eine potentielle Wählerschaft allein nicht aus. Der Erfolg einer «Öko-SVP» stehe und falle mit profilierten Köpfen, die mit dem bisherigen Kurs brechen, sagt Longchamp. «Im Moment sehe ich nicht, wer das sein könnte – am ehesten wohl noch einzelne Bauernvertreter innerhalb der Partei.» Da aber Loyalität bei der Volkspartei gross geschrieben werde, sei eine Abspaltung dieser Parlamentarier wenig realistisch.

Zwar glaubt Longchamp nicht, dass die Parteileitung der SVP beim Klimaschutz noch umschwenken wird. Doch die aktuellen Niederlagen der Partei seien weniger mit der fehlenden SVP-Klimapolitik zu erklären, als mit den Personalproblemen der Partei und der damit zusammenhängenden schwachen Mobilisierung.

Blocher fehlt

«Christoph Blocher als Übervater fehlt, Asyl- und Europathemen ziehen nicht mehr, und Karrieristen wie Thomas Aeschi oder Thomas Matter können die Basis nicht nicht gleich gut begeistern wie Toni Brunner, der den Generationenwechsel hätte anführen sollen», so Longchamp. Viele Wähler blieben deshalb wohl frustriert zu Hause.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roli am 26.04.2019 05:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weltweite Bevölkerung muss sinken

    Naja, mit einer Zuwanderungsbegrenzung in die Schweiz lässt sich wohl nichts für die Umwelt verbessern. Aber in Grundsatz muss ich der Partei Recht geben, die weitweite Bevölkerung darf nicht mehr wachsen um wirklich den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Dieses Thema Stand bei den linken Parteien bislang wirklich nie zur Debatte!

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  • Larsen Landwehr am 26.04.2019 05:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2 Themen unabhängig voneinander

    Warum werfen die Medien ständig Umweltschutz und Klimawandel in einen Topf. Das sind komplett andere Themen. Mir scheint aber das dies nicht unabsichtlich ist, denn leider differenzieren hier leider noch zu wenige dann der ständigen Blendung.

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  • Wieso am 26.04.2019 06:51 Report Diesen Beitrag melden

    Sollte ich nur für eine Partei stimmen

    Ich kann doch auch einfach für die Sache selbst stimmen, ohne dass man in irgendwelche Ecken geschoben wird? Dass ständige Partei Geschwätz geht einfach nur auf die Nerven, wenn für mich ein Thema wichtig ist, dann ist mir egal von welcher Partei dies aufgegriffen wurde, dass Thema selbst ist wichtig, die Partei als solches ist Nebensache.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dingsda am 27.04.2019 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    ü

    ! :)

    • Dingsda am 27.04.2019 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dingsda

      Cool, ich hab Marko getoppt!

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  • Hugo am 27.04.2019 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ansonsten nichts zu bieten

    Die Grünen haben 2 Sachen in ihrem Parteiprogramm Klima und Umwelt

  • Fraz am 27.04.2019 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bloss nicht grün!

    Ach lasst doch das mit dem "Grün"einfach weg! Was wir brauchen sind bodenständige, realistische Leute, denen die Natur am Herzen liegt, das Geld nicht erste Priorität hat, keinen dummen Ideologien hinterher rennen und bei denen das eigene Volk und das eigene Land an erster Stelle steht. "Grün" erfüllt bisher gar keine dieser Kriterien also lasst das!

  • Robin The Hood am 27.04.2019 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Es gibt noch keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis welcher den menschengemachten Klimawandel bestätigt. Was möchten die Erwachsenen mit den missbrauchten Hippie Kids bewirken? Einen Ablasshandel wie damals im Mittelalter? Sollte man solche Menschen nicht wegsperren? Ich dachte das Volk wäre mittlerweile gebildet.

    • Besser Informieren am 27.04.2019 15:21 Report Diesen Beitrag melden

      Wissenschaftlicher Beweis

      Doch gibt es informieren Sie sich.

    • Robin The Hood am 27.04.2019 15:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Besser Informieren

      Das habe ich bereits und finde nichts. Ich behaupte, deshalb erwähnen sie keinen Beweis, welcher einer wissenschaftlichen Prüfung standhält, weil es keinen gibt. Sind sie ein ideologischer Fundi oder wären sie so nett mir einen Beweis zu nennen?

    • Maxli am 27.04.2019 16:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Besser Informieren

      Nein den gibt es definitiv nicht, das glauben viele und nur weil es viele glauben muss es nicht auch stimmen.

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  • SVP-Wähler am 27.04.2019 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    die SVP ist schon grün

    Wer gegen Massenzuwanderung ist, ist automatisch ökologisch unterwegs. Wer so viele Landwirte und Agronomen in ihren Reihen hat, der ist näher an der Natur als irgendwelche urbanen Hipster.