In Tokio verhaftet

28. Mai 2018 15:58; Akt: 29.05.2018 10:13 Print

Walliser verwechselt Karaokebar mit Réception

von B. Zanni - Politiker Frédéric Brantschen wurde vor einigen Monaten in Tokio verhaftet. Er hatte sich mit einem Réceptionisten angelegt.

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«Ich war in einer grossen Stadt, verstand kein Wort Japanisch und war dazu noch übermüdet da verlor ich als kleiner Dorfmensch aus dem Wallis kurz die Nerven», sagt Frédéric Brantschen, Ersatzabgeordneter der CVP Mittelwallis im Grossen Rat. (Bild: Christian Hofmann)

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Zwei Wochen seiner Japan-Ferien im Januar musste Frédéric Brantschen in einer Zelle auf einem Polizeiposten in Tokio ausharren. Eine durchzechte Nacht war ihm zum Verhängnis geworden, wie Lenouvelliste.ch schreibt. Der Ersatzabgeordnete der CVP Mittelwallis im Grossen Rat verwechselte die angrenzende Karaokebar mit der Réception seines Hotels. Dabei kam es zwischen ihm und dem Réceptionisten zu einem Handgemenge.

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«Ich hatte ein paar Gläser getrunken und wollte in mein Hotel einchecken», sagt Brantschen zu 20 Minuten. Die Réception der Karaokebar habe wie jene eines gewöhnlichen Hotels ausgesehen. «Als ich mein Zimmer verlangte, schaute mich der Réceptionist nur komisch an.» Da er gedacht habe, der Réceptionist verweigere ihm den Zutritt zu seinem Zimmer, sei es zu einem Konflikt gekommen.

«Ich verlor als kleiner Dorfmensch die Nerven»

Brantschen betont, nicht betrunken gewesen zu sein. «Stellen Sie sich mal vor: Ich war in einer grossen Stadt, verstand kein Wort Japanisch und war dazu noch übermüdet – da verlor ich als kleiner Dorfmensch aus dem Wallis kurz die Nerven.» Die beiden Nächte zuvor habe er wegen eines Wasserschadens im Hotelzimmer schlecht geschlafen. «Ich tat kaum ein Auge zu, weil es extrem kalt war, und dazu noch mitten im Januar.»

Die Polizei brachte den 30-Jährigen auf den Posten und sperrte ihn in eine Zelle. Ein Anwalt, der nicht auftauchte, und die hohe Sprachbarriere bescherten Brantschen den zweiwöchigen Aufenthalt in einer Zelle. «Ich wurde zu jeder Zeit mit Respekt behandelt, jedoch sprach dort niemand Englisch, Deutsch oder Französisch, was natürlich unangenehm ist.»

«Dieses Verhalten entspricht nicht meiner Art»

Dank der Schweizer Botschaft konnte sich Brantschen von zu Hause Geld überweisen lassen, um dem Réceptionisten sein Handy zurückzuzahlen, das beim Handgemenge zu Bruch gegangen war. Da ihr Geschäft wegen des Polizeieinsatzes gestört worden sei, forderten auch die Betreiber der Karaokebar Schadenersatz. Am Ende wurde Brantschen ohne Anklage oder Einreiseverbot aus der Haft entlassen. «In Japan kann man auch völlig unschuldig 23 Tage in der Untersuchungshaft landen», betont Brantschen.

Der Walliser bereut den Vorfall. «Dieses Verhalten entspricht nicht meiner Art. Es passierte einfach.» Tragisch findet er, dass er mit diesem Vorfall und nicht mit seiner Politik für Aufmerksamkeit sorgt. «Ich verteidige die Bergregionen im Wallis. Dass immer mehr Junge von dort abwandern, ist ein Problem – nicht der Vorfall in meinen Ferien.» Gehe er nochmals nach Japan, werde er zudem nicht mehr beim Hotel sparen. «Lieber buche ich ein internationales Hotel als eines, in dem die Angestellten nur Japanisch verstehen.»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Walliser am 28.05.2018 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hallo - anpassen bitte!

    Gerade als Abgeordneter sollte man mehr Verstand aufbringen: das Problem war weder ein billiges Hotel noch die Sprachbarriere, sondern Organisation, kulturelles Verständnis und Verhalten. Genau das, was uns an gewissen Gäste Gruppen auch stört.

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  • Sulejka am 28.05.2018 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    etwas mehr Disziplin wäre angebracht

    nun ja, ich bin der Meinung dass ein Politiker zwar eins hinter die Binde schütten darf, jedoch sollte er nicht gleich so ausrasten und dann noch in einem fremdsprachigen Land.

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  • Schnüffler am 28.05.2018 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaft 2018

    Besoffener Tourist. Darauf ist er offenbar auch noch Stolz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 33 am 29.05.2018 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    Genau

  • Sepp Trub der Füdlibürger am 29.05.2018 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handschellen

    Wenn der Knast in Japan so aussieht wie bei den Simpsons - na dann buchtet mich ein !

  • Sonderegger am 29.05.2018 01:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Geschrei

    Ist doch lustig die Geschichte und könnte jedem passieren. 2 Wochen in Haft das ist happig. Da hätte er die Möglichkeit etwas japanisch zu lernen. Na dann Prost

  • Staldis_PC_Service am 28.05.2018 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    japan

    ich lebte in japan, hatte nie probleme, also der gute walliser muss sich schon extrem daneben benommen haben. ich finde es zudem komisch dass niemand bei der polizei englisch konnte. musste mal zur polizei als mein fahrrad geklaut wurde und ein polizist konnte sogar deutsch.... übrigens fahrrad wurde von der polizei nach 2 monaten mehrere hundert kilometer weiter wegg gefunden. respekt

  • Budoka am 28.05.2018 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tipp vom Japanreisenden

    Sich vom Hotel eine Visitenkarte geben lassen, die kann man überall vorweisen wenn man sein Hotel nicht mehr findet. In Japan wird man übrigens auch wenn man sturzbetrunken ist, von Taxifahrern nicht übers Ohr gehauen. Die bringen einen sicher ans Ziel.