Verwirrende Migros-Plakate

24. Juli 2014 10:22; Akt: 24.07.2014 10:22 Print

War gestern morgen wirklich heute?

von Sarah Weissmann - Migros sorgt mit den Slogans einer neuen Plakatkampagne für Kopfzerbrechen – zu Unrecht glauben viele, da stimme etwas nicht. Ein Sprachwissenschaftler bringt Licht ins Dunkel.

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«Gestern war morgen heute», heisst es auf Plakaten, mit denen Migros für M-Budget-Fernseher wirbt. Für User auf sozialen Medien ergibt diese Reihenfolge der Adverbien keinen Sinn. Viele sind davon überzeugt, dass es doch eigentlich «gestern war heute morgen» heissen muss.



Ein Sprachwissenschaftler klärt auf. «Der Zeitengebrauch in der deutschen Sprache ist relativ, es gibt keine absolute Zeit. Das heisst, ich kann zum Beispiel im Präsens von der Vergangenheit erzählen», erläutert Patrick Tschirky, Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Wichtig sei die Perspektive: Im Slogan schauen wir von jetzt und heute nach gestern zurück, von dort aus dann einen Tag in die Zukunft und sind – nach erneutem Perspektivenwechsel – wieder im Heute. «Wir haben ein Verb im Präteritum, aber zwei unterschiedliche Perspektiven», so Tschirky. Dass morgen heute ist, stimme nur für einen Tag, nämlich für gestern.

Ein Spiel mit der Logik

Alles klar? Die Erklärung genügt noch immer nicht. Nach kurzem Nachdenken antwortet der Sprachwissenschaftler: «Es handelt sich hier um ein Spiel mit der Zeitenlogik in der Sprache. Das irritiert und lässt uns nicht mehr los. Aber an diesem Satz ist alles korrekt.»

Solche Spiele mit der Sprachlogik finde man auch in der Lyrik, weitet er den Blick. «Der Migros-Slogan passt auch in einen Gedichtband.» Auf die Frage, dass es doch eigentlich «Gestern war heute morgen» heissen müsse, stellt Tschirky fest, dass beide Varianten denkbar und korrekt sind. Allerdings ändert sich die Bedeutung leicht: Der Fokus beim Migros-Slogan liege auf morgen, bei der anderen Variante jedoch auf heute.

Bei der Migros erklärt man, dass der Perspektivenwechsel das Verwirrende am Satz sei. «Die Kampagne weist auf die M-Budget-TVs hin und der Satz macht Sinn, wenn man es mit dem Fernsehprogramm vergleicht. Denn mit dem neuen Produkt kann ich einen ‹Tatort› vom Sonntag aufnehmen und der Montag wird zu meinem Sonntag», so Migros-Sprecherin Martina Bosshard.

Es sei schön, dass sich die Leute von den rund 2500 Plakaten angesprochen fühlen und die Werbung zum Denken anrege, das habe man auch beabsichtigt. Bosshard: «M-Budget ist unkonventionell und richtet sich an ein junges Publikum, da darf man in der Werbung ein bisschen frecher sein, damit sie wahrgenommen wird.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • akademikerin46 am 24.07.2014 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    toll :)

    tolle kampagne, die fordert :) die verwirrung basiert wohl eher auf dem mangelnden wissen vieler um die sprache bzw deren grammatik :(

    einklappen einklappen
  • hüt am 24.07.2014 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    isch morn

    Scho wieder geschter gsie.

  • Zita M. am 24.07.2014 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zweck erfüllt - bravo!

    man hält inne, man spricht darüber - das ist doch der Zweck, so funktioniert Werbung - bravo!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ralf am 29.07.2014 22:09 Report Diesen Beitrag melden

    Migros top

    Ja die Migros kann auch ohne halbnackte Frauen gute Werbung machen. Schade, dass das nicht alle können (trotz Medienwissenschaften oder Designstudium)....

  • Fredy am 28.07.2014 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Spruch von meinem Vater

    übermorgen ist später als übervorgestern.

  • Silvie am 26.07.2014 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Sprachliche Verdummung

    Ich finde es erschreckend, dass so viele Leute diesen simplen (einfachen) Satz nicht verstehen!

  • Röbi am 26.07.2014 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Einfaches kompliziert gesagt:

    Ich bin der Sohn der Schwester meiner Tante.

  • Cyrca am 25.07.2014 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Top Plakate

    Ein der besten Werbungen ;) Ich liebe diese Plakate.