Reden am Tag der Arbeit

01. Mai 2012 09:52; Akt: 01.05.2012 17:40 Print

Warnung vor Thatcherismus - gerechte Löhne

SP-Präsident Christian Levrat wendet sich in einer Videobotschaft an die Bevölkerung. Darin warnt er vor einem Neoliberalismus à la Thatcher. Auch andere Redner zeigen sich kämpferisch.

Die Videobotschaft von SP-Präsident Christian Levrat (YouTube/SPSchweiz)
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Schweizweit ist am Dienstag der Tag der Arbeit begangen worden. Auf den Bühnen standen Politikerinnen und Gewerkschafter, am Pranger die ungerechte Verteilung des Geldes. Die Umverteilung zugunsten der Reichen habe in den vergangenen 20 Jahren eklatant zugenommen, sagte VPOD-Präsidentin Katharina Prelicz- Huber in Schaffhausen. Ein Prozent der Schweizer Bevölkerung besitze mehr als die restlichen 99 Prozent. «Das ist eine ungeheuerliche Ungerechtigkeit», sagte sie.

Doch statt diese Ungerechtigkeit zu korrigieren, machten die Bürgerlichen den Reichen, Superreichen und Unternehmen milliardenschwere Steuergeschenke. Gleichzeitig würden Rechte und Schutz der Arbeitnehmenden heruntergefahren.

Arbeit sei für die neoliberalen Ideologen, die in Wirtschaft und Politik den Ton angäben, nur ein Kostenfaktor, spann Martin Flügel, Präsident von Travail.Suisse gleichenorts den Faden weiter. «Denken wir an alle Liberalisierungen und Privatisierungen im Namen des allmächtigen Marktes, denken wir an den steigenden Druck auf die Löhne, an die Ausbreitung von befristeter Arbeit oder Entstehung von Tieflohnbranchen auch bei uns, in der reichen Schweiz.»

Abkehr vom «Gott des Marktes»

In Zofingen AG forderte deshalb der Präsident des Aargauischen Gewerkschaftsbundes, Kurt Emmenegger, «eine andere Wirtschaft». Angesagt sei eine «fundamentale Abkehr vom Gott des Marktes, dem Shareholder Value, und dessen Willensvollstrecker, der Finanzwirtschaft».

Ein Markt, der dazu geführt hat, dass die Eidgenossenschaft mit den Worten des Berner Schriftstellers Pedro Lenz zur einer «Eidkonsumentenschaft» geworden ist. «Konsum ist die Religion unserer Zeit», sagte Lenz in Zürich vor 12'000 Demonstrierenden. Und wie bei jeder Religion sei es auch beim Konsum der Brauch, dass man nicht zu viel hinterfrage, nicht zu viel anzweifle, nicht zu viel widerspreche.

«Es gibt kein Bewusstsein mehr für das Kollektiv, in dem alle Platz haben», stellte Lenz fest. Es sei nicht zu verstehen, dass es nicht endlich selbstverständlich sei, dass man Werte und Rendite so verteile, dass es für alle genug gebe zum Leben.

«Agglo ist nicht SVP»

Einen Lösungsansatz skizzierte Paul Rechsteiner, der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. Er rief die Linke dazu auf, sich neu zu orientieren. Die Linke müsse wieder auf die Menschen zugehen und auf ihre Probleme und Bedürfnisse eingehen.

Aber dafür müsse die Linke den Kampf aufnehmen - nicht nur in den Städten, sondern auch in den Agglomerationen. «Es gibt kein Naturgesetz, dass die Agglo SVP ist», sagte der St. Galler SP- Ständerat in Zürich.

Der Schlüssel für neue politische Mehrheiten seien gute Löhne und gute Renten. Es brauche wieder eine Lohnpolitik der Vernunft und Gesamtarbeitsverträge, die dafür sorgten, «dass alle etwas von der wirtschaftlichen Entwicklung haben und nicht nur die Aktionäre und eine kleine Minderheit von Profiteuren.

Oder mit den Worten von Unia-Co-Präsident Renzo Ambrosetti in Chur: «Wir lassen keine Schweiz zu, in der AHV, IV, Arbeitslosen- und Unfallversicherung kaputtgespart werden. Wir lassen keine Schweiz zu, in der die sozial Schwachen wieder betteln sollen.»

Noch prägnanter brachte das Zürcher 1.-Mai-Komitee die Forderung Rechsteiners nach einer neuen Linken auf den Punkt: «Für unsere Rechte, eine gerade Linke», lautete das offizielle Motto für den Tag der Arbeit.

Warnung vor «Totspar-Politik»

Die 1.-Mai-Feiern machten auch vor den Grenzen und grenzüberschreitenden Themen nicht Halt. In Kreuzlingen TG warnte Andreas Rieger, Co-Präsident der Unia, vor dem sozialen Abbau historischen Ausmasses im Süden Europas: «Wenn die EU fortfährt mit ihrer Totspar-Politik, dann reisst sie das ganze soziale Europa in den Abgrund. Dagegen müssen die Gewerkschaften länderübergreifend ankämpfen», sagte er.

