Wallis

23. Februar 2019 13:25; Akt: 23.02.2019 13:50 Print

Bergbahnchef äussert sich zum Lawinenunglück

Wenn eine Lawine auf eine Piste niedegehe wie in Crans Montana, sei das «das Schlimmste, was es gibt», sagt Berno Stoffel.

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Auf einer Skipiste in Crans Montana sind vier Personen von einer Lawine verschüttet worden. Ein 34-jähriger Pistenarbeiter kam ums Leben. (19. Februar 2019) Suche nach Verschütteten: Im Einsatz standen knapp 250 Rettungskräfte von Polizei, Rettungskolonnen und Armee. Weiter befanden sich acht Helikopter und zwölf Lawinenhunde vor Ort. Die Polizei ging lange Zeit von vermissten Personen aus: Die Rettungskräfte suchten weiter nach möglichen Opfern, auch während der Nacht auf den Mittwoch. Am Mittwochmorgen wurde die Suche eingestellt. Die Schneemassen hatten sich gegen 14.15 Uhr an einem Hang in der Region La Plaine Morte gelöst, dem höchstgelegenen Bereich des Skigebiets Crans-Montana. Nach Angaben des Skigebiets des Walliser Ortes handelte es sich um die Kandahar-Piste. Insgesamt hatte der Lawinenkegel mit einer Länge von 840 Metern, einer Breite von 100 Metern und einer Höhe von mehreren Metern ein gewaltiges Ausmass. In der Region bei Crans-Montana galt am Dienstagnachmittag eine mässige Lawinengefahr: Das ist die zweittiefste von fünf Gefahrenstufen. Experten gehen davon aus, dass es sich um eine Gleitschneelawine handelt. Nebst dem Toten wurden vier Menschen verletzt, wenn auch leicht. Die schwer verletzte Person ist in der Nacht auf den Mittwoch im Spital gestorben. Der verstorbene Franzose war verheiratet und war Vater zweier Kinder. Die Walliser Justiz leitete eine Untersuchung zu den Ursachen und Umständen des Lawinenabgangs ein. Grundsätzlich gäbe es zwei Möglichkeiten: Entweder haben Schneesportler oberhalb der gesicherten Skipiste die Lawine ausgelöst ... ...oder die Lawine ist spontan abgegangen. Die Polizei richtete für die Angehörigen eine kostenlose Helpline unter der Nummer 0848 112 117 ein.

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Laut dem Präsidenten der Walliser Bergbahnen gibt es keinen wirtschaftlichen Druck auf Skigebiete, möglichst viele Pisten zu öffnen. Ihm sei auch kein Fall eines Konflikts zwischen einem Pistenchef und einem Bergbahndirektor bekannt, sagt Berno Stoffel im Interview.

Stoffel entgegnet in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF entsprechenden Spekulationen. Für das Sperren oder Freigeben der Pisten seien die Pistenchefs verantwortlich. Diese analysierten die Situation jeden Morgen neu, da sich die Lage während der Nacht wegen Wind, Kälte, Temperaturanstieg oder Neuschnee verändert haben könnte. Jede Piste werde abgefahren und einzeln geöffnet: «Es ist nicht so, dass die Pisten per se offen sind.»

Die verantwortlichen Pistenchefs seien von den Bergbahn-Unternehmungen angestellt, aber unabhängig, sagte Stoffel. Er wisse von keinem Konflikt zwischen einem Bergbahndirektor und einem Pistenchef, bei dem es darum gegangen wäre, Pisten aus ökonomischen Gründen zu öffnen. «Es liegt an keinem Direktor, den Pistenchef zu entmündigen oder seinen Entscheid infrage zu stellen.»

Berno Stoffel geht davon aus, dass es aufgrund der Klimaveränderungen künftig häufiger Gleitschneelawinen geben wird – und deshalb mehr Pisten gesperrt werden müssen. Laut Stoffel ist es für Bergbahnverantwortliche «das Schlimmste, was es gibt», wenn eine Lawine auf eine Piste niedergeht.

Ein Toter und drei Verletzte

Beim Niedergang einer Lawine auf die Piste Kandahar in Crans-Montana kam am Dienstagnachmittag ein 34-jähriger Pistenpatrouilleur ums Leben. Drei weitere Personen erlitten eher leichte Verletzungen.


Das Video, dessen Echtheit unbestätigt ist, soll den Lawinenniedergang in Crans-Montana zeigen. (Video: Leserreporter/Tamedia)

Die Schneemassen – mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Gleitschneelawine – hatten sich gegen 14.15 Uhr an einem Hang in der Region La Plaine Morte gelöst, dem höchstgelegenen Bereich des Skigebiets. Die Piste Kandahar wurde dabei auf einer Länge von etwa 400 Metern verschüttet. Der Lawinenkegel erreichte mit einer Länge von 840 Metern, einer Breite von 100 Metern und einer Höhe von bis zu drei Metern ein gigantisches Ausmass.

Die Walliser Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet.

(ij/sda)