Parlaments-Entscheid

16. Juli 2014 05:35; Akt: 16.07.2014 10:31 Print

War das Ja zu den Pipi-Pornos ein Versehen?

von Nicole Glaus - Das Schweizer Parlament legalisierte per 1. Juli den Konsum von Fäkalpornos. Doch zahlreiche Parlamentarier hatten bei der Abstimmung keine Ahnung, was sie da guthiessen.

storybild

«Mit dem Thema habe ich mich wirklich nicht beschäftigt», sagen verschiedene Ja-Sager gegenüber 20 Minuten. Sie tun das hinter vorgehaltener Hand.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit Anfang Juli sind in der Schweiz Pornos mit menschlichen Ausscheidungen, also Urin und Kot, erlaubt. Möglich machte dies das Parlament – indem es ein Gesetz durchwinkte, das eigentlich dem Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch dienen sollte.

Umfrage
Was halten Sie von der Legalisierung von Fäkalpornos?
46 %
6 %
48 %
Insgesamt 27595 Teilnehmer

Vielen Befürwortern entging dabei, dass sie mit der Annahme auch Pornos mit Kot und Urin gutheissen: «Ich war mir dessen überhaupt nicht bewusst», «Nein, das ist ja widerlich!» oder «Mit dem Thema habe ich mich wirklich nicht beschäftigt», sagen verschiedene Ja-Sager zu 20 Minuten. Sie tun das hinter vorgehaltener Hand. Offenbar wollen sie nachträglich nicht namentlich zu ihrem Entscheid stehen.

In der Gesetzesänderung ist geregelt, dass ein Bild neu als kinderpornografisch eingestuft wird, wenn mindestens einer der Darsteller unter 18 Jahre alt ist, und dass der Konsum von harter Pornografie strafbar ist. Gleichzeitig haben die Politiker aber zugestimmt, dass neu Fäkalpornografie nicht mehr als harte Pornografie gilt und somit erlaubt ist.

Parlamentarier hätten sich informieren können

Wie die Wortprotokolle zur Debatte im Nationalrat zeigen, war die Aufhebung des Verbots zur Fäkalpornografie im Ratsplenum kein Thema. Umso mehr ärgern sich viele Parlamentarier darüber, dass Fäkalpornos jetzt in der Schweiz erlaubt sind. «Ich weiss nicht, ob ich Ja gestimmt hätte, wenn ich mir dieser Änderung bewusst gewesen wäre», sagt eine Politikerin, die ebenfalls nicht genannt werden möchte. «Die Vorstellung ist so abscheulich, da möchte ich mich gar nicht dazu äussern», so ein weiterer Politiker.

Dabei hätten die Parlamentarier die Möglichkeit gehabt, sich darüber zu informieren, wie die SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen bestätigt: «Wir haben die Thematik in der Rechtskommission intensiv diskutiert und die entsprechenden Informationen waren in der Botschaft des Bundesrates für alle öffentlich einsehbar.» Es müsse sich also jedes Parlamentsmitglied, das sich nun über die Legalisierung ärgere, an der eigenen Nase nehmen.

Kein Zurück

Die Fraktion der SVP lehnte im Gegensatz zur SP die Gesetzesänderung geschlossen ab. Doch auch auf dieser Seite war man sich der Fäkalpornografie-Klausel nicht bewusst, erklärt die SVP-Nationalrätin Yvette Estermann: «Ich mache mir wirklich Sorgen um solche Entwicklungen. Das ist gegen die Menschenwürde und lässt unsere Gesellschaft verkümmern.» Es sei aber die Aufgabe der Befürworter der Gesetzesänderung, diese wieder anzupassen.

SVP-Nationalrat Lukas Reimann ist zurückhaltender: «Grundsätzlich interessiert es mich als Politiker nicht, was die Leute daheim für widerliche Sachen im gegenseitigen Einverständnis machen oder konsumieren.» Sobald es aber gegen den Willen von einer Person geschehe, dann müsse es hart bestraft werden.

Sexuelle Darstellungen mit menschlichen Ausscheidungen wieder den Strafbestimmungen der harten Pornografie zu unterstellen, ist auch für die SP-Nationalrätin Bea Heim keine Option, jedenfalls vorläufig nicht. «Prioritär und zentral ist der Schutz des Kindes – wie es das Parlament mit der Gesetzesänderung beschlossen hat.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Helvetia am 16.07.2014 06:27 Report Diesen Beitrag melden

    Was?? Die Parlamentarier wissen

    nicht über was sie abstimmen?? Das ist ja der Skandal!! Wie können uns solche Leute regieren? Stellt euch vor die schiessen einen ähnlichen Bock ab mit den EU Verträgen. Jetzt muss mal endlich jemand auf den Tisch klopfen, konstruktiv meine ich.

  • werner guntli am 16.07.2014 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    werner

    Bei normalen Leuten würde man sagen. Nicht Wissen schützt vor Strafe nicht.(wie bei den Neuen Zollbestimmungen)

  • Mo le Kül am 16.07.2014 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht eure Arbeit! 

    Mögen Leute in ihrer Rumpelkiste tun was sie wollen. Auch wenn es nicht meine Präferenz ist. Ich bin aber schockiert, dass Gesetze verabschiedet werden, wovon unsere Volksvertreter angeblich keinen Plan haben um was es geht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Natursektliebhaber am 16.07.2014 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    wusste das nicht

    Wusste gar nicht das dass überhault illegal war, kommt eh nicht draufan, auf dem Interent findet man sowieso alles, auch wenn es verboten ist hierzulande. Ausserdem, solanfge niemand zu Schaden kommt und es im gegenseitigen Einverständnis passiert, soll doch jeder seine Sexualität auslben wie er will. Das betrifft auch das Porno gucken.

  • Edward Black am 16.07.2014 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Widderlich

    Absolut widderlich so etwas zu erlauben. Der Schaden für die Schweiz könnte nicht schlimmer sein! Wir werden zu einem Gruselvolk. Denkt niemand an die Polizei, die sich jahrelang dem Kampf gegen diese Unsitten gewidmet hat und Pinkelpornografen gejadt hat statt Pädophile?

  • Marcel Zufall am 16.07.2014 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch gut so

    Da haben etliche Parlamentarier ohne es zu wissen (oder sind es vielleicht heimliche Natursektliebhaber?) die richtige Entscheidung getroffen. Oder will jemand ein Heer von Bundesangestellten, die Tausende von Pornos darauf überprüfen, ob irgendwo eine Pinkelszene drin ist und deshalb in der Schweiz verboten?

  • Walter Spahni am 16.07.2014 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Fäkal-Politik!

    Das kommt davon, wenn die Wandelgänge voll und der NR-Saal leer ist, oder alle Zeitung lesen! Super Leistung!

  • Tommy am 16.07.2014 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Reimann hat sooooo recht

    Was Erwachsene im gegenseitigen Einverständnis tun, geht niemanden etwas an, solange sie dabei niemandem Schaden! Ende der Diskussion.