Rieger forderte gleichen Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort. In der Schweiz müssten Schweizer Löhne bezahlt werden, genauso wie in Deutschland deutsche Löhne bezahlt werden sollen und nicht polnische. Zudem forderte er ein Ende der Steueroase Schweiz.

Nicht ganz ohne Grund, denn Kreuzlinger und Konstanzer Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter begingen den Feiertag Gewerkschafter Alessandro Pelizzari hielt eine Rede.gemeinsam. Nur grenzüberschreitende Solidarität könne eine überzeugende Antwort sein, betonte Bernhard Hanke, Ortsvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds Konstanz.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jakob B am 01.05.2012 11:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor der eigenen Tür wischen

    Die SP bundesräte schicken das Geld ins Ausland und verscherbeln die Schweiz.

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  • Physio am 01.05.2012 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Linke

    Das passt genau zur SP, grosse Töne spucken, aber den Physiotherapeuten/innen, die seit 14! Jahren den gleichen Lohn haben, nicht helfen. Typisch.

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  • Peter am 01.05.2012 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volk angelogen?

    Wie war das denn bitteschön mit dem Abstimmungskampf zur Personenfreizügigkeit? Kein einziges Versprechen des Bundesrates ist eingetroffen! Die Einwanderung steigt, wer Arbeitslos wird wandert NICHT aus, Dublin funktioniert nicht, das Informationssystem kostet bislang das Dreifache (PS: und funktioniert nicht), die Löhne werden gedrückt, u.s.w.u.s.f. Hört auf mit dieser Scheinheiligkeit! Wie oft muss der Kommunismus noch so viel Leid hervorbringen bis es alle begreifen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Politiker am 02.05.2012 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    Erfolg kann man planen

    Die Linke muss wieder mehr Politik für die Schweizer Arbeiter machen, dann hat sie bei denen auch wieder mehr Erfolg.

  • Pirmin Neuegger am 02.05.2012 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Sozi ade

    Und die Löhne der Gewerkschaftbosse? Und der von Hr. Levrat? Auch nicht gerade sozial. Aber eben, Wasser predigen und Wein trinken.

    • Papierlischweizer am 02.05.2012 22:54 Report Diesen Beitrag melden

      Wer trinkt denn all den teuren Bordeaux?

      Wieso denken gewisse Menschen, dass linksorientierte Zeitgenossen keinen anständigen Lohn erhalten dürfen? Einen Lohn zu erhalten, ist nichts Asoziales. Sich mit diesem Lohn für eine gerechte Welt einzusetzen jedoch etwas, das eine gewisse Grösse voraussetzt. Aber ich freue mich auf den Tag, an dem sich die Herren Ospel, Grübel, Villiger oder Vasella ihre Löhne freiwillig auf unter Fr. 100000.-/ Jahr senken. Dann wären die Löhne derer, die für Lohngerechtigkeit gekämpft haben, um so gerechtfertigter.

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  • Sandro am 02.05.2012 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    WARNUNG VOR SP - LEVRAT

    In der Finanz- und Wirtschafts-Krise sitzt die SP am kürzerem Hebel - denn die Rechnung kann nach SP-Strategie nicht aufgehen. Eher müsste man daran denken, die Politiker-Löhne zu kürzen - zuviele verdienen zwischen Fr. 200'000.-- bis Fr. 1'000'000.-- und mehr, und genau da muss man die Bremse anziehen.

  • Laura Meier am 02.05.2012 01:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechsteiners Worte:

    Wir lassen keine Schweiz zu, dass...... Leider wurde Schengen u. die Personenfreizügigkeit zugelassen. Dafür bekommen wir jetzt leider die Quittung. Es kann nicht kontrolliert werden, ob ein EU-Bürger gleich viel verdient wie ein CH-Bürger. Jetzt kommen sie halt in Scharen in die CH. Ich glaube, es ist ein Fakt, dass der ganze EU-Raum pleite gehen wird (hoffe trotzdem, dass ich falsch liege). Der Druck auf die Schweiz wird so oder so immer grösser. Unterdessen will man die Realität nicht sehen. Man lässt immer mehr Menschen ins Land. Die Unternehmen freuen sich über ihren Profit und billige Arbeitskräfte. Wie heisst es so schön; der Krug wird zum Brunnen getragen bis er bricht.

    • jasmin am 03.05.2012 06:52 Report Diesen Beitrag melden

      sie liegen nicht falsch

      liebe LAURA MEIER; leider liegen sie nicht falsch der EU-RAUM WIRD pleite gehen das ist die realität

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  • Stefan W. am 01.05.2012 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    Versprechen können sie! Halten? Nichts!

    Ich finde die Moraliererei der Linken am 1. Mai immer wieder lustig. Am 2. Mai kehrt dann der Alltag zurück und sie wenden dem Volk wie gewohnt den Rücken zu. Honig um den Mund schmieren und nicht viel mehr. Kommt dazu, das Geld fällt bei den Linken immer wieder wie die Wachteln vom Himmel.