Cassis de Dijon

13. Januar 2011 10:30; Akt: 13.01.2011 12:16 Print

Wässriger Schinken macht Bauern sauer

Seit Einführung des Cassis-de-Dijon-Prinzips stehen Milch- und Fleischprodukte aus der EU in Schweizer Läden. Landwirten ist vor allem ein Schinken ein Dorn im Auge.

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Gemäss Cassis de Dijon kann seit Juli 2010 jedes Produkt, das im EU- oder EWR-Raum rechtmässig hergestellt und verkauft wird, ohne zusätzliche Kontrolle auch in der Schweiz verkauft werden. (Bild: Keystone)

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Nach französischem Recht hergestellter Fruchtsirup oder nach deutschem Recht produzierter Schmelzkäse: Diese und 19 weitere Produkte gemäss Cassis-de-Dijon-Prinzip hat das BAG bewilligt. Gegen sechs davon gibt es Beschwerden beim Bundesverwaltungsgericht.

Im Rahmen des Cassis-de-Dijon-Prinzips dürfen nicht nur entsprechende Produkte aus dem EU- und EWR-Raum in der Schweiz verkauft werden, sondern diese dürfen auch in der Schweiz nach ausländischem Recht so hergestellt werden. Lebensmittel, die den schweizerischen Vorschriften nicht vollständig entsprechen, müssen allerdings vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) bewilligt werden.

Seit der Einführung dieser Regelung im Juli 2010 bewilligte das BAG 21 solcher Lebensmittel. Die Bewilligungen beträfen vor allem Milch- und Fleischprodukte sowie Getränke, teilte das BAG am Donnerstag mit.

Von 69 eingereichten Gesuchen wies das BAG deren 14 ab, weil sie Produkte betreffen, die nicht unter das Cassis-de-Dijon-Prinzip fallen. Für Nahrungsergänzungsmittel sowie für Arzneimittel gelten andere Verordnungen oder Gesetze.

Gegen sechs Entscheide des BAG wurde beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde eingereicht. Vier davon stammen aus dem landwirtschaftlichen Umfeld, wie der Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV), Jacques Bourgeois, am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Schinken, Käse, Rahm und Apfelwein

Ein Dorn im Auge ist dem SBV nach österreichischem Recht hergestellter Schinken. Dieser sei wässriger, als es Schweizer Schinken sei dürfe, kritisiert Bourgeois. Ebenfalls Beschwerde eingereicht habe der SBV gegen nach deutschem Recht produzierten stärkehaltigen Käse.

Der Milchproduzentenverband hat gemäss Bourgeois gegen weniger fetthaltigen Rahm protestiert: Das Produkt enthalte bloss 30 Prozent Fett - das Schweizer Pendant jedoch 35 Prozent.

Der Schweizer Obstverband macht mobil gegen den neu bewilligten Apfelwein. Gemäss schweizerischen Vorschriften dürfe der Wasseranteil beim Apfelwein bloss 30 Prozent betragen. Der neu bewilligte Apfelwein hingegen könne bis zu 85 Prozent aus Wasser bestehen.

«Das ist eine Täuschung der Kunden», sagte der SBV-Direktor. Zudem stelle das Cassis-de-Dijon-Prinzip die Qualitätsbemühungen der Schweizer Bauern und Lebensmittelproduzenten in Frage.

Beschwerde gegen zu kleine Schrift

Die Konsumentenschutz-Organisationen SKS, FRC und Acsi ihrerseits haben beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde eingereicht, weil das BAG im Rahmen des Cassis-de-Dijon-Prinzips Karamellen bewilligt habe, deren Deklaration zu klein oder unleserlich sei, damit sie entziffert werden könne. Damit würden Konsumentenrechte missachtet.

