Geheimer Einsatz

05. März 2013 20:34; Akt: 05.03.2013 20:34 Print

Waren Schweizer Elite-Soldaten in Mali?

SVP-Nationalrat Lukas Reimann will aus «sicherer Quelle» erfahren haben, dass Schweizer Soldaten eine Mission in Mali geleistet haben. Er verlangt nun Antworten vom Bundesrat.

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Sie sind die Elitesoldaten der Schweiz: Die Angehörigen des Armee-Aufklärungsdetachement 10 (AAD 10). Zu den Aufgaben des AAD 10 gehört die Evakuierung von Schweizern im Ausland... ...wie sie es im August 2007 in Isone vorführen. Die Schweizer werden aus dem Botschaftsgebäude in einen Transporter geleitet. Verletzte werden dort auch medizinisch betreut. Anrückende Krawallanten, möglicherweise Aufständische, umzingeln die Botschaft. Die Elitesoldaten halten die Krawallmacher auf Distanz. Die in der Botschaft verbliebenen Soldaten versammeln sich auf dem Dach des Gebäudes. Rettung naht in Form eines Transporthubschraubers, der von den Angehörigen des AAD 10 eingewiesen wird. Am sogenannten Aufnahmetau hängend entschwinden die Soldaten durch die Lüfte aus dem Unruhegebiet. Die Angehörigen des AAD 10 sind in verschiedenen Techniken ausgebildet. Eine Infiltrationstechnik ist die amphibische: Ein Kampftaucher mit Sauerstoff-Kreislaufgerät beim Navigieren. Oft kommen die Schweizer Elitesoldaten aber aus der Luft: AAD10-Mitglieder sind auf einem Cougar, bereit sich abzuseilen. Elitesoldaten seilen sich vom Helikopter auf ein Dach ab. Die Evakuierung über die Luft, im Bild ein Super Puma, gehört ebenfalls zur Ausbildung. Dabei verwendet das AAD 10 ein sogenanntes Aufnahmetau, an dem mehrere Soldaten inklusive Ausrüstung ausgeflogen werden können. Das Aufnahmetau kann auch zum Aufseilen aus dem Wasser verwendet werden. Angehörige des AAD 10 rennen zu einem Helikopter des Typs Bell UH-1. Die Elitesoldaten können auch mit einem Fallschirm, im Bild der SF-10 Rundkappenfallschirm, in feindliches Gebiet gelangen. Eine motorisierte Einheit ist mit dem sogenannten LAUF, dem leichten Aufkärungs- und Unterstützungsfahrzeug unterwegs. Das LAUF ist mit einem aufmontierten Maschinengewehr 93 und einem Maschinengewehr 1951 beim Beifahrersitz ausgerüstet. Der Führerstand des LAUF. Frontansicht des LAUF mit Maschinengewehr und Werkzeugen auf der Motorhaube. Gibts für Fahrzeuge kein Weiterkommen mehr, gehts zu Fuss weiter. AAD10-Angehörige beim Aufstieg durch eine Felswand. Eine Ausbildung des AAD 10 ist jene zum Scharfschützen. Im Bild auf einem Grat im Gebirge mit dem Scharfschützengewehr 04. Informationen beschaffen in feindlichem Gebiet: Getarnte Aufklärer im Gebüsch. Angehörige des AAD 10 beobachten Ziele und bezeichnen sie. Ein Elitesoldate übermittelt Informationen, sein Kamerad sichert ihn mit der verkürzten Version des Sturmgewehr 90. Eine wichtige Aufgabe ist der Häuserkampf: Ein Sturmduo sichert eine Häuserflanke. Zum Häuserkampf gehört das Eindringen in Gebäude: Spezialeinheiten öffnen eine Tür mit einer Fräse. Die Elitesoldaten können aber auch durchs Fenster kommen: Angehörige des AAD 10 seilen sich an einer Hauswand ab und sprengen ein Fenster, um einzudringen. Doch der Alltag ist nicht immer so spektakulär: Ein AAD10-Soldat bewacht ein Fahrzeug, ausgerüstet mit der verkürzten Version des Sturmgewehrs 90 und einem Funkgerät. Zu den Grundlagen gehört auch die Übermittlung von Informationen: Ein Spezialist baut eine Satellitenverbindung, SATCom genannt, auf. Die medizinische Ausbildung ist ebenfalls eine Grundlage: Ein Soldat verabreicht seinem Kameraden eine Infusion.

Zum Thema
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Eine Spezialeinheit der Schweizer Armee soll einen zweimonatigen Einsatz in Mali geleistet haben. SVP-Nationalrat Lukas Reimann habe aus «sicherer Quelle» erfahren, dass das Armee-Aufklärungsdetachement 10 (AAD 10) von Januar bis letzte Woche in Nordafrika war, schreibt der «Blick».

«Ich wusste schon länger von dem Einsatz. Jetzt soll der Bundesrat darüber Auskunft geben», sagt Reimann gegenüber 20 Minuten. Er reichte am Montag eine dringliche Anfrage ein – sie soll Licht ins Dunkel bringen. Unter anderem möchte er wissen, wie viele Armeeangehörige im Einsatz standen, wie die genaue Mission ausgesehen hat, wer die Aktion genehmigt hat und ob immer noch Schweizer in Mali stationiert sind.