Erste Entscheide im Beschwerdeverfahren erwartet das BAG in den kommenden Wochen.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.S. am 13.01.2011 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    bewusste Entscheidung

    Ich setze beim Essen auf Qualität und möchte zudem die regionalen Produzenten und die CH Wirtschaft unterstützen. Dafür bin ich bereit, ein wenig mehr zu bezahlen und dabei woanders zu sparen. Das ist nachhaltig und auch im Sinne der Gesundheit

  • Avalon am 13.01.2011 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Qualität

    Ich kaufe aus Prinzip nur schweizer Schinken (Fleisch) wenn möglich, sogar nur Bio. Schaut euch mal den Film Ware Tier an, danach will man nichts anderes mehr kaufen.

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  • Didi am 13.01.2011 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Wurst voll mit Laktose

    Wenn sich Schweizer Hersteller über österreichische Wurstware beschweren "sie sei zu wässrig", dann sollten diese Hersteller aber auch betonen, dass nach österreichischen Güterichlinien KEINE Laktose zur Herstellung von Wurstprodukten verwendet wird. In der Schweiz schon: Laktose ist Milchzucker, der von den Schweizer Produzenten als Geschmacksverstärker verwendet wird. Da hab ich lieber etwas mehr Wasser als unnötig viel Zucker in einem Schinken. Auch zu bedenken ist die steigende Laktoseunverträglichkeit in der Bevölkerung. Also wer im Glashaus sitzt...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Meierhans am 13.01.2011 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Heute gepunschter Saft morgen Analogkäse

    jetzt sind es stärkehaliter Käse, wässriger Schinken, gepunschter Saft. und in einem Jahr folgen dan Analogkäse und Co. In Deutschland wurde CHEMISCHE hergestellte Käse klangheimlich eingeführt, und bei uns wird er dan wohl automatisch aufgenommen. Viel spass mit Chemieementaler und Co. Dr. Klöti, ich bevorzuge lieber richtige Nahrungsmittel und keinen Silicium und Erdölklon. und nebenbei: ob e sich nun um echten Käse oder Analogenkäse handelt ist nicht einmal so einfach rauszufinden aber entspricht trotzdem dem EU-Recht...

  • roman am 13.01.2011 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    cassis de dijon

    schauen wir doch mal die vorschriften in der schweizer landwirtschaft an und vergleichen diese mit der eu. vielleicht wird dann einiges klarer. Viele wissen, bauern kriegen geld vom bund. Doch so einfach ist es eben nicht. Für all jene die es als so einfach ansehen, kauft euch doch den Wirtskaldener.

  • M.S. am 13.01.2011 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    bewusste Entscheidung

    Ich setze beim Essen auf Qualität und möchte zudem die regionalen Produzenten und die CH Wirtschaft unterstützen. Dafür bin ich bereit, ein wenig mehr zu bezahlen und dabei woanders zu sparen. Das ist nachhaltig und auch im Sinne der Gesundheit

  • Bianca am 13.01.2011 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Täuschung

    Das Problem ist, dass man als Konsument in manchen Fällen getäuscht wird. Wenn man z.B. "Apfelwein" hört, dann hat man eine Vorstellung, was man erwartet. Wenn ein Produkt mit gleicher Bezeichnung viel verdünnter ist und folglich weniger kostet, führt dies wohl in nicht wenigen Fällen dazu, dass das günstige Produkt gekauft. Ich möchte jedoch nicht "Äpfel" mit "Birnen" vergleichen, ohne es zu wissen. Ähnliche Situationen gibts bei sog. "Analogkäse" oder gestrecktem Fleisch. Hier muss klar deklariert werden!

  • Kurt Schild am 13.01.2011 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Lohn und EU-Preise, geht doch gut, oder ?

    Preiswert einkaufen .... In Ehren! Viele Schreiber hier in diesem Forum handeln kurzsichtig und auch egoistisch. Mit "hohen" Schweizerlöhnen im Ausland das "billigste Waren" einkaufen; das mag ja Spass machen, aber funktioniert auf die Dauer nicht. Viele sägen damit am eigenen Job und merken es gar nicht mal. Zollfreihandel = plafonierung der Produktion und der Löhne.