Das VBS dementiert

Reimann ist sich seiner Sache sicher: «Mein Informant hat mir sogar Bilder von diesem Einsatz gezeigt», zitiert ihn der «Tages-Anzeiger». Gemäss der Quelle sollen die Armeeangehörigen in Mali Botschaften und Diplomaten beschützt haben. Das Verteidigungsdepartement (VBS) widerspricht Reimann. «Es waren keine Schweizer Soldaten in Mali», sagt Sprecherin Sonja Margelist. Auslandeinsätze, die länger als drei Wochen dauern, müssen im Normalfall vom Parlament genehmigt werden.

Die Einheit AAD 10 ist auf Einsätze im Ausland spezialisiert. Zu ihren Hauptaufgaben gehört der Schutz von Personen und Einrichtungen, Beschaffung von Schlüsselnachrichten und die Rettung von Schweizer Bürgern aus Krisengebieten. Viel ist nicht über sie bekannt: Über die Truppengrösse, Bewaffnung und Ausbildung hüllt man sich beim VBS in Schweigen: «Eine Veröffentlichung könnte zu Rückschlüssen auf das Potenzial und die Möglichkeiten des AAD 10 zulassen» heisst es bei der Armee.

(rey)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jo Käbselli am 05.03.2013 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wilhelm Tell und seine Nachfahren

    Leute, was ist Geheimer als Geheim? Seit froh gibt es diese Einheit die sich für uns im Ausland den Ars... aufreissen lassen würden wenn wir in einer Gefahrensituation sind. Jeder würde dann Zittern und insgeheim hoffen das man in die heile Schweiz zurück kommt. Da es ja scheinbar diese Einheit gibt soll sie ihre Arbeit machen ohne wenn und aber. Ich würde Sie unterstützen auch wenns mit der Armbrust wäre! Winkelried ich komme

  • Icemaker am 05.03.2013 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizerboden

    an alle die es noch nicht wisen: das Stück Land, auf dem die Schweizerbotschaft im Ausland steht, ist ein Stück Schweiz. Sollte AAD10 wirklich in Male gewesen sein, dann sicher nur im Botschaftsgelände, sprich auf Schweizerboden

  • Stefan Kuhn am 05.03.2013 22:15 Report Diesen Beitrag melden

    Populismus... Wer soll den Job machen?

    Herr Reimann will sich bloss bei den Altvorderen seiner Partei beliebt machen, welche ständig für die Miliz-Armee votieren und partout keine Profi-Einheiten wünschen. Das AAD hat klare Aufträge und wenn es um die Evakuation von CHern geht, sind die Jungs halt in Mali. Wer sonst? Die Pfadpfinder Niederbipp-Süd?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Oscar Unchained am 07.03.2013 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Beschlossene Sache

    Nun ja, der Einsatz von Schweizer Soldaten in Schweizer Botschaften im Ausland, ist nun mal eine Sache die sozusagen beschlossen wurde. Den wer Firmen wie Aegis in seinem Wirtschaftsraum nicht toleriert, der braucht dann konsequenterweise auch keine Aufträge an dieses Gewerbe auszuteilen!

  • Jo Käbselli am 05.03.2013 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wilhelm Tell und seine Nachfahren

    Leute, was ist Geheimer als Geheim? Seit froh gibt es diese Einheit die sich für uns im Ausland den Ars... aufreissen lassen würden wenn wir in einer Gefahrensituation sind. Jeder würde dann Zittern und insgeheim hoffen das man in die heile Schweiz zurück kommt. Da es ja scheinbar diese Einheit gibt soll sie ihre Arbeit machen ohne wenn und aber. Ich würde Sie unterstützen auch wenns mit der Armbrust wäre! Winkelried ich komme

  • Nicht interessant am 05.03.2013 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neutral heisst auch auf sich selbst gestellt.

    Was mich einfach immer wieder verwundert, wie unüberlegt manche Dinge gepostet werden. Erstens hat niemand gesagt das AAD10 nimmt effektiv an Kriegseinsätzen teil. Sondern wurde für Personenschutz und Evakuierungen ausgebildet. Und zweitens bedeutet unsere neutralität halt auch, dass wir für unsere Diplomaten etc selber schauen müssen. Wir können nicht einfach den Kopf in den Sand stecken und die Nato unsere Diplomaten beschützen lassen. Neutral heisst eben auch dass wir auf uns gestellt sind. Als bestes Beispiel dient die Geiselnahme in Libyen.

  • Icemaker am 05.03.2013 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizerboden

    an alle die es noch nicht wisen: das Stück Land, auf dem die Schweizerbotschaft im Ausland steht, ist ein Stück Schweiz. Sollte AAD10 wirklich in Male gewesen sein, dann sicher nur im Botschaftsgelände, sprich auf Schweizerboden

  • Oscar Unchained am 05.03.2013 23:08 Report Diesen Beitrag melden

    Spiel nicht mit dem Feuer Reinmann!

    Es währe nicht das erste Mal, dass Reinmann ein Strohfeuer entfacht hat, das letztendlich gegen die eigene Seite umgeschlagen ist! Sein Transparenzvorstoss im Nationalrat war damals nicht Sattelfest genung, als das man den Linken das Thema zu den Händen heraus hätte reissen können (Positives Beispiel: Abzockerinitiative). Stattdessen führte das dann zu absurden Andichtungen, die besagte Seite heute noch für qualitativ hält, wohl aus Mangel an Argumenten. Wenigstens kann man sagen das Reinmann immer Mut hatte und aus diesem Stoff sind Helden gemacht.